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Start / Solargraphie

Nutzt man bei der Fotografie am hellen Tag Belichtungszeiten, die selten länger als 1/100 Sekunde sind (eher noch deutlich kürzer), so nutzt man in der Astrofotografie eher Belichtungszeiten von Minuten bis hin zu mehreren Stunden. In der Solargraphie sprechen wir von Belichtungszeiten von Wochen oder gar Monaten …

Nachfolgend beschreibe ich, was eine Solargraphie genau ist, die Vorgehensweise zum Erstellen einer Solchen und zeige meine bisherigen Ergebnisse.



Die Solargraphie
Der Name verrät grob, worum es hier geht – zeichnen mit der Sonne. Man arbeitet hierbei mit einer Lochkamera, in der ein Stück chemisches, lichtempfindliches, schwarzweißes Fotopapier als Projektionsfläche befestigt wird. Hierfür eignen sich z.B. Film- oder Konservendosen, in die ein klitzekleines Loch gestochen/gebohrt wird, ganz hervorragend. Über den Zeitraum von Tagen, Wochen oder gar Monaten wird ein Abbild dessen, was die draußen montierte Kamera „sieht“, auf dem lichtempfindlichen Fotopapier belichtet. Die Kamera sollte am gewünschten Ort am besten in Richtung Süden ausgerichtet sein, damit auf der finalen Aufnahme der Verlauf der Bahn der Sonne sichtbar wird, den sie im Aufnahmezeitraum am Himmel zurücklegt. Neben dem ausgesuchten Landschaftsmotiv, sind es genau die Sonnen-Strichspuren, die eine Solargraphie so interessant machen.

Was genau die Kamera über einen so langen Zeitraum aufgezeichnet, bzw. wie die Chemie des Fotopapiers auf das Sonnenlicht reagiert hat, dass weiß man dann erst, wenn man die Belichtung beendet, das Fotopapier zu Hause aus der Lochkamera entnommen, eingescannt und das Ergebnis am Computer mit einem Bildprogramm bearbeitet hat. Eine sehr spannende Sache, die aber auch viel Geduld erfordert. Apropos Geduld … meine erste Solargraphie habe ich nur einen einzigen Tag lang belichten lassen, weil ich so neugierig war, dass ich die Lochkamera schon vor Sonnenaufgang des zweiten Tages wieder abgebaut und mir das Ergebnis angeschaut habe.



Vorgehensweise beschrieben anhand meines ersten Solargraphie-Versuchs
Wie schon beschrieben, benötigt man eine Lochkamera, die man sich ganz einfach aus irgendeiner lichtdichten Dose selbst basteln kann. Lebensmittel-Konservendosen und Getränkedosen eigenen sich hierfür sehr gut.

Meine erste Solargraphie-Lochkamera habe ich mir aus einer Kleinbild-Negativfilm-Dose aus Kunststoff gebaut, in die ich mit einer heißen, dünnen Nadel seitlich ein kleines Loch gestochen habe – auf nachfolgendem Foto mit einem roten Kreis markiert. In der Dose sieht man auch das weiße Fotopapier.

Hier nochmal die Filmdose von oben. Auch hier habe ich die Position des gestochenen Lochs markiert und man sieht auch das Stück Fotopapier, dass natürlich nur so groß sein darf, dass sich die Dose verschließen lässt und das Loch zur Belichtung nicht verdeckt wird.

Die Fotos meiner ersten Solargraphie-Lochkamera habe ich nach dem ersten Belichtunseinsatz gemacht, kurz nachdem ich sie demontiert und zum scannen geöffnet hatte. Ich schreibe das hier bewusst, da die Bestückung der Lochkamera mit dem lichtempfindlichen Schwarzweiß Fotopapier zwingend in absoluter Dunkelheit, bzw. maximal unter Benutzung einer speziellen Fotolampe erfolgen muss, wie sie auch in Fotolaboren genutzt werden, damit das Fotopapier erst dann Kontakt mit Licht bekommt, wenn sie draußen installiert wurde.

Hat man sich ein passendes Stück Fotopapier im dunklen Raum zugeschnitten und in der Lochkamera passend positioniert, wird die Dose licht- und wasserdicht verschlossen, da sie ja gegebenenfalls über einen längeren Zeitraum der Natur ausgesetzt sein wird. Für den Transport zur ausgesuchten Location, von der aus man seine Solargraphie erstellen möchte, wird das Kameraloch einfach mit einem lichtundurchlässigen Klebestreifen verschlossen. Dieser wird dann erst wieder entfernt, wenn die Lochkamera am gewünschten Ort sicher positioniert wurde.


Worauf ist bei der Auswahl der Fotolocation zu achten?

1. Um die Bahn der Sonne aufnehmen zu können, sollte die Kamera grob in Richtung Süden mit möglichst freier Sicht zum Himmel ausgerichtet sein.
2. Sichern der Lochkamera gegen Wind- und sonstige Wettereinflüsse.
3. An frei zugängigen Stellen sollte die Kamera möglichst unauffällig vor neugierigen „Entdeckern“ montiert werden, damit sie auch die gewünschte Zeit an Ort und Stelle ihren Dienst tuen kann.

Nach der gewünschten Belichtungszeit wird das Loch wieder mit lichtdichtem Klebeband verschlossen, die Dose demontiert und zu Hause erst dann geöffnet, wenn der Computer mit angeschlossenem Scanner bereit für den Scan ist. Viele Versuche hat man nämlich nicht. Gerade beim Scanvorgang kommt so viel Licht auf das lichtempfindliche Fotopapier, sodass von dem eigentlich aufgenommenen Motiv schnell nichts mehr zu sehen ist, wenn man den Scan mehrfach wiederholen muss, weil irgendwas nicht sofort funktioniert hat.

