Start Beobachtungsberichte 2008 02.07.2008 - Angriff aus der Luft - mein erster Bolide

Gegen 23.30 Uhr hab ich mich auf den Weg zu meinem 5,5km entfernten "Lieblingsspechtelplatz" gemacht, der in einer netten Waldlichtung liegt. Der Wald umgibt mich dort von Südwest über Nord bis Südost, behindert aber die Sicht in diese Richtungen nicht so extrem, da die Bäume nicht sehr hoch und noch dazu ca. 100m in jede Richtung entfernt sind. Dafür schotten sie aber das Fremdlicht der umgebenden Ortschaft weitgehendst ab, sodass ich dort, wenns das Wetter zuläßt mindestens einen 6mag5 Himmel habe. So genau hab ich das aber noch nicht bestimmt. Aber M13 z.B. ging letzte Nacht auf Anhieb indirekt und nach `ner Weile Dunkeladaption auch direkt.

Zuerst sollte es aber noch nicht zur Dunkeladaption kommen, da ich mir vorgenommen hatte, meine Philips SPC900NC Webcam mit dem Dobson am Jupiter auszuprobieren. Wenn ich schnell genug wäre, könnte ich auch noch den "Großen Roten Fleck" sehen. Leider ging Seeingtechnisch nix. Visuell konnte ich, egal bei welcher Vergrößerung nicht viel mehr als die beiden dunklen Wolkenbänder sehen. Aber ich hoffte auf die Webcam. Nach der Auswertung der 5 Videos heute morgen, mußte ich aber leider feststellen, daß nix brauchbares bei rumgekommen ist. Dazu muß man natürlich sagen, daß ich ja mit einem Dobson, ohne irgendwelche automatische Nachführung filmen mußte. D.h. um ein paar Bilder zusammenzubekommen, muß man schon `n paar mal schubsen. Dabei merkte ich dann doch, wie schlecht das Rollengleitlager des Rockers ist. Visuell war mir das bisher nicht sooooo extrem aufgefallen. Aber mit der Webcam, zusammen mit `ner 2x TS-Barlow hat der Jupiter schon nicht sooooo viel Platz im Gesichtsfeld, sodass ich den Dobson immer wieder nachschubsen muß. Und da fängt das Problem ja schon an: Beim Schubsen muß man auf den Läppi gucken und fokusieren, und das noch dazu ohne Untersetzung - macht nicht wirklich Spaß, sodaß ich nach eben fünf AVI`s dann auch aufgegeben habe.

Aber noch mal `n Schritt zurück: Ich hatte gerade mit dem filmen begonnen, als plötzlich ein Hubschrauber auftauchte und ein paar Kreise in meiner Gegend drehte. Nach zwei Runden ging der mir total auf den Keks. Da fährste raus an Mutters Busen der Natur, um in Ruhe in die Sterne zu schauen und da fliegt da als so`n doofer Hubschrauber in der Nähe rum. Während ich noch so mit der erleuchteten, roten LED-Stirnlampe am Dobson und am Läppi rumspiele, kommt mir der Gedanke, ob die mich wohl gesehen haben? Müßten sie eigentlich, denn das Läppi und die Stirnlampe machen ja schon `n bissie Licht. Der nächste Gedanke war, ob die vieleicht wegen mir hier sind? Könnt ja sein, daß mich irgend so`n Jäger oder Förster mit der riesen Luftabwehrkanone (Dobson), dem Zielcomputer (Läppi mit Giotto am Start) und `nem Laser (LED-Stirnlampe) gesehen und sofort den Bundesgrenzschutz in Alarm versetzt hat. Hinter einer Kuppe geht der Hubschrauber runter. Die Motoren bleiben weiterhin an. Klar, die Truppen werden abgesetzt um mich einzukreisen. Sofort startet der Heli wieder durch und dreht weitere Runden über das Waldgebiet. Uhrenvergleich: Es ist jetzt ca. 0.30Uhr.

