Start Beobachtungsberichte 2009 18.08.2009 - Pressetermin unterm Sternenzelt


Für diesen Bericht muß ich etwas weiter ausholen. Vor ca. drei Wochen spürte mich Herr B., ein Redakteur unserer heimischen Tageszeitung, durch googeln mit den Begriffen "Korbach" (mein Wohnort und Standort der Zeitung) und "Astronomie" im AstroTreff auf. Per mail an die Forenleitung bat er darum, einen Kontakt mit mir herzustellen. Beim ersten Telefonat erzählte mir Herr B., dass er auf die Idee gekommen war, mal im Internet nachzuschauen, ob es in der Region jemanden geben würde, der sich mit dem Sternegucken befasst und rief die Seite von Google auf, um auf die Suche zu gehen. Nachdem er mich also nun gefunden hatte und er mich, nachdem er meine Kontaktaufnahme-mail gelesen hat, anrief, erzählte er mir, dass er gerne einen Bericht über mich und mein Hobby schreiben und in der Zeitung veröffentlichen würde. Nach kurzem Überlegen stimmte ich zu und wir machten aus, dass wir uns bei gutem Wetter an meinem Beobachtungsplatz zwecks "Interview" und "Fotoshooting" treffen würden. Es dauerte dann doch noch ein paar Tage bis wir uns verabreden konnten, da zwischendurch der Mond nervte und ich ihm sagte, dass ich den Mond am liebsten hab, wenn er nicht zu sehen ist. Da ich eher ein Fan der Deepskyobjekte bin, machten wir dann den heutigen Dienstag 21.00Uhr fest und tauschten dazu erstmal noch die Handynummern aus.

Ich traf dann gegen 20.45Uhr an meinem bevorzugten Spechtelplatz ein und da es noch so hell war holte ich erstmal die EOS aus`m Koffer um ein Foddo von meinem vollgepackten Automobil zu machen.























Mitgebracht hatte ich meinen 16"er Dobson - ich dachte fürs Foto nicht kleckern sondern klotzen - und meinen Fotonewton sammt Montierung und dem ganzen Zubehörgedöns.

Zuerst wurde natürlich erstmal der Dobson zum lüften rausgestellt. Und weil die "Anwohner" des Platzes ...























... das Rohr auch noch nie im Hellen gesehen haben, kamen sie auch gleich alle angelaufen.























Um 21.12Uhr bimmelte dann mein Handy und Herr B. berichtete, dass er mich trotz meines mittels Google Earth angefertigten Wegeplans nicht finden konnte. Ich bin ihm dann ein Stück entgegengelaufen und wenige Minuten später konnte es dann losgehen. Im Vorfeld hatte er bereits gefragt, ob er seine Freundin mitbringen dürfe, die auch gerne mal durch ein Teleskop schauen würde, wo ich natürlich nichts dagegen hatte.

Nachdem zuerst ein paar (schön gestellte) Fotos geschossen wurden, fragte er mich dann diverse Dinge zu meiner Person und natürlich zu meinem Hobby, dem Sternegucken.

Anschließend justierte ich den 16"er und als es dann dunkel genug war zeigte ich den Beiden ein paar der Standards, angefangen mit Jupiter, der aber außer den vier östlich von ihm stehenden gallileischen Monden und den beiden Äquatorwolkenbändern nicht viel mehr von seinen Details Preis geben wollte.

Als erstes Deepskyobjekt stellte ich dann den Kugelsternhaufen M13 ein, der ja auch bei nicht so gutem Seeing schon sehr beeindruckend ist. Da M13 ja viel Höher am Himmel stand, mußte sich die Freundin des Redakteurs auf meinen Okularablage-Holzklappstuhl stellen, wobei sie nach meinem Anraten von ihrem Freund gehalten wurde. So ein Klappstuhl hat es ja bekanntlich in sich.

Als nächstes Objekt stellte ich den planetarischen (Ring-)nebel M57 in der Leier ein, den wohl die Freundin auch besser wahrnehmen konnte als der mit Kontaktlinsen ausgestattete Redakteur der Zeitung. Da wir schonmal in der Leier waren, wollte ich auch mal einen Mehrfachstern zeigen. Epsilon Lyra, als 4-fach-Kandidat in dieser Disziplin, schien mir der richtige Kandidat für diese Objektkategorie zu sein. Leider hatte ich nicht an Albireo gedacht, der dank seiner verschiedenfarbigen Komponenten vieleicht ja noch mehr beeindruckt hätte. Aber egal. Wiedermal war es die Freundin des Redakteurs, die die besseren Augen zu haben schien, konnte sie doch auf Anhieb die vier Komponenten trennen, wohingegen Herr B. nur zwei langgezogene Striche im Speers Waler Zoom Oku sah.

Da der Lagunennebel eigentlich ein sehr imposanter Gasnebel ist, schubste ich den großen Dobson als nächstes an dessen Position. Aber auch im UHC-Filter bot er keinen sehr schönen Anblick, da es in horizontnähe doch recht versifft war.

Zwischendurch zeigte ich mit meinem grünen Laser immer mal ein paar Sternbilder am Himmel und deutete auf die Stelle, wo sich das gerade am Dobson eingestellte Objekt befand. Während der Beobachtungen konnten wir auch mehrere Perseidennachzöglinge sehen und es kam die Frage auf, ob ich mir als Hobbyastronom auch hin und wieder was wünschen würde, wenn ich eine Sternschnuppe erblicke, worauf ich antwortete, dass ich mir seit meiner Kindheit immer was wünsche, wenn ich eine sehe. Schaden kanns ja nicht.

