Start Beobachtungsberichte 2008 16.08.2008 - Mondfinsternis und Töchterchens First Light

Außer dass es galt eine partielle Mondfinsternis zu beobachten, hatte diese Nacht noch etwas besonderes: Meine 9-jährige Tochter war zum ersten Mal mit Papa draußen zum spechteln.

Anfangen will ich am gestrigen Mittag: Ich war gerade von draußen in den Keller gegangen, um für einen Bekannten eine Batterie durchzumessen, als ich einen brennenden Schmerz am Hals verspürte - eine blöde, doofe Ar...loch-Wespe hat ganze Arbeit geleistet und mich in den Hals gestochen. Meine Frau war sofort mit einer Zwiebel zur Stelle, um den Stich zu bekämpfen. Am Nachmittag war Klassenfest meiner 9-jährigen Tochter Lea. Im Verlaufe dessen wurde ich ziemlich schlapp, was ich auf den Wespenstich, der immer noch brannte und die scheinende Sonne zurückführte. Am Abend waren wir noch bei Freunden zum Sommerfest eingeladen. Da ich aber immer noch so schlapp war und meine kleine dreijährige Tochter auch schon ziemlich müde und daher sehr quängelig wurde, beschlossen meine Frau und ich, dass sie alleine mit Lea zum Sommerfest fahren würde, während ich die Kleene ins Bett verfrachten und selbst `ne Auszeit nehmen würde, um für die MoFi noch ein paar Kräfte sammeln zu können. Ich stand dann gegen 21Uhr wieder auf und begann unsere Teleskope sammt Zubehör und einen Schalfsack für Lea zusammenzupacken. Dabei fiel mir dann erfreulicher Weise auf, dass es mir schon etwas besser ging. Das Stündchen Schlaf hatte ganz gut getan. Da Lea erfreulicherweise immer mehr Interesse für die Astronomie entwickelt und Ende diesen Monats unbedingt mit mir zum ATB fahren möchte, habe ich ihr vor einer Woche meinen ollen 76/700 Newton mit Wackelstativ zum Dobson umgebaut.

Der sollte natürlich mit, damit Lea erste Erfahrungen mit dem Gerät sammeln konnte. Außerdem habe ich noch meinen 8"-Dobson und mein Meade ETX-70 eingepackt. Das ETX habe ich auch deswegen mitgenommen, da noch ein Klassenkamerad von Lea mit seinem Dad zum Beobachten der MoFi zu uns stoßen wollte. Die beiden haben auch einen 76/700 Newton, haben ihn aber zu Hause gelassen, da sie ja wußten, dass wir gut ausgestattet sind. Da die zwei sich auch zum ATB angemeldet haben, werden sie ihren Newton auf Anraten von mir bis dahin auch noch "verdobson". Kurz nach 21.30Uhr stand ich dann mit allen Klamotten abfahrbereit in unserer Einfahrt und wartete auf die Heimkehr von meiner Frau und Tochter Lea. Am Himmel hatte bereits gerade das Schauspiel der MoFi begonnen. Daher schob ich schnell ein Okular in den kleinen Dobson und warf schon mal `nen Blick auf den Mond. Die eigentliche Beobachtung wollte ich wieder an meinem Lieblingsspechtelplatz abseits jeglicher Zivilisation, ca. 5,5km von meinem Heim entfernt durchführen, da bei mir zu Hause leider ein Haus den Blick nach Süden versperrt. Ich hab dann auch schon mal schnell die Digicam, meine Fuji Finepix F31fd, vor`s 20mm 0,96" Okular gehalten und einen ersten Schuß gewagt.

Nen Augenblick später kamen dann meine Frau und Lea, sehnsüchtigst von mir erwartet. Während Lea sich schnell umzog, packte ich unseren Astrokram ins Auto und rief Leas Klassenkamerad an, um mitzuteilen, dass wir nun durchstarten würden. An unserem Beobachtungsort trafen wir kurz nach 22Uhr ein. Schnell die beiden Dobsons aufgebaut und schnell noch zwei/drei Fotos geschossen, bevor ich Tochter Lea half den Mond mit ihrem Dobson "einzufangen".

Leider zogen immer wieder Wolkenfelder direkt vor dem Mond her. Darüber und darunter war es die meiste Zeit lang klar.


























Später, nach dem Maximum wurden die Bedingungen aber zunehmendst besser. Genau während des Maximums stand aber natürlich wieder eine Wolke im Weg, wie sollte es anders sein. Aber hier bei der partiellen MoFi kommt es natürlich nicht so auf die Minute an, wie jetzt vor kurzem noch bei der totalen SoFi.

Lea und Klassenkamerad Georg zeigte ich dann am 8-Zöller noch Jupiter und M31. Jupiter war aber nicht so der Brüller, aufgrund miesem Seeing. Aber die beiden Hauptwolkenbänder waren schon noch zu sehen. M31 war zwar bei dem aufgehellten Himmel nicht so ein Genuß, wie es hätte sein können, aber die Kinder faszinierte schon, dass wir an dem Objekt gleich über 2 Millionen Jahre in die Vergangenheit schauen. Danach brachen Georg und sein Vater auf. Ich erklärte Lea dann noch, wie ich mittels des Orion Quickfinders Objekte aufsuche. Sie wollte es gleich am Mond ausprobieren, was ihr auch nach wenigen Versuchen erfolgreich gelang.


























