Start Beobachtungsberichte 2010 04.-06.01.2010 - Sonne im Auge, Mars auf dem Chip

Montag, 04.01.2010 - Nachmittags

Ich war mit meinen beiden Töchtern, einer Freundin meiner ältesten Tochter und meinem Vater beim Skifahren im knapp 20km entfernten Upland. Der Skihang, an dem meine große Tochter und ihre Freundin sich dem Abfahrt-Skivergnügen hingaben und mein Vater und ich meiner kleinen Tochter erste Lektionen im Skifahren gaben (nein, ich bin nicht Skilehrer - ich hasse Skifahren), ist ein Osthang. D.h., die Sonne geht dahinter unter. Am gleichen Hang befindet sich auch eine Piste zum Schlittenfahren. Nach unserer Ankunft bin ich mit meiner Kleinen erstmal mit unserem Lenkschlitten die Piste runtergedonnert.

Als wir nach der zweiten Abfahrt wieder oben waren, und wir uns ein klein wenig ausruhen wollte, fiel mir fast senkrecht über uns ein "Regenbogen" auf, der nur so am glitzern war. Was ich bisher nur von Fotos kannte war, dass dieser Bogen eigenartigerweise keine Kreisbahn um die Sonne zog, sondern von ihr weggerichtet war. Die Sonne selbst konnten wir oben am Hang garnicht mehr sehen.

Verdammt, ich hatte die EOS NATÜRLICH nicht dabei. Trotz allem sind wir schnell wieder den Berg runtergedüst, ans Auto, wo mein Foddohandy lag. Auch andere Leute um uns herum entdeckten das "Himmelsspektakel". Nun unten am Hang angekommen, konnte wir auch die Sonne, samt zweier Nebensonne ausmachen, plus zwei weitere "Regenbögen", die nun aber "richtigrum" gebogen waren.

Das wahnsinnig schön aussehende Ereignis konnte ich leider mit dem Handyobjektiv nicht im Ganzen einfangen. Daher nur ein kläglicher Versuch einer Montage zweier aufeinander geschossener Fotos:

































Auf nachfolgendem Foto sind die beiden Nebensonnen nochmal besser zu sehen:


























Was auf beiden Fotos leider auf der Strecke bleibt, ist der dritte Bogen, der auch nur hauchzart und nicht durchgehend sichtbar war. Er lief parallel zum unteren Bogen und schien an den andersrum gerichteten Bogen anzustoßen.

Die Fotos können das Ereignis auch nur annähernd rüberbringen, so irre schön sah das aus. Vor allem der obere andersrum gerichtete Bogen leuchtete sehr intensiv. Aber nicht nur einfach so, wie ´n normaler Regenbogen, sondern hervorgerufen durch die Schneekristalle in der Luft glitzerte er wie verrückt. Irre schön anzusehen. Hab noch nie sowas gesehen.



Dienstag, 05.01.2010 - irgendwann in der Mittagszeit

Die Sonne scheint tatsächlich mal wieder. Es tut gut, unser Zentralgestirn mal wieder DIREKT zu sehen, anstatt seine Position nur erahnen zu können. Gleichauf läßt es darauf hoffen, dass vieleicht auch in der Nacht mal wieder was gehen könnte.

Da die Sonne ja im Winter bekanntlich sehr tief steht, ist das Zeitfenster, in dem ich sie von der heimischen Beobachtungseinfahrt aus beobachten kann, sehr klein, da das große Nachbarshaus Richtung Süden im Weg steht und mein Wohnort an einem Hügel liegt, der die Sicht Richtung Westen versperrt. Richtung Südosten behindern Bäume und ein Schuppen die freie Sicht auf die winterliche "Tagesekliptik".

Da ich die Tage irgendwo gesehen habe, dass endlich mal wieder eine Fleckengruppe auf der Sonne unterwegs ist, dachte ich mir, dass ich sie ja mal aufsuchen könnte. Zuvor nochmal schnell auf www.spaceweather.com nachgeschaut, ob sie denn noch sichtbar ist, und welch Glück, am östlichen Sonnenrand sollte sie noch zu erspähen sein.

