Start Beobachtungsberichte 2008 08.09.2008 - Stephans Quintett mit 8"

Seitdem Astrofreund Marius vor einer Woche von der Beobachtung von Stephans Quintett mit seinem 8“ f/6 GSO-Dobson erzählt hat und diese Beobachtung von anderen angezweifelt wurde, war ich auch heiß darauf, diese bis zu 300 Millionen Lichtjahre entfernte Galaxiengruppe einmal mit meinem 8“- f/6 GSO-Dobson aufzusuchen. Anfangen muß ich aber bei der Nacht des 29. auf den 30. August. Ort: Amateur-Teleskoptreffen-Burgwald nahe Hertingshausen. Mit mehreren Leuten wurde versucht im 12,5“ Stephans Quintett festzumachen. Nils hatte mit dazu angeregt, weil er diese Galaxiengruppe unbedingt mal in seinem 10“ GSO Dobson sehen wollte. Die Durchsicht war in dieser Nacht nicht ganz so prickelnd. Im 12,5“er war ein leichtes Aufflackern zu sehen. Während sich manche der Anwesenden sicher waren, war ich mir im Nachhinein aber nicht mehr so sicher, zumal ich mich bis dato noch nicht mit so lichtschwachen Objekten auseinandergesetzt hatte. Nils hat das Quintett leider im 10“ Dobson nicht beobachten können. Daher vermutlich auch die Anzweifelungen gegenüber Marius, dass er das Quintett mit 8“ beobachtet haben will.

Nun gut. Wie gesagt, stand Stephans Quintett jedenfalls seit dem auch ganz vorn auf meiner Liste. Aber seit meinem Besuch beim ATB am vorletzten Wochenende waren die Wetterbedingungen zu schlecht um überhaupt spechteln zu gehen. Als ich gestern Abend meine Kinder zu Bett gebracht hatte ging ich, wie so oft am Abend, raus auf unseren Balkon, um zu schauen, ob`s was zu schauen gibt. Das sah gegen 20.30Uhr schon ganz gut aus. Ein paar Schäfchenwolkenfelder zogen immer mal wieder durch, aber im großen und ganzen war der Himmel ziemlich klar. Schnell noch in Cartes du Ciel geschaut, wann die Säufersonne den Nachthimmel verlässt – gegen 23.30Uhr – wunderbar. Denn um 6 Uhr klingelt ja der verdammte Wecker, wegen Maloche – irgendwo muß ja die Kohle her kommen. Da sitze ich gerade auch und nehme mir für diesen kurzen Bericht mal kurze Auszeit.

Um 23.30 Uhr bin ich dann mit Dobson, Okularkoffer, Karkoschka, LED-Stirnlampe und schon Tage zuvor ausgedruckter Aufsuchhilfen für Stephans Quintett raus zu meinem Spechtelplatz im Feld gefahren. Zuerst hab ich natürlich wie immer schnell den Dobson aufgebaut und das Batteriepack an den Lüfter angeschlossen, damit der Spiegel schnellstens auskühlt. Dann den Rest aus`m Auto geholt, Rigel Quickfinder an Polaris justiert und zum „warm werden“ schon mal M31 angepeilt und mich gefreut, daß ich gleich zwei Staubbänder sehen konnte. Die Grenzgrößenbestimmung wollte ich mir zum Ende aufheben, war mir auch nicht sooo wichtig, zumal ja auch nicht klar war, wie lange es klar ist.

