Start Beobachtungsberichte 2009 01.03.2009 - Der Versuch einen Kometen einzufangen

Einleitung: Dieser Bericht vom 01. März 2009 beschreibt meinen vergeblichen Versuch, ein halbwegs vernünftiges Foto vom Kometen Lulin hinzubekommen. Der Bericht, den ich damals im AstroTreff veröffentlicht habe, schildert sehr deutlich, wie frustierend eine Nacht auch schon mal sein kann.

Ich hab schon seit Wochen vor den Lulin abzulichten. Warten wollte ich aber bis zu dem Zeitraum, an dem der grüne Komet seine geringste Erdnähe hätte. Dann würde ich wohl auch ohne Guiding und mit Billigmonti ein einigermaßen ansehnliches Foto hinbekommen können.

Wollt ihr sehen, was ich letzte Nacht hinbekommen habe? Wirklich?

Also festhalten - Pretty Picture (Ausschnitt) vom feinsten:
























Wahnsinn, gelle?

Das da`n paar Sternchen doppelt sind liegt wahrscheinlich daran, dass beim ersten Foddo der Lulin rechts oben in der Ecke war, bei den anderen drei Stück (ja, es ist tatsächlich ein Summenfoto, entstanden aus 4 RAW`s der EOS1000D) hatte ich ihn nahe der Bildmitte. Da wird wohl das Canonobjektiv etwas verzeichnen. Ich hätte ja das erste Foto gar nicht verwendet, wenn ich mehr "gute" Einzelbelichtungen gehabt hätte. Sollte aber wohl nicht sein ...

Aber nun von vorn. Seit Wochen ist es hier bedeckt. Es blitzen höchstens hier und da mal die helleren Sterne durch Lücken in der Wolkendecke. Seit letzter Woche bin ich hibbelig, ob es wohl was werden würde mit Lulin in Erdnähe. Am vergangenen Montag hab ich Lulin zum ersten mal gesehen - mit meinem 10x50 Bresser (Lidl-)Fernglas. Kurz, ca. 5 Minuten. Knapp unterhalb von Saturn. Dann war wieder alles dicht. Die ganzen letzten Tage habe ich gehofft, dass es noch klappen würde. Zum Wochenende war besseres Wetter vorhergesagt. Es mußte einfach klappen dachte ich. Im AstroTreff-Forum kam dann ein Lulin-Foto nach dem anderen, eins besser als das andere. Warum haben die alle Clear Skies? Warum ich nicht? ...

Na ja. Meine Hoffnung lag auf dem gestrigen Abend bzw. der Nacht. Der Wetterbericht sagte voraus, dass es zum späten Nachmittag aufklaren sollte. Nix wars. Alles dicht. Und so blieb es den ganzen Abend. Um 2 Uhr bin ich dann noch mal raus um noch `n Kippchen zu qualmen, bevor ich mich enttäuscht in die Koje hauen würde - meine Drei Kids werden mich am Sonntag früh fordern. Ich also raus, Himmel nach wie vor dicht. Aber hier und da lugte mal kurz ein Sternchen hervor. Der Satellitenfilm, den ich mir schon die ganzen letzten Abende angeschaut hatte versprach keine wirkliche Besserung. Dann aber, ich wollt gerade rein gehen, sah ich, wie es von Südwest her aufklarte. Aus ein paar einzelnen Sternchen wurden Sternbilder. Es dauert nicht lange und ich hatte die Orientierung gefunden. Ich schnell rein, Fernglas raus um zu schauen, ob ich Lulin finde. Die Durchsicht war nicht so gut, aber ich fand den grünen (im Fernglas grauen) Kollegen sofort. Sehr auffällig stand er da westlich von Regulus im Löwen. Nochmal den Himmel begutachten. Jau, das könnte was werde. Nicht nur das die Wolken plötzlich alle fort waren, nein, es klarte sogar richtig auf. Also schnell rein, den 6" Newton von der EQ-EM10-Monti geschraubt, die EOS sammt 100-300mm Canon Zoom Objektiv auf die Prismenschiene geschraubt, das ganze Zeugs rausgetragen und ... ja und - erste Wolken zogen wieder auf. Na gut. War ja zu erwarten. Egal. Monti ausgerichtet und eingenordet - Prismenschiene mit EOS drauf - Monti eingeschaltet und ja, wie sollte es anders sein: Der Himmel hatte sich wieder zu ca. 60% zugezogen. Den Löwen erkannte ich nur, weil ich wußte wo er sein muß. Die Hälfte seiner Sterne lagen hinter grauen Wolkenfetzen verdeckt, natürlich auch die Hälfte, in der sich Lulin aufhält. Egal, dann fokussiere ich halt erstmal am Saturn. Schnell durch den Sucher der EOS1000D aufgesucht, den Zoom auf 200mm gestellt, dann per Liveview (ja, is `ne tolle Sache dieser Liveview) scharf gestellt. Dann wieder nach Regulus gesucht.