Da nicht mehr sehr viel zu erwarten war, noch dazu sich meine Familie nicht ewig zur Mittagsruhe begeben würde, entschloss ich mich für meine Beobachtung meinen Richfielder 120/600 mit der Pipemount in die Einfahrt zu stellen.

Die Teleskopexperten unter euch werden natürlich sagen: "Hääää??? Den Richie für die Sonnenbeobachtung??? Das macht aber nicht viel Sinn".

Und ich würde zustimmen, wenn ich nicht die Möglichkeit hätte, ihn abzublenden, von 120 auf knappe 53mm, wodurch sich ein Öffnungsverhältnis von "nur noch" etwa f/11 ergibt. Damit ist der Farbfehler erträglich, einer Beobachtung mit kleineren Okularbrennweiten steht nichts mehr im Weg.

Bis auf das miese Seeing. Hätte ich nicht gewußt, wo die Flecken zu finden wären, ich hätte sie vermutlich komplett übersehen. So ein Gebrutzel war da am Himmel. Nach kurzem Suchen, fand ich sie dann aber doch dort, wo sie sein sollten - im umkehrenden Refraktor mit Zenitspiegel auf ca. 7-8 Uhr.

Während kurzer Momente waren sie gut zu sehen, meist aber nur die "Umbra", der dunkle Kern der Flecken. Aber auch einen deutlich helleren weißen "Streifen" konnte ich in der Näher der Gruppe ausmachen. Meines "(Nicht-)Wissens" nach haben diese hellen Erscheinungen auf der Sonne auch magnetischen Ursprung und werden Sonnenfackeln genannt. Berichtigt mich bitte, wenn ich da falsch liege. Ich bin nämlich nicht so der Sonnenanbeter.

Nach ca. 15 Minuten baute ich das Teleskop wieder ab. Schön, mal wieder Sonnenflecken im Okular statt nur auf´m Computermonitor zu sehen.



Dienstag, 05.01. auf Mittwoch 06.01.2010 - zwischen 22.45Uhr und 1.30Uhr

-8,4° Celsius
86% rel. Luftfeuchte

Nachdem es sich am Abend erstmal wieder zugezogen hatte, klarte es dann doch gegen 22Uhr nochmals auf. Schon am Vorabend wollte ich rausgehen, um Mars mit meiner Webcam zu filmen. Leider zog es sich just in dem Moment zu, als ich gegen 23Uhr rausgehen wollte. Aber besser schon da, als erst, wenn der ganze Kram draußen aufgebaut ist.

Aber von Dienstag auf Mittwoch sollte es dann klappen. An Deepskybeobachtung war eh nicht mehr zu denken, da der Mondaufgang kurz bevor stand. Also stand meiner Planetenfilmerei nichts mehr im Wege.

Die Webcam habe ich schon seit knapp zwei Jahren, habe sie aber erst zwei oder drei Mal mit dem zugehörigen Adapter und dem IR-Sperrfilter in Betrieb gehabt. Der Grund dafür liegt darin, daß mein 6" f/5 Newton auch mit meiner 2-fach Barlow noch zu wenig Brennweite zum Planetenfilmen hat, mein 8" f/6 Dobson-Tubus aber zu schwer für meine Monti ist und ich dafür bisher nicht ausreichend Gegengewichte hatte. Rohrschellen für den 8"er habe ich schon länger rumliegen.

Bisher hatte ich die Webcam also nur am Dobson im Einsatz gehabt, was Streß pur ist. Ohne Nachführung muß man ja ständig dem Planeten hinterherschubsen und dabei auch noch den passenden Fokus finden. Dabei muß man dann auch noch ständig den Kopf zum Läppi wenden und überhaupt, Läppi mit raus nehmen ist ja auch nochmal Aufwand, auf den ich sonst eigentlich lieber verzichte. Daher habe ich zwischendurch dann auch schon mal mit der Digiknipse Planeten gefilmt - afokal am Okular mittels Digiklemme.

Jetzt habe ich aber durch mein Bauvorhaben "Richie muß auf den 16"er" auch noch ein paar Messing-Gegengewichte, sodaß ich es nochmal versuchen wollte, den 8"er auf die EQ-EM10 Montierung zu packen.