Zwei Objekte peilten wir dann mit dem 16"er noch an. Zuerst unsere Nachbargalaxie M31, welche aber wie ich denke für einen Beobachtungsneuling in einem Teleskop mit 1830mm Brennweite nicht so der Bringer ist. Daher holte ich auch gleich mein 10x50 Fernglas raus und ließ die Beiden damit mal `nen Blick auf die Andromedagalaxie werfen. Mit bloßem Auge war sie schon recht gut zu sehen, für einen Neuling aber geht sie wohl doch schnell im Sternengewimmel verloren. Daher wies ich wieder mit dem Laser den Weg dorthin.

Zum Abschluß ließ ich die zwei noch einen Blick durch mein 32mm 2" TS-WA Okular auf h+chi im Perseus werfen. Trotz des in dieser Richtung von der nahegelegenen Kreisstadt noch leicht aufgehellten Himmels, waren die beiden offenen Sternhaufen schön anzuschauen. In dem Zusammenhang wies ich auch auf das Problem mit der Lichtverschmutzung hin, welches sich ja nicht nur für uns Spechtler negativ auswirkt, sondern auch für die Tierwelt und wie man mitlerweile festgestellt hat, auch für den Menschen, bei dem bei zu wenig Dunkelheit das Krebsrisiko steigt, da der Körper nicht mehr genug Melatonin produzieren kann, was aber wichtig für die Zellregeneration des Körpers ist.

So etwa gegen 23.00Uhr machten sich die Beiden mit dem Hinweis darauf, dass sie ja am nächsten Morgen wieder ausgeschlafen zur Arbeit müßten wieder auf den Heimweg. Mmmmhhh ... ;-)

Als deren Auto hinter dem Hügel verschwunden war überlegte ich kurz, ob ich auch abbauen und Heim fahren sollte, damit ich auch mal etwas mehr Schlaf bekäme. Aber was wär ich für ein Spechtler, wenn ich die Gelegenheit des Clear Skies nicht ausnutzen würde?

Also entschloß ich mich meinen Fotonewton mit Montierung und Gedöns noch aufzubauen um noch eine Fotoserie von M33 zu schießen. Während die Kamera, angesteuert von meiner Selbstbaubelichtungssteuerung, ihre Serie schoß, beobachtete ich noch etwas mit meinem 16"er.























Neben diversen DS-Objekten wie M31 und M33, an der die Spiralstruktur und auch das HII-Gebiet NGC604 gut zu beobachten waren, ging ich auch nochmal auf Jupiter - das Seeing hatte sich leider immer noch nicht verbessert - und Uranus, um bei ihm mal nach seinen Monden Ausschau zu halten. Zwei von ihnen konnte ich auch sicher ausmachen, einen Dritten nicht mehr sicher. Beim Nachschauen in Stellarium am nächsten Tag aber bestätigte sich meine vage Sichtung.

Gegen 1.45Uhr beendete ich meine Belichtungsserie, baute meinen Krämpel ab und fuhr wieder Heim.

Als ich die Straße zu meinem Heim hochfuhr bemerkte ich, dass die Straßenlaterne vor unserem Haus aus war. Entgegen der Vermutung, dass sie wohl kaputt sei, stellte sich dann aber raus, dass Nachbar Henning mit dem 8"er Skywatcher seines Sohnes in der Einfahrt saß und beobachtete. Damit hatte ich um diese Uhrzeit nun überhaupt nicht gerechnet. Er sagte, dass er aufgewacht sei und nicht mehr hätte einschlafen können. Beim Blick aus dem Fenster auf den klaren Sternenhimmel beschloß er sofort noch ein wenig rauszugehen.

Er wollte sich mal an Stephans Quintett versuchen, war aber für die Suche nicht gut vorbereitet, da er nur den Karkoschka und den Deepsky-Reiseatlas mit draußen hatte. Also half ich ihm mit meinem aus dem Internet gezogenen und ausgedruckten "Aufsuch"-Foto aus, woraufhin er sich dann erfolgreich auf die Suche machte.

Gegen 3.00Uhr machte ich mich dann widerwillig rein, da um 6.00Uhr schon wieder der nervige Wecker bimmeln würde, was er auch zuverlässig tat.

Nachtrag vom 20.08.: Am nächsten Abend dann wertete ich die Fotoserie von M33 aus. Enttäuscht mußte ich feststellen, dass es mit der Präzision der Monti scheinbar immer schlimmer wurde. Eingenordet war sie gut - M33 blieb die ganze Belichtungsserie an etwa der gleichen Stelle im Bildausschnitt. Allerdings eierte sie von Foto zu Foto an ihrer Stelle hin und her, was meiner Meinung nach wohl auf die Schnecke des Antriebs zurückzuführen ist. Ich hatte soviel Ausschuß, dass zum stacken nicht mehr viele Bilder überblieben und ich dem Rauschen mal wieder nicht richtig Herr wurde.

Hier das Ergebnis.

Heute (20.08.) hat mir Herr B. seinen für den Artikel verfassten Text zum korrekturlesen zugemailt. Ich finde, dass er ganz gut geworden ist. Ich hab nur ein paar wenige Stellen korrigieren müssen. Es könnte allerdings sein, dass der Artikel noch etwas gekürzt werden muß, teilte er mir noch mit.

Jetzt bin ich mal auf den fertigen Artikel gespannt, in dem eventuell auch ein oder zwei meiner Astrofotos miteingebaut werden sollen.

Hoffentlich erreicht er seine von mir erhoffte Wirkung und bewegt den ein oder anderen Leser dazu, sich auch mal bewußt von Millionen von Jahren altem Licht berieseln zu lassen und vieleicht auch zu erkennen, dass wir viel zuviel unsinniges Licht produzieren.


Mit freundlicher Genehmigung des Autors, Herr Martin Baumgartner von der Waldeckischen Landeszeitung, können Sie den Zeitungsartikel hier lesen.