Nachdem ich mir eine weitere Kippe angesteckt hatte, kam Regulus langsam wieder zum Vorschein. Nicht in voller Leuchtkraft, aber ich konnte ihn wenigestens sehen. Und das war auch wichtig, da ich mich ja an ihm orientieren wollte um Lulin zu finden. Als es noch mehr aufklarte hab ich dann erstmal ein 30-Sekunden-Probefoto geschossen um zu schauen, ob ich an der richtigen Stelle war. Nix zu sehen war auf dem Foto. Wie auch bei ISO100. Schnell die ISO auf 1600 hochgeschraubt und nächstes Foddo geschossen. Währenddessen zogs natürlich an der Stelle wieder zu. Trotzdem, Sterne waren zu sehen, aber kein nebliges Lulin-Fleckchen. Ich hab dann die Kamera noch so ca. 5-6 mal neu ausgerichtet und je 30 Sekunden belichtet, bis ich ihn im Bild hatte. Natürlich zwischendurch immer mal kleine Pausen, weil gerade wieder `n Wolkenteppich vor dem Kometen herdüste. Dann die Position der Kamera noch ein klein wenig korrigiert, damit Lulin wenigstens halbwegs in der Bildmitte ist. Jetzt sollte es losgehen. Meine selbstgebaute EOS-Controllbox hatte ich bereits auf 60-Sekunden-Belichtungen programmiert. Aber schon beim ersten Bild zog wieder was vor den Kometen. Mir fiel auf, dass die Durchsicht, die zwischendurch ziemlich gut war sich schon wieder dramatisch verschlechtert hatte, wenn dann mal gerade keine Wolke im Weg war. Nach drei weiteren Belichtungsversuchen wars dann vorbei. Alles dicht. Ganz plötzlich war außer den Wolken auch noch Nebel dazugekommen. Dichter Nebel. Kein Sternchen flackerte mehr auf am Himmel. Wieder nix mit meinem Lulin-Foto. Denn das, was ich bisher von dem Kerlchen eingefangen hatte war nur wenig mehr als nix, wie das Summenfoto (!) der 4 Belichtungen oben zeigt.

Der ganze Aufwand für nix, oder o.k., sagen wir ein klitzekleines bischen mehr als nix.

Anstatt um 2 Uhr ins Bett zu kommen wars dann eben 3.45Uhr - für so`n Foddo. Sagte ich schon, daß ich kotzen könnte?

So `n Sch..ß.

Und die nächsten Tage soll`s Wetter auch nicht besser werden. Noch dazu ist Gevatter Mond ja auch der Meinung, er müßte mal wieder rumleuchten. Haben wir nicht schon genug Lichtverschmutzung? Ich finde, dass gerade im Internationalen Jahr der Astronomie der Mond abgeschaltet gehört. Ich mein klar, ohne Mond kein Leben hier auf der Erde. Der is schon sehr wichtig für uns. Er darf ja auch gerne bleiben. Aber muß der dabei leuchten?

O.K., is ja schon gut. Der Mond kann ja auch nix dafür, dass das Wetter hier mal wieder nicht mitgespielt hat.

Aber ich bin sauer. Richtig sauer. Merkt man, oder?

Am 3. und 4. März konnte ich Lulin dann doch noch ablichten. Zu finden sind die Ergebnisse in meiner Astro-Fotogalerie.