Nachdem ich mich also an unserer Nachbargalaxie erfreut hatte sollte es losgehen mit Stephans Quintett. Ich hatte mir bereits die ungefähre Position von NGC 7331 eingeprägt, die ja in der Nähe von Stephans Quintett liegt, sodaß ich diese mit dem Quickfinder und dem 2“ TS WA 32 Okular auch auf Anhieb fand. Ich war nicht sofort drauf, aber beim ersten Schubs geriet die relativ schwache Spindel schon ins Gesichtsfeld. Also 2“-Okular raus und Adapter mit TS SMW 20 Okular rein. Zum Aufsuchen des Quintetts hatte ich mir ein schönes Foto ausgedruckt, welches außer dem Quintett auch NGC 7331 zeigte, sodaß ich schon die Tage zuvor dachte, dass wenn ich erst 7331 gefunden habe, ich dann ganz einfach durch Starhopping zum Quintett durchhoppeln könnte. Aber mein Problem war erstmal sicher zu gehen, dass die Spindel, die ich gefunden hatte wirklich NGC 7331 war. Kurz gesagt, ich habe ca. `ne Viertelstunde (!) gebraucht, bis ich 100%ig sicher war, dass es sich bei der gefundenen Spindel wirklich um NGC 7331 handelte. Irgendwie fand ich als keine Übereinstimmung des Fotos mit dem durchs Teleskop Gesehenen. Ich hatte die Sterne heller erwartet, als sie dann tatsächlich waren, sodaß mir jetzt erst richtig bewusst wurde, vor welch schwieriger Aufgabe ich nun stand.

Dann sollte es aber doch schneller gehen, als erwartet. Nachdem ich mich auf die doch schwächer als erwarteten Sterne eingestellt hatte, konnte ich mich dann doch recht schnell an diesen orientieren und fand den Weg zum Quintett recht zügig. Dort angekommen sah ich auch gleich was ganz ganz schwach nebliges aufblitzen. Da im 20mm Okular der Himmelshintergrund noch nicht ganz schwarz war, entschied ich mich mit dem 9mm TS SMW weiter zu machen. Ich hatte es kaum drin und begann den Fokus zu finden, als ich plötzlich keiner Sterne mehr sah. Tau auf`m 9mm Okular?? War mein erster Gedanke. Konnte aber gar nicht sein, weil ich doch den Deckel des Schutzbehälters die ganze Zeit über dem Okular gestülpt hatte. Dann der Blick zum Himmel: Wolken – Neeeeeiiiiiiinnnnnn - über mir ein riesen Schäfchenwolkenfeld mit nur ganz kleinen „Löchern“, durch die hin und wieder mal ein Stern blitzte und Richtung Westen, aus der der ganze Mist kam, alles dicht.

So `ne Sch...e, dachte ich mir. Aber zusammenpacken wollte ich noch nicht. Nein, das konnte es jetzt einfach noch nicht gewesen sein. Dafür war mir die kurze Sichtung zu unsicher, zumal ich ja noch nicht mal sagen konnte, was ich da vom Quintett gesehen hatte. Ich lief auf und ab am Teleskop verzweifelt und verärgert. Es wäre der letzte Versuch für wohl zwei Wochen gewesen, da ja der Mond wieder mehr am nerven ist und jeden Tag später untergeht. Und ich muß ja nun mal Brötchen verdienen gehen. Und Stephans Quintett bei Mondschein – kannste vergessen. Ich also meinen „Optimistischen“ aufgelegt und mir ständig wieder eingeredet, dass das nur so`ne Front ist, der wieder klarer Himmel folgt. Das wird schon noch mal was. ...

Nach `ner Dreiviertelstunde wollte ich aber dann doch zusammenpacken. Eine Zigarettenlänge wollte ich dem Himmel aber noch geben. Und tatsächlich. Ich hatte gerade den vorvorletzten Zug getan, als ich am Westhorizont wieder Sterne sah. Nicht nur vereinzelt sondern der komplette Horizont. Endlich machte sich mein Raucherdasein auch mal bezahlt. Und die Sternenfläche wurde immer größer und größer. Nach weiteren 10 Minuten lag das Pegasusviereck wieder frei und es konnte weitergehen.

