Start Beobachtungsberichte 2017 21.01.2017 - "Warum in die Ferne schweifen ..." - Pferdekopfnebel visuell

Am vergangenen Samstag spielte das Wetter wieder mal mit und so entschloss ich mich bereits am Vormittag dazu, mal einen neuen Platz zum beobachten auszuprobieren – auf 800m anstatt „nur“ auf 470m Höhe üNN. Da dieser Platz allerdings zwischen zwei Skigebieten liegt, wo auch Abfahrt unter Flutlichtbeleuchtung angeboten wird, machte ich mir nicht so große Hoffnungen auf Top-Bedingungen. Da ich aber erst vor kurzem durch einen Tourist (auch Hobbyspechtler) auf diesen Platz aufmerksam gemacht wurde, war ich neugierig und wollte unbedingt mal hin, um mir einen Überblick zu verschaffen.

Kurz nach 19.00 Uhr fuhr ich los. Im Gepäck hatte ich meinen 12“ Dobson, meine LXD-75 Montierung, meine beiden Canon Spiegelreflexkameras und das Zubehör nebst Okukoffer, Tisch und BeoStuhl. Ca. 35km waren zu fahren und da ich mich auf dem Weg dorthin glatt 2x verfahren habe, traf ich erst gegen 20.15 Uhr an dem auszukundschaftenden BeoPlatz ein.

Der Platz ist ein Parkplatz auf genau 800m Höhe üNN. in der Nähe des sauerländischen Ortes Niedersfeld. Hier oben befindet sich die Hochheidehütte, die auch mit einer nachtaktiven Webcam ausgestattet ist. Prima, damit kann man sich schon von zu Hause aus ein Bild machen, was einen dort oben erwartet – zumindest, wie die Bedingungen in Richtung Westen sind, denn in diese Richtung „schaut“ die Webcam.

Der zugehörige Parkplatz befindet sich ca. 100-150m entfernt von der Hütte. Dort angekommen machte ich erstmal einen kleinen Fußmarsch zu der Hütte, um mich mal ein wenig umzusehen, da ich das Areal bisher nur von Fotos und von der Webcam kannte. Dabei konnten sich meine Augen auch erstmal an die Dunkelheit gewöhnen … wobei es an dem Abend nicht die große Dunkelheit gab.




























Wie schon vermutet, hellt die Flutlichtbeleuchtung der Ski-Orte Winterberg im Süden (bläuliche Aufhellung auf dem oberen Foto) und Willingen im Nordwesten den Himmel schon deutlich auf. Vor allem die Flutlichtanlagen von Willingen machen hier astronomisch in der Skisaison schon einiges kaputt, wie man auf nachfolgendem Foto sehen kann.




























Nachfolgend noch ein Foto, wie auch die vorangegangenen mit dem 8mm Dörr Fisheye-Objektiv (baugleich mit dem bekannten 8mm Walimex) aufgenommen, diesmal in Richtung Westen.




























Der erste Eindruck von diesem Platz ist also erstmal negativ. Zum einen ist die Sicht in Richtung Süden durch die hohen Bäume am Parkplatz so verbaut, dass man unterhalb von ca. 30 Grad über Horizont nicht beobachten kann (s. Rigel, der rechte Fußstern des Orion, der hier durch die Baumwipfel streift). Hinzu kommt die Flutlichtbeleuchtung im Winter. Zu welcher Uhrzeit die abgeschaltet wird weiß ich leider nicht, aber ich denke, dass ich hier erst wieder hochfahren werde, wenn die Skisaison definitv vorbei ist.

Da es an dem Abend auf dem Berg auch leicht diesig zu sein schien, wodurch sich das Flutlicht natürlich noch deutlicher bemerkbar machte, hatte ich überhaupt keine Lust mein Geraffel auszupacken und beschloss gegen 21.15 Uhr wieder in Richtung Heimat aufzubrechen. Allerdings nicht um nach Hause zu fahren, sondern den von mir zu Hause nur ca. 5km entfernten, vor 9 Jahren „eingespechtelten“ Stammbeoplatz auf 470m Höhe üNN. aufzusuchen, in der Hoffung dass der Weg dorthin befahrbar sein würde (es hatte auch bei uns eine Woche zuvor ordentlich geschneit) und mich der Himmel dort mit einer besseren Transparenz verwöhnen würde.


Gegen  22.20 Uhr traf ich dort ein, machte bei einem „Dämpfchen“ erstmal einen Himmel-Lagecheck und beschloss den Rest des Abend hier zu verbringen. In Horizontnähe bis auf ca. 25-30 Grad war die Transparenz zwar nicht so doll, aber darüber in Richtung Zenit sah es gar nicht so schlecht aus. Ich meine sogar, dass der Himmel bei der Hochheidehütte auch ohne eingeschaltete Flutlichtbeleuchtung noch deutlich schlechter gewesen wäre, als hier an meinem gut 300m tiefergelegenen Stammplatz. Zumindest konnte ich Ursa Minor hier wesentlich besser erkennen, als noch knapp 2 Stunden zuvor im Sauerland. Warum also in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah …?




























Schnell war der Dobson zum Auskühlen aufgebaut und die Montierung ein paar Meter entfernt eingenordet, sodass ich bereits gegen 23.00 Uhr meine ersten langzeitbelichteten Aufnahmen vom Himmelsjäger Orion schießen konnte.




























