Start Beobachtungsberichte 2009 15.08.2009 - Leuchttürme und faint fuzzies mit dem 16"er

Gegen 22.30Uhr trafen die Nachbarn, Henning und Sohn Georg, und ich an unserem Beobachtungsplätzchen, ca. 5,5km von daheim entfernt, ein.

Georg baute seinen 8" Skywatcher Dobson auf, Henning breitete sich mit Wolldecke als Schutz gegen die Bodenkälte auf dem geteerten Feldweg aus, um ein wenig mit meinem 10x50 Bresser FG am Sternenhimmel spazieren zu gehen. Ich hatte mal wieder meinen 16"er zum durchlüften mitgebracht.

Nach der Justage des HS (FS paßte noch vom letzten Mal) und des Rigel Quickfinder gings erstmal mit dem hellsten Leuchtturm am Himmel los - Jupiter. Das Seeing war stellenweise für kurze Momente ganz o.k., sodass außer dem Großen Roten Fleck, der gerade den Meridian durchquerte auch immer mal wieder andere kleine Details auf der Planetenoberfläche hervorlugten. Da der Spiegel aber noch nicht richtig ausgekühlt war hielt ich mich aber nicht sehr lange dran auf, in der Hoffnung, dass es später, wenn der Gasriese kulminiert, noch was besser gehen würde. Soviel vorweg - es wurde nicht besser, im Gegenteil. Das Seeing wurde im Verlauf der Nacht richtig grottig. So übel wars schon lange nicht mehr. Teilweise konnte man sogar die beiden Äquatorbänder nur noch erahnen. Evil or Very Mad Die Grenzgröße lag anfangs bei geschätzten 6-6,3mag, später als der Mond aufging wurds dann natürlich was schlechter.

Fest vorgenommen hatte ich mir für die Nacht auf jeden Fall noch Stephans Quintett. Diese Galaxiengruppe hatte ich vor knapp einem Jahr zum ersten und auch bis dato einzigen Mal mit meinem 8"er Dobson beobachtet, was nicht gerade ein Spaziergang war. Der Bericht davon ist hier nachzulesen.

Aber dazu später mehr.

Zuerst sollte es mal rauf in den Schwan gehen, zu einem meiner Lieblingssommerobjekte - dem Nordamerikanebel NGC7000. Mit meinem 32er TS WA Oku und dem Baader UHC sehr nett abzufahren. Gerade der Mexikobereich war leicht strukturiert zu sehen. Aber wenn ich ehrlich bin schaue ich mir NGC7000 lieber mit meinem 16x80 Fernglas an, was ich zum Ende meiner Beobachtungsnacht auch tat.

Nach NGC7000 gings dann weiter zum Cirrus-Komplex. Das war dann echt der Wahnsinn. Schon im 32ger TS WA bei 57facher Vergrößerung waren beide "Schalen", die östliche "Knochenhand" und der westliche "Sturmvogel" schön anzuschauen und jeweils komplett im Gesichtsfeld. Mit dem UHC war gerade der südliche Teil des Sturmvogels wie ausgestanzt zu sehen. Irre schön. Dann der Wechsel zum 14mm Speers Waler (131fache V.) zusammen mit dem UHC war eine ware Wonne. Natürlich paßten die beiden Teile nicht mehr jeweils für sich ins Gesichtsfeld, aber sie waren doch sehr schön abzufahren. Ein Meer an Details wurde sichtbar. Einfach fantastisch. Während der Sturmvogel mehr großflächige Details zeigte, wurden in der Knochenhand richtig schöne Zerklüftungen deutlich. Echt der Wahnsinn. Wie mag das wohl unter einem 7mag-Himmel erst wirken? Ich bin gespannt, obs beim diesjährigen ATB wieder so eine Ausnahmenacht gibt wie im letzten Jahr.

Nach dem Cirrus steuerte ich M27, den Hantelnebel an. Mit 16" muß man sich schon fast konzentrieren, um die Hantelform auszumachen, so hell waren die "Ohren" zu sehen. Smile Hier ging ich dann auch mal mit meinem Speers Zoom mit 8mm (= 229fach) ran. Da war die Hantelform dann doch wieder überdeutlich zu sehen, die Ohren waren etwas schwächer geworden. Mich wunderte dann aber doch etwas, dass der Zentral- und die drei vier anderen Sternchen im Nebel , die ich beim letzten Besuch der Hantel mit 16" viel besser sehen konnte, nur immer mal wieder aufblitzten. Die Justage war in Ordnung, wie ich mich gleich nochmal beim Sterntest an Atair überzeugen konnte. Zumindest lag der Fs-Schatten sowohl intra- wie auch extrafokal immer genau in der Mitte des Sternscheibchens. Aber das Wegbleiben der Beugungsringe und die überdeutliche Flußrichtung der Luftschichten deutete auf schlechter werdendes Seeing hin. Noch mehrmals in dieser Nacht überprüfte ich die Justage des Newtons am Stern, weil ich immer wieder das Gefühl hatte, das vieleicht doch was nicht stimmen könnte. Es stellte sich aber jedesmal raus, dass es am Seeing lag, was von mal zu mal schlechter wurde.

