Start Beobachtungsberichte 2009 14.10.2009 - Beobachtung eines Io-Transits

Nachbar Henning und ich beschlossen zu Hause in der Einfahrt zu beobachten, da wir am nächsten Morgen nochmal früh aufstehen wollten, um uns die Dreier-Planetenkonstellation (Merkur, Venus und Saturn) nochmal zu geben. Daraus wurde wettertechnisch dann leider doch nix mehr.

Ein kurzer Blick auf calsky.de verriet, daß gerade am Jupiter ein nettes Schauspiel stattfinden würde - ein Io-Transit, noch dazu gefolgt vom "Großen Roten Fleck". Also beschloss ich, mir dies anzuschauen, wenn`s das Seeing zulassen würde. Das Seeing war zwischendurch immer mal sehr gut, sodass ich mir das Schauspiel die ganze Zeit mit 240facher Vergrößerung in meinem 8"er Dobson mit Speers Zoomoku anschauen konnte. Ich begann die Beobachtung so gegen 21.20Uhr. Io`s Schatten war noch nicht ganz auf der Hälfte der Jupiterscheibe angekommen. Im Okular links von Jupiter (also westlich von ihm) stand Kallisto, den ich aber erst für Io hielt. Kurze Zeit später erkannte ich aber, wie sich am östlichen Planetenrand (im Newton linker Rand) ein kleiner Knubbel bildete. Klarer Fall - Io schälte sich von Jupiter. Sah sehr geil aus, wie der Knubbel immer deutlicher wurde und sich Io dann in Momenten guten Seeings von Jupiter lösen konnte und "frei im Raum" schwebte. Während ich mir das anschaute, hielt ich auch Ausschau nach dem GRF, den ich dann nach einer Weile auch am westlichen Planetenrand immer mal wieder kurz entdecken konnte. Schade, daß er momentan so kontrastschwach rüberkommt. Dadurch ist er etwas schwerer zu finden. Hat man ihn aber erstmal gesichtet, dann geht`s doch immer wieder mal ganz gut - wenn das Seeing mitspielt.

Während ich da so ins Teleskop starre kam mir der Gedanke, daß ich ja mal schnell von drinnen meine Digiknipse holen könnte, um Jupiter mit Schatten und GRF mal eben zu filmen.

Gesagt getan, schnell war die Knipse geholt und per Digiklemme an meinem TS SWM 9mm Okular befestigt. Leider war die Abbildung in der Digiknipse zu hell. Zwar waren die Monde schön zu sehen, aber Jupiter selbst war nur `ne weiße Scheibe. Die automatische Belichtungskontrolle der Knipse ließ keine Jupiterdetails erkennen. Eine manuelle Kontrolle ist im Filmmodus leider nicht möglich.

Also schnell die 2x TS-Barlow rausgeholt und neuer Versuch. Aufgrund der höheren Brennweite paßte es dann recht gut mit der Belichtung. Also versucht so gut es ging zu fokussieren und ein paar AVI`s geschossen.

Eine davon habe ich dann am gestrigen Nachmittag mittels Giotto in Einzelbilder zerlegt, manuell die Einzelbilder gelöscht, bei denen Jupiter nicht oder nicht komplett im Bild war (ich habe ja am 8" Dobson gefilmt), dann die verbliebenen gut 1000 Einzelbilder mit einer Verwendungsrate von 8% ebenfalls mit Giotto gestackt und geschärft. Zum Abschluß das geschärfte Ergebnis mit Gimp noch ein klein wenig nachbearbeitet und fertig war mein

Jupiter mit (v.l.n.r.) GRF, Io-Schatten, Io, Kallisto (ganz schwach):






















(edit: Afokale Projektion am per Hand nachgeführten 8" f/6 GSO Dobson mit der Fuji Finepix F31fd Digiknipse im Filmmodus. Gefilmt duch TS-SWM 9mm Okular und 2x-TS-Barlow.)

Nicht perfekt, aber für meine Verhältnisse ganz brauchbar. Wenn man so etwa 50-60cm vom Bildschirm wegbleibt, siehts eigentlich ganz nett aus. Links vom GRF ist auch noch ein dunklerer Fleck zu sehen. Ist das GRF-Junior? Mmmhhh ...

Nachdem ich den Dobson dann wegen Nachbarns hoher Bäume zum zweiten Mal umgestellt hatte, beobachtete ich auch noch den "Austritt" des Io-Schattens von der Jupiter-Oberfläche. Das sieht auch immer spektakulär aus, wenn sich dann am Planetenrand visuell der Eindruck ergibt, daß da einer `ne Kerbe in den Planeten geschlagen hätte. Leider war das Seeing in der kurzen Zeit, in der das Phänomen zu sehen war, nicht ganz so gut, sodass es nur sehr kurze Momente gab, wo es überhaupt zu beobachten war. Trotzdem immer wieder schön, wenn man sich vorstellt, dass man da gerade eine Sonnenfinsternis auf einem fernen Planeten beobachtet. Auch wenn ich dies jetzt schon mehrmals beobachtet habe, find ich dieses Schauspiel immer wieder toll und bin auch immer wieder erstaunt darüber, wie schnell sich Io um Jupiter bewegt.

Beobachtet habe ich dann mit meinem 8"er noch M57, den Cirrus, M27, M31, NGC7331, Stephans Quintett und zum Abschluß noch h&chi zum entspannen. Gegen 23.45Uhr baute ich alles wieder ab und begab mich rein ins warme Wohnzimmer.