Die visuelle Beobachtung von Nebeln im Bereich der Hβ-Emissionen ist recht anspruchsvoll. Zwar liegt die Emissionslinie bei 486,1 nm noch gut in dem Bereich, den das Auge erfassen kann, aber der Energiegehalt dieser Emissionslinie ist deutlich geringer, als die der OIII- und der Hα-Linien. Somit ist es hier besonders wichtig, dass ein Filter diese Emissionslinie gut trifft, dort eine hohe Transmission besitzt und möglichst alles andere unterhalb und oberhalb dieser Emissionslinie gut ausblendet, um den nötigen Kontrast für eine gute und erfolgreiche Beobachtung zu schaffen. Genau in diesen Punkten unterscheiden sich die Filter am Markt sehr deutlich und meine visuellen Beobachtungen mit diversen Hβ-Filtern verschiedener Hersteller und meine parallel durchgeführten spektroskopischen Untersuchungen zeigten mir deutlich, warum ein günstiger Filter im Bereich der Hβ-Linie kein Kompromiss darstellt und nicht mal sein Geld wert ist.
Auslöser meiner Untersuchung war, dass Explore Scientific einen Hβ-Filter für ca. 100,-€ auf den Markt gebracht hatte. Da die Produkte dieses Herstellers in der Hobby-Astroszene allgemein positiv bewertet werden, wollte ich den Filter gern mal ausprobieren, da ich bis dahin noch keinen Hβ-Filter besaß und dieser nur etwa die Hälfte der Filter kostete, die von visuellen Beobachtern sonst empfohlen wurden. Dank eines persönlichen Kontakts mit einer mir gut bekannten Mitarbeiterin der Firma Bresser, bekam ich neben zwei (angeblich) handselektierten Serienmodellen des neuen ES Hβ-Filters sogar das Vorserienmodell zugeschickt. Nach meinen ersten Beobachtungen mit diesen Filtern bekam ich von zwei weiteren Bekannten noch je einen Hβ-Filter von Thousand Oaks und von ICS.
Bei der visuellen Beobachtung bemerkte ich nicht nur, dass sich die beiden Serienfilter schon von der Qualität der Filterwirkung her unterschieden, sondern auch, dass das Vorserienmodell deutlich besser funktionierte, als die beiden Serienmodelle. Die Filter von Thousand Oaks und von ICS zeigten die Testobjekte (California- und Pferdekopfnebel) nochmal einen kleinen Tacken besser als, der ES Vorserienfilter.
Meine anschließende spektroskopische Untersuchung brachte dann auch (fast) keine Überraschungen, sondern bestätigte ganz klar, was ich zuvor visuell bereits feststellen konnte. Der ES Serienfilter mit der Seriennummer #0694 traf die Linie nur im unteren Randbereich. Dies lässt vermuten, dass hier die Transmission nicht so gut ist, wie im mittleren Bereich. Der Serienfilter mit der Nummer #0669 traf die Hβ-Linie etwas besser – die Transmission dürfte hier entsprechend etwas höher sein, als bei dem vorgenannten Filter. Noch besser trifft aber der Vorserienfilter die Hβ-Linie. Was mich hier dann aber doch überraschte war, dass der Durchlassbereich dieses Filters deutlich enger als der der Serienfilter war. Somit schneidet der Vorserienfilter die unerwünschten Wellenlängenbereiche besser ab, was sich in einer deutlichen Kontraststeigerung bemerkbar macht. Das die Filter von Thousand Oaks und ICS die Testobjekte nochmals etwas besser zeigten liegt klar der Tatsache geschuldet, dass sie nicht nur die Hβ-Emissionslinie gut treffen, sondern durch den noch engeren Transmissionsbereich auch einen noch höheren Kontrast herstellen können.

Fazit: Gerade im Hβ-Wellenlängenbereich ist es aufgrund der geringen Flächenhelligkeit der Objekte äußerst wichtig, einen sehr steilflankigen, engbandigen Filter zu nutzen, der die Emissionslinie genau trifft und dabei noch eine hohe Transmission besitzt. Und genau das scheint das Aufwändige bei der Herstellung zu sein, weshalb ein solcher Filter vergleichsweise teuer ist. Mit der Erkenntnis gingen die beiden Hβ-Filter von Explore Scientific wieder zurück, da die Filterwirkung bei einem der Serienfilter fast gar nicht, beim Zweiten nur minimal vorhanden war. Den Vorserienfilter hätte ich zum gleichen Preis behalten, musste den aber leider wieder abgeben.