Mann Mann Mann, wie soll man sich denn da auf`s Webcamen konzentrieren?? Und vor allem auf den Fokus?? Der GRF is nu eh schon weg und irgendwie hüpft der Dobson bei der Brennweite als übers Ziel hinaus. Ich bin gestreßt. So richtig angepi**t von dem SCHEISS HUBSCHRAUBÄRRRRRR. Nu hau endlich ab! Dann plötzlich wird der Heli immer leiser und das knatternde Geräusch verschwindet gänzlich aus meinem Trommelfell. Ruhe kehrt ein. Ruhe?? Was macht da so komische Furzgeräusche? Ist da doch die Truppe vom BGS im Anmarsch und es gab mittags Bohnen? Nein, natürlich, klar, ich bin im Feld unterwegs. Die Kühe auf der Weide nebenan pupen. Zumindest eine davon. So, nu gehts aber weiter. Aber nicht mit der Webcam. Irgendwie gefällt mir das Bild auf dem Läppi-Bilschirm nicht. Ich bekomme kein klares Bild vom größten Planeten unseres Sonnensystems. Und noch dazu hüpft der unentwegt im Bild rum - schlechtes Seeing durch Kuh-Abgase?? Mmmmhhh. Egal. Ich hab keine Lust mehr auf Computer und Webcam und dem ganzen neumodischen Kram. Ich möchte einfach mal wieder nur in Ruhe spechteln.

Also Läppi und Webcam wieder ins "Astromobil" verfrachtet und endlich, ja endlich den tollen Sternenhimmel genießen. Es ist so klar, daß ich mir einbilde ich könnte NGC7000, den Nordamerikanebel mit bloßem Auge sehen. Oder hab ich ihn tatsächlich gesehen? Sicher bin ich mir jedenfalls nicht. Also TS WA 32 mit Baader UHC in den OAZ geschoben, den Dobson mittels der leicht blinkenden Zielkreise meines Rigel Quickfinders auf die Stelle südöstlich von Deneb geschoben und geschaut. Und da isser, der Golf von Mexico. So gut wie letzte Nacht hab ich ihn noch nie gesehen. Ich denke, dass das an der Kombination aus gut klarem Himmel (zumindest in dieser Region) und der neuen Veloursauskleidung liegt. Tatsächlich war der Kontrast, den ich hier an NGC7000 sehe noch nie so hoch. Und beobachten kann ich nicht nur den Golf von Mexico. Nein, bis hoch nach Kanada rein kann ich den riesen Nebel relativ gut erkennen. Super. Meine Laune ist wieder viiiieeeelll besser geworden. So muß das sein. Schön locker und entspannt. Prima. Dann kanns ja weiter gehen. Ob heute wohl auch der Pelikan geht? Klar. Kurz orientiert, aber dann doch sicher erlegt. Aber er ist schon `n eckchen schwieriger zu sichten.

Danach bin ich weiter zum Cirrus. Sehr schön anzuschauen trotz des nicht soooo überragenden Baader UHC. Nachdem ich bis zum letzten Spechtelabend Ende Mai sehr skeptisch über die Anschaffung des UHC war, bin ich mir nun aber doch sehr sicher, daß er ein Gewinn darstellt. Er bringt auf jeden Fall mehr Kontrast. Nicht nur an NGC7000. Den Pelikan hätte ich ohne gar nicht gefunden. Jedenfalls ging die Beobachtung des Vogels ohne den UHC fast gar nicht. Am Cirrus hab ich erst den westlichen (ist ja dank des eingebetteten hellen Sterns nicht so schwer) danach den östliche Teil beobachtet. Bei indirektem Sehen kamen schon einige Strukturen zum Vorschein. Auch ein schönes Objekt. Danach bin ich mal kurz bei M27, dem Hantelnebel, vorbei und hab auch da wieder festgestellt, daß der UHC doch einiges bringt. Vieleicht hängts nun auch wirklich mit der Veloursauskleidung zusammen. Auch hier wieder ein Kontrast, wie ich ihn bisher an M27 noch nicht gesehen hatte. Dann schwenkte ich wieder etwas nach Norden zu M57, dem berühmten Ringnebel in der Leier. Der schien mir heute auch etwas auffälliger als sonst, was mich dazu bewegte an ihm mal mein 4mm Planetary auszuprobieren. Mit Erfolg. Nachdem ich mich erst vom 9mm über das 6mm TS SWM an die höheren Vergrößerungen rangetastet hatte, machte es auch mit dem 4mm Planetary (= 300fach !!!) Spaß zu beobachten. Schön war die ovale Form zu sehen. Ob in der Ringsubstanz auch leichte Strukturen sichbar waren kann ich nicht mit Sicherheit sagen.

