Start Beobachtungsberichte 2009 15.04.2009 - Spechteln und Fotografieren aus der Einfahrt

Da es wieder dunstig war hatte ich erst keine Lust raus zu gehen. Aber drin am Rechner zu sitzen ging mir dann auch auf`n Geist. Da wartest Du wochenlang auf wolkenlosen Himmel, dann ist es auch tatsächlich wolkenlos, aber dafür diesig. Und das schon seit Tagen. Egal dachte ich mir, ich muß nochmal raus und wenn`s nur bis in dei Einfahrt ist. Um 23Uhr bin ich dann raus mit dem Ziel mal wieder zu schauen, was fotografisch mit meiner Minimalausstattung wohl so gehen könnte. Nachdem die Monti und der Kram aufgebaut und der Newton halbwegs kollimiert war überlegte ich kurz, von welchem Objekt ich gerne ein paar Photonen einsammeln wollte. Ich entschied mich für M101, die Feuerrad-Galaxie im Großen Bären. Per Leuchtpunktsucher war der Newton ausgerichtet und nach ein paar Probebelichtungen hatte ich das Objekt schön mittig im Gesichtsfeld der EOS plaziert. Fokussiert hatte ich zuvor per Liveview an Mizar.

Da meine Monti nicht gerade sehr präzise läuft entschied ich mich, eine Serie mit 40 Sekunden Belichtungszeit bei ISO1600 zu schießen.

Aus 128 Einzelbelichtungen konnte ich dann ganze 46 verwenden, bei denen die Sterne nicht zu stark verformt waren. Von den verwendbaren Belichtungen habe ich dann noch ein Masterdark bestehend aus 17 Einzeldarks abgezogen. Gestackt habe ich mit Fitswork, daß Ergebnis dann noch in Fitswork geebnet und in Gimp noch ein wenig nachbearbeitet. Das Ergebnis ist hier zu sehen.

Während die Belichtunsgserie vor sich hin lief holte ich dann noch den 8" Dobson raus um ein wenig nebenher zu spechteln. Warum nicht den 16"er? Ganz einfach. Das Teil ist mir zu schwer um es allein rauszubewegen. Geht im Notfall zwar schon, ist aber auf Dauer sicher nicht gesund für den Rücken.

Zuerst habe ich mal mit dem 8"er auf Saturn gehalten, was mir sofort zeigte, daß das Seeing ganz übel war. Da ich schon mal im Löwen war, gings dann weiter zum Leo-Triplet. Dabei war ich überrascht, wie gut das Triplet doch zu sehen war. Mein Blick nach oben bestätigte, daß sich die Durchsicht etwas verbessert hatte. Ja, es schien tatsächlich, dass sich der Himmel immer weiter verbesserte. Statt nur 1-2 Stunden draußen zu bleiben dachte ich mir, dass ich die Zeit nutzen sollte. Daher erst mal die Überlegung, wo ich noch den Fotonewton mal drauf halten könnte. Nachdem ich eigentlich nochmal eine Aufnahme von M51 unter besseren Bedingungen machen wollte, dachte ich mir dann aber doch, dass ich lieber mal was für mich fotografisch Neues ausprobieren wollte. Da die Große Bärin ja schön im Zenit stand entschied ich mich dafür noch ein Objekt aus der Region zu wählen. Ich entschied mich für den Eulennebel M97, mit danebenliegender Edge-On Galaxie M108. Aus der Serie konnte ich 36 Einzelbilder verwenden, die ich wiederum 40 Sekunden bei ISO1600 belichtet hatte. Davon habe ich das gleiche Masterdark abgezogen, wie zuvor schon von M101. Auch hier wieder mit Fitswork gestackt und geebnet und mit Gimp weiterbearbeitet. Das Ergebnis meiner Belichtung von M97 und M108.

Ein sehr schönes und zugleich extrem unterschiedliches Paar wie ich finde. Während der planetarische Eulennebel "nur" 2600 Lichtjahre entfernt und somit ein Mitglied unserer Heimatgalaxie der Milchstraße ist, braucht das Licht der Galaxie M108 ca. 45 Millionen Jahre um im Auge eines irdischen Betrachters anzukommen. Kaum vorstellbar, wieviel größer M108 gegenüber M97 in Wirklichkeit ist, wenn man die beiden so nebeneinander sieht und weiß, daß M108 so extrem viel weiter entfernt ist.

Parallel zur Fotoserie habe ich das Duo auch im 8"er visuell bespechtelt. Im 20mm TS SWM passen die beiden auch gerade so in ein Gesichtsfeld. Die Augen der Eule waren gerade so zu erahnen. M108 zeigte sich mir zwar in der Form klar erkennbar, aber ohne weitere Details.