Na ja, damit mußte ich halt eben leben. Weiter gings mit dem 32ger TS WA und dem Baader UHC zum Pacmannebel NGC281, den ich wie auch den Cirrus, vorher noch nie mit 16" beobachtet hatte. Hier zeigte sich sehr deutlich der Unterschied zwischen Beobachten mit und ohne UHC. Ohne UHC wars schwierig den Nebel überhaupt auszumachen. Mit UHC war aber die Struktur relativ gut zu erkennen. Vor allem diese auf Fotos gut zu sehende zerfranste Mundstruktur war auch im 16"er bei 131facher Vergr. recht gut zu erkennen.

Dann wurde der UHC wieder in den Feierabend geschickt, wollte ich doch nun auf Galaxienbeobachtungsmodus umswitchen. Zwischendurch schaute ich immer mal bei Henning, der mitlerweile den 8"er seines Sohnes übernommen hatte - Georg hatte sich nach ein paar Minuten Jupiter-Beobachten zum schlafen ins Auto gelegt.

Bevor ich in den Pegasus zu Stephans Quintett aufbrach gings zuerst noch zu M31, der Andromedagalaxie in etwa 2,5 Millionen Lichtjahren Entfernung. Diese beobachtete ich aufgrund ihrer unglaublichen Größe nur mit dem 32ger TS WA. Echt irre, wie riesig die im 16"er daherkommt. Man muß schon recht lange schwenken, um vom einen schwachen Rand über die helle Zentralregion zum anderen Ende zu gelangen. Die beiden Staubbänder waren auch sehr deutlich zu erkennen, auch die helle Sternenwolke im westlichen Ausläufer.

Danach gings noch zu M33, der benachbarten Dreiecksgalaxie in etwa gleicher Entfernung, um ihr einen Besuch abzustatten, hatte ich diese ja auch noch nicht im 16"er beobachtet. Die Spiralstruktur war gut auszumachen. Und während die HII-Region NGC 604 im 8"er neben der Galaxie zu schweben scheint, so konnte man hier mit 16" und 131facher Vergrößerung den Spiralarm richtig bis zu NGC604 und noch weit darüber hinaus abfahren. Echt abgefahren. Details der Spirale sprangen mir zwar nicht direkt ins Auge, die Arme waren aber recht gut nachzuvollziehen. NGC 604 war dabei nicht die einzige Aufhellung in der Galaxie, die ich dabei beobachten konnte. Aber die mit Abstand hellste.

Jetzt sollte es losgehen mit Stephans Quintett, einer Galaxiengruppe im Pegasus, deren Mitglieder bis zu 300 Millionen Lichtjahre von uns entfernt sind. Um diese zu finden steuert man zuerst die helle Galaxie NGC7331 an. Mit dem Übersichtsokular ist sie schnell gefunden. Hier mal ein link zu einem Foto der Region, welches ich auf DIN A4 ausgedruckt zum Aufsuchen des Quintetts auch diesmal wieder mit dabei hatte: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/6/6b/Stephan-Legend.jpg

Mit Hilfe dieses Fotos und Starhopping von NGC7331 aus war die Gruppe dann auch schnell gefunden, waren die Mitgleider NGC7318A+B und NGC7320 doch gleich gut zu erkennen. Da wurde doch gleich der Unterschied zum 8"er im letzten Jahr überdeutlich. Was mich am meisten gefreut hat war, dass die beiden eng beieinanderstehenden Komponenten NGC7318A und B indirekt relativ einfach zu trennen waren. Im 8"er war es mir letztes Jahr nicht gelungen. Somit habe ich in der letzten Nacht tatsächlich ein Quintett gesehen und nicht nur ein Quartett Very Happy . Auch NGC7317 und NGC7319 waren schnell gefunden, wenngleich die beiden doch etwas lichtschwächer sind als die die vorgenannten Mitglieder. Erfolglos war ich allerdings beim Aufsuchen von NGC7320C. Sad Im 8"er hatte ich diese damals gar nicht versucht, hatte ich doch schon genug Probleme die GXen des Quintetts, wo NGC7320C ursprünglich nicht zugehörte, aufzuspüren. Ich habs echt lange versucht - Henning und Georg waren mitlerweile Heim gefahren. Zwischendurch verlor ich die Region auch immer mal und mußte mit kleineren Brennweiten wieder nue per Starhopping suchen. Weder mit dem 14mm Speers und verschiedenen Vergrößerung des Speers 5-8mm Zoom konnte ich NGC7320C einfach nicht aufspüren. Ich hatte zwar zweimal den Eindruck, dass dort an der Stelle was kurz "aufblinkte", will es aber nicht als gesichterte Beobachtung fest machen. Vieleicht gelingt es mir mal bei besserem Seeing. Trotzdem ich mit dieser GX keinen Erfolg hatte, bin ich mit der Beobachtung des Quintetts sehr zufrieden, konnte ich doch das enge GX-Päärchen trennen.

Das nächste Mal werde ich mich auch mal mit den Begleitern von NGC7331 befassen. NGC7335, 37 und 40 waren aber relativ gut zu sehen, ohne das ich wirklich danach gesucht hätte. Sie vielen mir nur beim Starhopping auf. NGC7336 fehlt also noch, ich hatte aber auch nicht danach gesucht.

Abschließend legte ich mich noch mit den Ferngläsern auch die Wolldecke und genoß den Sternenhimmel. Vor allem mit dem jetzt halbwegs justierten 16x80 FG machte es irre Spaß NGC7000, den Cirruskomplex, und den Hantelnebel zu beobachten und auch einfach nur mal die Milchstraße entlangzucruisen. Mach ich nur viel zu selten. Genuß pur!