Gegen 22.45Uhr bin ich dann raus in die Einfahrt und habe meinen Krämpel aufgebaut. Das Läppi hinten auf die Hutablage meines Autos, die Monti mit Teleskop daneben.























Das Rotlicht habe ich NATÜRLICH nur fürs Foto angemacht. Der nach links geworfene Schatten rührt von der Straßenbeleuchtung her, die ich zum Planetenfilmen mal nicht ausgeknipst habe.

Da das Seeing wieder mal nicht so toll war, zumindest gab es immer nur mal kurze Momente, wo auf dem Monitor des Laptops ein wenig Oberflächendetails vom Mars zu sehen waren, gestaltete sich das Fokussieren wiedermal als äußerst schwierige Angelegenheit . Es wird Zeit, dass ich mir für den 8"er auch mal ´ne Bathinovmaske baue.

Während der ersten Fokusierversuche hatte ich auch den Spiegellüfter des Newton noch laufen. Als ich aber irgenwie als kein gescheites Bild auf den Monitor bekam - außer dass der Planet meist am Hüpfen war hatte er auch noch ´ne Art Coma um sich herum - entschloss ich mich mal den Lüfter abzuschalten. Und siehe da, es wurde besser. Was mich noch mehr verwunderte war, dass der Fokuspunkt sich noch dazu verschoben hat. Wie das wohl kommt? Ich hab keine Ahnung ...

Aber egal. Es konnte endlich losgehen. Ich wartete einen seeing-günstigen Moment ab, wobei ich auch alle 2-3 Minuten den Newton mittels der Handsteuerbox der Monti etwas korrigieren mußte - dem Schneckenfehler sei dank. Ich wollte den Planeten ja nicht ganz am Rande des Chips haben.

Zwei Filme konnte ich machen. Einen mit 2000 Bildern, einen weiteren mit 5000 Bildern. Aufnehmen tue ich mit Giotto, die Kamera steuere ich dabei mit WcCtrl. Was mir immer wieder auffällt ist, dass die Software die "frames-per-second" immer wieder auf 30 zurückstellt, egal was ich vorher eingestellt habe. Immer wenn ich eine Aufnahme starte, stellt die Software die "frame-Rate" wieder zurück. Ob das an Vista liegt? Ich weiß es nicht. Scheiß Computerkrämpel.

Den ersten Film habe ich dann so weiterverarbeitet, dass als Ergebnis ein Summenbild aus 400 Einzelbildern ausgegeben wird. Beim zweiten Film habe ich die Verwendungsrate auf 15% gestellt, was ein Summenbild aus 750 Einzelbildern ergab. Da dieses aber beim anschließenden Schärfen nicht mehr Details zeigen wollte, als das Summenbild vom ersten Film, entschied ich mich dazu, beim Ersten zu bleiben.

Und hier das Ergebnis meines ersten Mars:
























Da ich schon oft in Foren gesehen habe, dass die Leute ihre Aufnahmen mit den "Vorhersagen" von Seiten wie www.calsky.de vergleichen, wollte ich dies auch mal tuen. Und siehe da, ein Teil der Details habe ich einfangen können. Ich bin zufrieden.


























Gegen 1Uhr zog sich der Himmel dann wieder komplett zu und ich machte noch das weiter oben gezeigte "Selbstportrait" mit meiner EOS, bevor ich den Krämpel wieder abbaute.

Ein perfektes Webcamequipment habe ich nicht. Die 2400mm Brennweite des Teleskops in Verbindung mit der 2-fach Barlow bringen mich noch nicht nah genug an die Planeten ran, um noch mehr Details einzufangen. Aber trotz allem, bin ich als primär visueller Beobachter ganz zufrieden mit meinen bisherigen Ergebnissen. Verbessungspotential gibts vor allem bei der Fokussierung, die mir doch arg zu schaffen macht. Wie gesagt muß ich mir unbedingt mal ´ne Bathinovmaske für den 8"er bauen.

Zu guter Letzt sei noch gesagt, dass ich die Monti mit dem 8"er und den drei Gegengewichten ganz schön gequält habe. Die Motoren jaulten manchmal beim korrigieren doch ganz ordentlich. Aber da müssen die durch. Die sind ja nicht zum Spaß da, gelle?