Einmal im großen Bären mußte ich natürlich noch bei M51 und M81/82 vorbeischauen. Bei M51 konnte ich die Spiralarme gerade so eben erahnen. M82 zeigte wieder schön die Unregelmäßigkeiten in seiner Struktur. Is einfach ein tolles Objekt. Spiralarme an M81 konnte ich wieder nicht ausmachen.

Vor so ca. 2 Wochen hatte ich zum ersten Mal den Quasar 3C273 in der Jungfrau beobachtet. Das war im Feld unter gutem Himmel mit meinem 16"er. Da mir dieser Quasar doch sehr hell rüberkam, wollte ich ihn auch unbedingt mal mit meinem 8"er versuchen. Nach ein bischen Orientierungsschwierigkeiten - bin im Starhopping noch nich so gut - fand ich ihn dann auch. Mit 12,8m ist er im 8"er natürlich nicht sehr hell, aber noch gut machbar. Voraussetzung für solch ein Objekt ist natürlich eine gute Aufsuchkarte, bzw. find ich nach wie vor ein Foto der Region des aufzusuchenden Objektes sehr hilfreich.

Dann wollte ich mich mal ein wenig im Virgohaufen rumlümmeln. Hatte ich bisher auch noch nie auf dem Programm. Ich halte mich halt immer so gern bei bekannten Objekten auf. Aber der Virgohaufen sollte endlich mal angespechtelt werden. Dazu hatte ich mir schon Tage zuvor ein paar Karten und Übersichtfotos ausgedruckt. Trotzdem fand ich mich nicht wirklich zurecht. Das is aber auch `n Galaxiengewimmel. Ich hab`s dann auch schnell aufgegeben mit der Orientierung und einfach nur ein bischen im Haufen rumgestochert, was aber auch sehr nett war. Den Haufen werde ich mir aber beim nächsten Mal mal intensiver vornehmen. Wüßte dann doch gern, was ich gerade im Okular habe.

Nördlich des Virgohaufens im Haar der Berenike hab ich dann NGC4565 aufgesucht. Gerade so war das Staubband zu erkennen, welches sich schön längs durch die Spindel zieht.

M13 stand natürlich nach der super Beobachtung am Vortag mit dem 16"er auch nun mal wieder mit dem 8"er auf dem Programm. Sehr schön und bis ins Zentrum aufgelöst, bei Vergrößerungen von 133x und 200x. Schon irre diese Sternendichte in so einem Kugelsternhaufen. Auch M92, ebenfalls im Herkules zu finden war sehr schön anzuschauen und auch recht gut aufzulösen.

M57, der Ringnebel in der Leier stand dann auf dem Programm. Nur so zum Spaß wollte ich nochmal schnell schauen, wie groß der Ringnebel auf dem Chip der EOS abgebildet wird. Wie erwartet sehr klein, wie man auf nachfolgendem Summenbild von M57 erkennen kann. Genaugenommen ist dies auch nur ein Ausschnitt aus dem kompletten Foto, da ich für die Testbelichtungen, mehr sollte es ja garnicht sein, M57 nicht in der Bildmitte hatte. Dieses Summenbild entstand aus nur 4 verwertbaren Einzelbildern, die ich mit ISO800 geschossen habe. Keine Darks.

Nach dieser kurzen Serie (21 Belichtungen hatte ich von M57 gemacht) habe ich noch die Darks für M101 und M97/M108 geschossen und währenddessen die Teleskope und den ganzen Kram abgebaut und wieder rein gebracht. Mitlerweile war es 3.50Uhr, also ab ins Bett. Gegen 6-6.30Uhr würde meine kleine Tochter wieder aufstehen und nach Papa verlangen. Tatsächlich wars dann aber doch etwa 7.00Uhr. Na ja, 3 Stunden Schlaf is ja besser als nix. Aber es hat sich gelohnt, wie zumindest die ersten beiden Fotos zeigen. Für mich ist das mehr als ich mir vor `nem halben Jahr erhofft hatte, als ich die EOS gekauft habe.

Und wieder einmal ist hiermit bewiesen, dass Deepskyfotografie nicht erst bei 2000,-€ anfangen muß. Die Monti, der Newton (beides gebraucht) und die EOS haben mich zusammen keine 700,-€ gekostet. Und die EOS nehme ich ja nicht nur für Astro. Auch meine Frau fotografiert gern die Kinder damit, was mir die Argumentation zum Kauf der Kamera auch leichter gestaltet hatte.