Schnell hatte ich die Sternregion wiedergefunden, in der ich zuvor das neblige „Aufblitzen“ gesehen hatte Zuerst tat sich nichts an der gleichen Stelle. Aber nur kurze Zeit später sah ich wieder das neblige „Aufblitzen“. Ich wechselte wieder zum 9mm Okular (zum Aufsuchen hatte ich zuvor wieder das 20mm TS SWM reingetan) und da konnte ich dann zwei Fleckchen sicher halten. Nach dem Vergleich mit dem Foto, auf dem die NGC-Nummern vermerkt waren, handelte es sich bei diesen beiden Fleckchen um NGC 7318 A und B (zusammen als ein Fleck) und NGC 7320. Dann prägte ich mir noch mal die Positionen der anderen Galaxien ein und ging erneut auf die Suche. Zum Spaß wechselte ich einfach mal auf mein TS SWM 6mm Okular (200fache Vergrößerung) in der Annahme, dass mir das sicher vom Licht nicht reichen würde. Aber Pustekuchen – im Gegenteil. Damit konnte ich die drei bereits gesichteten Galaxien sogar noch einen Tacken besser halten. Also hab ich dann auch noch mein 4mm Planetary ausprobiert. Das half aber nicht mehr. Im Gegenteil. Der Kontrast wurde zwar etwas besser, die Abbildung an sich wurde aber flauer. Ich konnte zwar die Galaxien genauso gut halten, die Sternchen wirkten aber im 6mm TS SWM etwas schärfer. Somit suchte ich mit dem 6er weiter.

Als nächstes „entdeckte“ ich NGC 7317. Nach längerem Vergleich mit meinem Ausdruck stellte ich fest, dass ich diese Galaxie bereits vorher wahrgenommen, aber eigentlich für einen Stern gehalten hatte und somit nicht weiter beachtete. Nun aber, wo ich sicher war, dass an dieser Position NGC 7317 liegen musste konnte ich an dieser Stelle auch eine neblige Aufhellung ausmachen. Also hatte ich bereits Nummer 4 entdeckt. Ich war völlig aus dem Häuschen. So viel Spaß hatte ich zuletzt Ende Januar, als ich zum ersten Mal durch den Dobson schaute.

Die Galaxie NGC 7319 war aber `ne sehr harte Nuß. Dauerhaft halten konnte ich sowieso nur NGC 7318 A + B (wie gesagt nur als einen Fleck) und 7320. NGC 7317 ging aber auch fast dauerhaft. NGC7319 hingegen sah ich nur ein paar Mal aufblitzen. Ich musste mir schon ordentlich die Augen verbiegen. Aber nachdem ich sie vielleicht das fünfte oder sechste Mal aufblinken sah, hab ich sie als „sicher beobachtet“ abgehakt.

Damit hatte ich tatsächlich mit meinem 8“er und meiner noch wenigen Beobachtungserfahrung Stephans Quintett geknackt. Aber es war tierisch anstrengend, sodaß ich meinen Augen zum Schluß zur Entspannung noch mal M31, M45 und den blinkenden planetarischen Nebel im Schwan gönnte, den ich eine Woche zuvor beim ATB zum ersten Mal gesehen hatte.

Dann fiel mir ein, dass ich ja noch die Grenzgröße bestimmen wollte. Ich tue mich da immer sehr schwer und normalerweise macht man das wohl auch eher im Zenit. Ich hatte aber nur den Karkoschka dabei und habe mich einer Karte bedient, die einen Ausschnitt um Polaris zeigt. Der Karte nach würde ich die Grenzgröße auf ca. 6m3 schätzen. Aber wie gesagt, darin fehlt mir noch etwas die Erfahrung. Aber `nen 6m1er Stern aus der Karte konnte ich noch recht gut halten und das trotz meiner relativ hellen LED-Stirnlampe. Die muß ich mir noch mal umbauen – is in der ersten Stufe noch etwas zu hell.

Fazit: Auch wenn ich nur knappe 3 Stunden Schlaf hatte – es hat sich total gelohnt den Dobson noch mal ins Feld zu karren. Der Himmel war nach dem Durchzug dieser doofen Wolkenfront auch wirklich spitze. Wenn ich mir jetzt vorstelle, dass ich wirklich vorzeitig die Sachen gepackt hätte ... nicht dran zu denken. Klar hätte ich mehr Schlaf gehabt. Aber so war es eine super Beobachtungsnacht mit einem Ergebnis, das ich so nicht erwartet hatte. Stephans Quintett im 8-Zöller ist ziemlich schwer, aber mit gutem Aufsuchmaterial und gutem Himmel klappts.