Start Beobachtungsberichte 2009 13.06.2009 - Planeten bei Tag und bei Nacht und ein Whirlpool auf´m Chip

Den ganzen Tag knallte die Sonne herunter, meine kleine Familie und ich waren zum Familientag bei meinen Eltern zum grillen und Kaffetrinken geladen. Mann, was hab ich mich vollgefre..en. Der Nudelsalat meiner Mutter war aber auch wieder klasse. Danke Mutti. ;-)

Was hat das jetzt mit spechteln zu tuen? Ganz einfach: Ich hab mir von Papa das olle 10x50 Fernglas aus`m Keller geholt und habe versucht die Venus am Taghimmel zu finden. Auf meinem Handy-Planetarium schaute ich nach erfolglosem Suchen nochmals nach der Position und dann fand ich die etwa zur Hälfte beleuchtete Venus auch. Ich finds immer wieder erstaunlich, wie hell die Venus ist. Hat man sie einmal mit dem Fernglas entdeckt und merkt sich die Position, kann man sie ganz deutlich mit bloßem Auge am Himmel erkennen. Ich rief sofort meinen Dad und meinen Bruder herbei. Die "mußten" dann auch erstmal auf die Suche nach der Venus gehen, und fanden sie nach meiner Anleitung auch. Den Rest der Familie interessierte das nicht sonderlich. Auch mein Bruder meinte erst, dass er doch neben seiner Venus sitzen würde. Oh mann, wat `n Schleimer.

Aber weiter geht`s. Es blieb den ganzen Tag über schön, ich war aber zum Abend hin doch ziemlich kaputt und überlegte, ob ich nicht drin bleiben und die Fotos vom Vortag beabeiten sollte. Als mein Spechtelkollege und Nachbar gegen 22Uhr Heim kam, bin ich rüber um mir `ne Motivationsspritze zu holen, insgeheim aber denkend, dass Henning auch zu kaputt wäre, da er den ganzen Tag über Kinder und Erwachsene bei einem Kleingartenfest bespaßt hatte. Aber weit gefehlt. Nicht das Henning mit vollster Begeisteurng gleich aufgesprungen und sein Teleskop gekrallt hätte. Nee, aber auf meine Frage, ob wir noch rausfahren antwortete er ohne sehr langes Zögern doch tatsächlich mit: "Ja". O.K. dachte ich mir. Dann also los.

Den großen Dobson mitschleppen hatte ich keine Lust. Den 8"er kann ich momentan nicht nutzen, da ich den OAZ von diesem an den 16"er gebaut habe. Also schnappte ich meinen 6" f/5, meine EQ-EM10 Billigmonti, die EOS sammt selbstgebastelter Steuerbox, den Okularkoffer und mein kürzlich bei einem ebay-Händler für < 30,-€ erworbenes 16x80 Billigfernglas und machte mich mit Henning und seinem Sohn, der seinen 8" Skywatcher-Dobsons dabei hatte, auf den Weg zum Beobachtungsplatz.

Auch in dieser Nacht sollte es wieder einen Iridium-Flare geben. Witzigerweise hatte dieser mit der Nummer 95 fast exakt die gleiche Flugbahn mit fast exakt gleichen Flare-Verhalten, wie der am Vortag. 6 Minuten eher sollte er kommen, aber "nur" -2,2mag hell werden. Fotografieren wollte ich ihn diesmal aber nicht. Aber angeschaut haben wir ihn uns, als wir gerade aufgebaut hatten. Auch dieser Iridium war nett anzusehen, aber kein Vergleich zum grellen Vortags-Iridium.

Mit dem Newton und der EOS wollte ich heute nochmal M51 auf`s Korn nehmen. Ich hatte dies bereits Anfang April schonmal versucht, allerdings bei zunehmendem Mond und leicht diesigem Himmel.

Gestern ging da schon etwas mehr: Klick mich

Da meine Monti sehr ungenau ist, kann ich leider nicht sehr lang belichten. Das Foto oben entstand aus 31 Einzelbelichtungen à 40sek bei ISO800, abzüglich eines Masterdarks aus 15 Einzeldarks. Und selbst bei den nur 40 Sekunden habe ich leider `ne Menge Ausschuß. Insgesamt habe ich ca. 120 Einzelbelichtungen geschossen.

Aber damit muß ich nunmal leben, denn `ne teurere Monti kann ich mir nicht leisten und auf diesen Guidingkrämpel hab ich keine Böcke. Ich bin auch eher ein "Visueller" als ein Astrofotograf.

Henning wilderte währenddessen mit dem 8"er seines Sohnes, der sich mitlerweile im Volvo seines Dads zum schlafen gelegt hatte, im Skorpion nach Kugelsternhaufen. M4 und M80 haben wir uns mit dem Dobson angeschaut.

Henning habe ich dann noch erklärt, wie man den Nordamerikanebel und den Cirrus-Komplex aufsucht. Den Noramerikanebel hat er dann auch mit dem 8"er seinen Sohnes auch allein gefunden. Den Cirrus hab ich ihm dann noch eingestellt. Parallel dazu haben wir noch etwas mit dem 16x80 ein paar Galaxien, Kugelsternhaufen und den Nordamerika- und Cirrusnebel beobachtet.

Mir macht es mitlerweile immer mehr Spaß mit `nem Fernglas zu spechteln. Dabei macht das 10x50 Bresser vom Lidl gar keine schlechte Figur. Auch mein neues 16x80 macht `ne Menge Spaß. Es ist zwar leicht dejustiert, was aber beim Spechteln ohne Stativ gar nicht so stark auffällt. Überwiegen tut da jedenfalls das Mehr an Lichtsammelleistung gegenüber dem 10x50.

Nachdem der Mond wieder die Himmelsbühne betreten hatte, beendete ich meine M51-Fotosession und schraubte den Okularadapter wieder auf den OAZ um nochmal kurz auf den Mond und Jupiter zu halten. Aufgrund des noch tiefen Stands schwächelten beide natürlich, was die Details anging. Vor allem Jupiter rückte nicht mehr als die beiden angedeuteten großen Wolkenbänder raus. Auch Neptun peilten wir mit unseren Teleskopen kurz an. Nachdem ich in der Nacht nicht hunderprozentig sicher war, dass es Neptun war, den wir da im Okular hatten, bin ich mir mitlerweile doch sehr sicher. Flächig abbilden konnte ich ihn im 6" f/5 natürlich nicht. Noch dazu stand er noch sehr tief am Horizont. Aber nachdem ich die Position heute nochmal mit Stellarium überprüft habe kann ich nun doch sicher sagen, dass es Neptun war. Im Gegensatz zu den Sternen die ich in seinem Umkreis noch ins Blickfeld bekam flackerte Neptun auch nicht.

Danach bauten wir ab und fuhren wieder gen Heimat, wo mein warmes Bettchen schon auf mich wartete.

Fazit: Natürlich war es toll mal wieder mit dem Teleskop raus zu können. Aber der Mond und auch die Tatsache, dass es gar nicht mehr 100%ig dunkel wird schmälern den Spaßfaktor schon etwas. Da man überhaupt erst gegen Mitternacht mit der Deepskyspechtelei beginnen kann, wird das bei mir wohl in den nächsten Wochen nur am Wochenende mit dem Spechteln klappen, da ich morgens wieder früh raus zur Maloche muß. Bleibt nur zu hoffen, dass in den zwei Nächten der Wochen auch das Wetter mitspielt.