Was dann aber passierte, kickte mich ganz plötzlich aus der Konzentrationphase heraus. Aus dem Augenwinkel sah ich ein grelles Licht. Reflexartig drehte ich meinen Kopf in die Richtung - ein Bolide. Nein nicht EIN Bolide sondern MEIN ERSTER. Boooaaahh war der grell. Leider hab ich ihn nur `nen Bruchteil einer Sekunde noch gesehen. Genaugenommen war es aber nicht nur ein leuchtendes Teil, sondern wohl mehrere Bruchstücke, die wie an einem Seil aufgereiht hintereinander her flogen. Ein schneller Blick zur Uhr: 1.35 Uhr. Was aber im Anschluß daran passierte hätte ich nicht für möglich gehalten. Für bestimmt 15-20 Sekunden war ein heller Leuchtstreifen am Himmel zu sehen. Genau an der Stelle, wo der Bolide, bzw. die Bolidenteile zuvor verglühten. Der Streifen hatte in etwa die Helligkeit von Deneb wenn nicht sogar kurzzeitig der Wega. Die Spur verblaßte ganz langsam. Noch ein kleines Stückchen weiter in Flugrichtung des Boliden sah ich aber noch eine Rauchspur. Auf den ersten Blick hätte es ein heller Teil der Milchstraße sein können, zumal die Cassiopeia, wo ich diese zweite Rauchspur entdeckt habe, sich ja eh in der Milchstraßenregion befindet. Dieser Teil der Boliden-Rauchspur war zwar längst nicht so hell wie der "vordere" Teil, dafür hielt er sich aber länger - viel länger. Ich vergaß in der ganzen Aufregung nochmal auf die Uhr zu schauen. Aber geschätzte 8 Minuten war dieser Teil der Rauchspur noch zu sehen, wobei sie sich nur um 2-3° am Himmel verlagerte.

Da ich eh einmal in dieser Richtung war, ich hatte mit dem 20mm TS SWM mal kurz auf die schwächere Rauchspur gehalten, schwenkte ich mal gerade rüber zu M31, der Andromedagalaxie. Leider hängt sie noch recht tief überm Horizont und noch dazu im etwas aufgehellten Himmel über der ca. 6-7km entfernten Kreisstadt. Danach setzte ich meine Beobachtungen mit dem Dobson im Gebiet in und um den Schützen fort. Leider war das Seeing in der Region immer noch ziemlich übel sodaß die Beobachtung von M8 und M20 nicht soooo viel Freude brachte. Die hab ich schon besser gesehen. Über M24 hinweg bin ich dann noch zu M18, über M17 weiter zum Adlernebel M16 gehopst. An diesem habe ich auch noch ein wenig mit den Okularen und mit und ohne UHC rumprobiert - wiedermal mit UHC etwas kontrastreicher. Den muß ich mir nochmal in `ner ruhigen Minute vornehmen.

Bevor ich dann zum Abschluß nochmal an Jupiter ran bin, wollte ich aber noch ein paar Fotos vom Schwan mit meiner kompakten Digiknipse machen. Ich wollte einfach nochmal probieren, was mit nur 15 Sekunden, ISO 1600 und `nem Fotostativ geht.

Gegen 3.15Uhr hab ich mich dann wieder auf den Heimweg gemacht.