Ich zeigte Lea dann noch h+chi und M27. Auch die beiden Objekte verlieren etwas an "Glanz" bei (Voll-)Mondhimmel, obwohl ja noch immer ca. 50% verfinstert waren. Trotzdem haben ihr die beiden Objekte gut gefallen. Ich wählte diese beiden nach M31 und Jupiter aus, um ihr einfach mal auf die Schnelle die Vielfalt des Sternenhimmels zu zeigen. Sie war schon etwas beeindruckt davon, was da oben so los ist. An M27 erklärte ich ihr, dass man diese Objekte nicht direkt sondern indirekt beobachtet. Und wider Erwarten hat sie es sofort verstanden und konnte es gleich umsetzen, sodass sie trotz des aufgehellten Himmels, gerade eben so die charakteristische Hantelform erkennen konnte. Ich war fast mehr aus dem Häuschen als Lea, weil ich nicht erwartet hatte, dass sie das so schnell umsetzen konnte. Ich hätte ihr gerne noch mehr gezeigt, gestern Abend, aber es war schon nach 0Uhr und Lea wurde es langsam kalt. Außerdem war sie doch ziemlich kaputt von dem anstrengenden Tag. Sie zog sich alsbald ins Auto zurück und schlief schon mal `ne Runde, während ich noch die MoFi zu Ende beobachtete und noch einem anderen Kameraden unseres Sonnensystems auf den Pelz rücken wollte: Uranus.

Den hatte ich schon länger auf der Liste, hat aber nie gepasst. Ich hatte mir zwar zu Hause in Stellarium noch angeschaut, wo ich ihn finde, hatte allerdings nicht bedacht, dass bei dem aufgehellten Himmel in der Region eine Orientierung an Sternen nicht möglich war. Ich konnte dort einfach Keine mit bloßem Auge sehen. Wie auch bei fast wieder Vollmond (die MoFi war fast zu Ende). Aber ich hatte ja das ETX-70 noch aufgebaut. Ich also den Uranus im Autostar eingegeben und das GoTo steuerte den 70/350mm Tubus direkt an die Stelle, wo sich der grünliche Planet aufhalten sollte. Im 25mm Okular waren natürlich nur sternförmige Objekte zu sehen, war ja auch klar. Da das ETX aber keine hohen Vergrößerungen verträgt, versuchte ich es auch gar nicht erst, sondern richtete den 8" Dobson in etwa so aus, wie der Tubus des ETX stand. Nach kurzem suchen mit meinem 2" TS-WA 32 fand ich dann die Sternenkonstellation, die ich auch im ETX gesehen hatte. Also Übersichtsoku raus und 9mm TS-SWM rein. Jawoll, da stand er. Allerdings ohne erkennbare grünliche Farbe, was sicher an dem stark aufgellten Himmel lag. Dem werde ich also wohl nochmal in einer klaren Neumondnacht (hoffentlich beim ATB) auf`n Pelz rücken müssen. Dabei wird dann auch noch der Neptun folgen, den ich bisher auch noch nie beobachtet habe.

Danach packte ich alles wieder zusammen und fuhr mit Lea wieder Heim. Als wir losfuhren wurde sie wieder wach. Sie hatte vom Einladen garnix mitbekommen und hat schön geschlummert. ;-)

Wieder zu Hause angekommen, marschierte Lea auch gleich freiwillig (!) ins Bett. Sehr ungewöhnlich für die junge Dame, aber es war ja mitlerweile auch schon 1.30Uhr. Ich lud dann noch alles wieder aus und schob die Fotos auf die Festplatte des Rechners, um schon mal zu schauen, ob was brauchbares dabei war.

Abschließend muß ich noch erwähnen, dass ich ziemlich happy darüber bin, dass es meiner Tochter wirklich gefallen hat, mal ein paar Blicke auf die faszinierende Sternenwelt zu werfen. Ich hatte ja schon befürchtet, daß sie nur einmal und nie wieder mit mir spechteln fahren würde. Aber auch heute morgen sagte sie sofort, dass sie nach wie vor unbedingt mit zum Teleskoptreffen fahren will, was mich natürlich sehr freut, zumal ihre Mutter (meine liebste aller Ehefrauen) der Astronomie so überhauptgarnimmernix abgewinnen kann.

Nächste Woche bekomme ich noch einen anderen Fangspiegel für den kleinen Dobson (meinen hab ich leider mal beim Reinigen etwas zerkratzt ) und einen 1,25" OAZ bekomme ich auch noch. Dann kann Lea mit den Okularen, die dem ETX-70 beilagen beobachten, was bestimmt noch etwas Gewinn gegenüber den ollen 0,96" Okus bringen wird. Ich freue mich schon sehr darauf, mit Lea mal bei Neumond und 6,3 mag Himmel, der bei mir hin und wieder drin ist, zu beobachten und ihr außer den Objekten von gestern noch ein paar andere tolle Objekte zu zeigen.

Ein paar der Mondfotos dieser MoFi sind in der Astro-Fotogalerie zu finden.