Meine erste Solargraphie hat gerade mal einen Sonnentag lang gedauert. Zu groß war die Neugierde, ob man schon nach einem kurzen Wintertag – die Aufnahme entstand am 16. Dezember 2010 – etwas auf dem Fotopapier sehen würde.

Das ist das Ergebnis nach dem Scan:

Man muss schon ganz genau hinschauen, um zu sehen, dass da tatsächlich direkt was auf dem chemischen Fotopapier zu erkennen ist. Und das, ohne dass man dafür hochgiftige Entwicklungs- und Fixierungsbäder benötigt, wie man das aus der Welt der analogen Fotografie aus dem Fotolabor kennt. Ich habe in den Neunzigern noch Erfahrungen damit im eigenen kleinen Fotolabor sammeln können und weiß, wovon ich spreche.

Mit einem Bildbearbeitungsprogramm wird der Scan, bei dem es sich quasi um ein Negativ handelt, invertiert (d.h. weiß wird zu schwarz und umgekehrt) und dann stark gestretcht, also der Kontrast verstärkt. Zum Vorschein kommt …


Meiner erste Solargraphie – ein Tag Belichtungszeit

Ich hatte die Filmdose an einem Regenablaufrohr am Haus befestigt, mit Blick nach Süden auf das gegenüber der Straße liegende Nachbarhaus. Man kann sogar dessen Fachwerk erkennen. In unserer Einfahrt stehen Autos und man erkennt, dass auf dem kleinen Lieferwagen, wie auch auf dem Dach des Nachbarhauses Schnee liegt. Was man aber auch sieht, ist die Bahn der Sonne, links vom Nachbarhaus, hinter den Bäumen. Und was total verrückt ist – es handelt sich ja um Schwarzweiß Fotopapier. Bei der Solargraphie reagiert das aber mit dem Sonnenlicht und den sonstigen Umwelteinflüssen so, dass es nachher beim „entwickeln“ am Computer Farben zeigt, die den Aufnahmen einen ganz besonderen Reiz verleihen.


Meine nächsten Versuche habe ich tatsächlich erst gut drei Jahre später gemacht. Anstatt die kleine Negativ-Filmdose weiter zu verwenden, habe ich eine größere Gemüse-Konservendosen verwendet, die ich innen und außen geschwärzt habe – innen, um Streulichteffekte innerhalb der Lochkamera möglichst zu unterdrücken, und außen, um sie unauffälliger vor neugierigen Blicken zu machen.




Solargraphie Lengefeld – Belichtungsdauer 29 Tage
Meinen zweiten Solargraphieversuch habe ich am 18.01.2014 um 11 Uhr gestartet. Die Konservendosen-Lochkamera habe ich wieder wieder zu Hause, mit Blick auf das gegenüberliegende Nachbarhaus installiert. Abgebaut habe ich die Kamera dann am 16.02.2014 gegen 18:30 Uhr

Die Auflösung ist durch die größere Kamera und das dadurch größer zugeschnittene Fotopapier etwas höher. Anhand der Sonnenbahnen kann man sehen, wie die Sonne zu Beginn des Jahres von Tag zu wieder höher steigt. Man sieht aber auch, wie oft es bewölkt war und damit kein direktes Sonnenlicht auf das Fotopapier fallen konnte – deutlich sieht man die Unterbechungen während eines Tages, aber auch, dass es Tage ganz ohne Sonnenschein gab.

Nachfolgend noch einmal, wie das Fotopapier nach dem öffnen der neuen, größeren Lochkamera zum Vorschein kam.




Solargraphie Korbach – Belichtungsdauer 56 Tage
Parallel zur vorgenannten Lochkamera hatte ich eine Zweite gebaut und am 19.01.2014 gegen 20 Uhr in Korbach an der Umgehungsstraße (nahe der Abfahrt zur Mauser/Müllheizkraftwerk) mit Blick auf Korbach installiert. Um bei dem Vorhaben nicht gesehen zu werden, habe ich das am Abend dunkeln gemacht, genau wie die Demontage am 16.03.2014 gegen 19 Uhr.

Auf nachfolgendem Foto habe ich die an einer Birke befestigte Lochkamera von einem Feldweg aus fotografiert. Wie man sieht, sieht man sie (auf Höhe der Leitplanke) kaum. Die Wahrscheinlichkeit war also gering, dass die Dose von jemandem entdeckt und entfernt werden würde.




Solargraphie Eisenberg – Belichtungsdauer 64 Tage
Meine bisher letzte Solargraphie habe ich auf dem Korbacher Hausberg – dem Eisenberg – mit Blick auf den Georg-Viktor-Turm und die (gefakte) Burgruine ausgerichtet. Installiert am 22.03.2014 gegen 14 Uhr, demontiert am 25.05.2014 gegen 19 Uhr.

Während die Burgruine maximal zu erahnen ist, kann man aber den Georg-Viktor-Turm doch gut erkennen. Was man auch sieht ist, dass die Sonne nach etwa der Hälfte des Belichtungszeitraums in den Stunden vom späten Vormittag bis zum Nachmittag nicht mehr im Bild ist. Die Sonne stand zu dieser Zeit einfach zu hoch, um noch durch das kleine Loch der Lochkamera auf dem Fotopapier „zeichnen“ zu können. Außerdem sieht man noch, dass die Bahn der Sonne teilweise von herunterhängenden Ästen verdeckt wurde.

Hier in etwa der Blickwinkel, den die Lochkamera auf dem Eisenberg erfasst hat.

Und noch ein weiteres Foto, das die wieder an einem Baum befestigte Lochkamera zeigt. Auch diese konnte ich unversehrt wieder bergen, wenngleich ich hier etwas skeptisch war, ob sie unentdeckt bleiben würde.