Zwar hatte ich den Orion erst Ende letzten Jahres an Hubertus´s Sternwarte bei Medebach geknipst, da mir dort aber bereits nach zwei Aufnahmen mit der frisch astromodifizierten EOS1000Da das Objektiv zugetaut war, wollte ich es nochmal neu angehen. Mit knappen -10 Grad war es recht kalt, aber leider trotzdem auch etwas feucht, sodass es diesmal auch nur zu 6 Aufnahmen gereicht hat, bis das Objektiv zugetaut war. Aber immerhin ...








































(EOS1000Da, 28mm Kitobjektiv, f/4, ISO400, 6x 240 Sekunden)


Während die Kamera so vor sich hinknipste, machte ich meinen Dobson startklar. Explizit vorgenommen hatte ich mir eigentlich nur M42 mal wieder ausgiebiger zu beobachten und später noch den Kometen C/2015 V2 Johnson. Da der schmutzige Schneeball aber nördlich des Bärenhüters Bootes unterwegs war, diser aber noch viel zu tief am Nordosthorizont rumkrebste, richtete ich meine Kanone also erstmal auf den großen Orionnebel M42.

Dieser kam ohne Filter auch wieder mit grandiosen Details daher. Er schimmerte mit grünlicher Pracht durch mein 31ger Nagler und ich konnte mich an den Filamenten im Nebel kaum satt sehen. Kurzzeitig meinte ich sogar die südwestliche Kante der Huygensregion in einem zarten rostrot erblickt zu haben, wie ich es vor Jahren schonmal durch Hubertus Riegers 16" Newton sehen konnte. Sicher war ich mir aber nicht, sodass ich dieses Detail an dem Abend mal als Wunschdenken abgehakt habe.

Nachdem ich ca. 20 Minuten an M42 und kurz an dem benachbarten "Running Man" NGC1977 verweilt hatte, schwenkte ich den Tubus, noch immer mit dem 31ger Nagler bestückt zu Alnitak, dem linken Gürtelstern des Orion, um mal NGC2024 einen kurzen Besuch abzustatten. Sehr fies überstrahlte Alnitak den schön strukturierten Nebel, dennoch war mit etwas Geduld dessen markante Erscheinung noch recht gut auszumachen. Gar nicht auszudenken, wie klasse der aussehen müsste, wenn man Alnitak ausknipsen könnte ...

War die rostrote Nebelkante in M42 wahrscheinlich Wunschdenken, so folgte nun die große Überraschung für mich. Ohne auch nur einen Funken Hoffnung auf eine erfolgreiche Beobachtung zu haben, schwenkte ich den Tubus des 12"ers ein klein wenig nach unten, um mal nach B33, dem Pferdekopf-Dunkelnebel, bzw. dessen "Hintergrundbeleuchtung" in Form des sehr schwachen Emissionsnebels IC434 zu schauen. Letzterem ist es ja zu verdanken ist, dass man den schönen, Licht absorbierenden Pferdekopfnebel überhaupt sehen kann. Der ein oder andere der mich länger kennt weiß, dass ich vor 3 Jahren mal einen ausgiebigen H-Beta-Filtertest unternommen hatte, wobei ich dafür u.a. auch die Nebelkombi IC434 und B33 als Testobjekt aufgesucht hatte, da diese und der Californianebel ja die H-Beta-Filterobjekte schlechthin sind. Aber selbst mit so einem Filter guter Qualität ausgestattet ist die erfolgreiche Sichtung des Pferdekopfes nicht garantiert. Wenn die Transparenz des Himmels nicht gut genug ist, dann hat man keine Chance auf eine erfolgreiche Sichtung, da der Kontrast des dunklen Pferkopfes gegenüber dem dahinterliegenden Emissionsnebel sehr sehr gering ist.

Ich schwenke also noch immer mit dem 31ger Nagler im OAZ an die Stelle wo B33 zu finden wäre, in Ermangelung eines eigenen H-Beta-Filters habe ich meinen weichen Baader UHC-S Filter mit dem Filterschieber eingestellt, und es dauert tatsächlich nicht lange, als ich plötzlich und völlig unerwartet tatsächlich die schwarze "Nebelbucht" des Pferdekopfes in einem Hauch von Nebelschwade von IC434 entdecken kann. Ich kann´s kaum glauben, aber es war noch nicht mal sehr schwer diesen schwachen Schatten zu erhaschen, wahrscheinlich aber auch, weil ich durch vorangegangene H-Beta-Beobachtungen genau wusste, was mich erwarten würde, bzw. worauf ich zu achten hätte. Selbst als ich während des beobachtens den UHC-S Filter kurz aus dem Gesichtsfeld schob, konnte ich den Pferdekopf noch gerade so erahnen, aber nicht mehr dauerhaft halten.

Ich war so von den Socken über die Sichtung, dass ich nur kurz überlegen musste, ob ich nach Jahren mal wieder den Zeichenblock und den Bleistift zücken sollte, um diese tolle Beobachtung festzuhalten.

Da ich im Zeichnen nicht wirklich erfahren bin, brauchte ich mal wieder eine Weile, bis ich die Feldsterne drin hatte. Als das dann endlich erledigt war merkte ich, dass ich den Pferdekopf auch mit UHC-S Filter nicht mehr dauerhaft halten konnte. Die Bedingungen wurden scheinbar langsam schlechter, was damit zusammenhängen konnte, dass der Orion schon längst kulminiert hatte und sich langsam wieder in Richtung Westhorizont bewegte, wo die Transparenz ja deutlich schlechter wurde, je tiefer die Objekte standen.

Ich habe die Zeichnung dann auch tatsächlich nicht mehr vor Ort fertig gestellt, nur noch die Umrisse des Dunkelnebels skizziert und dann am Sonntag zu Hause die Zeichnung aus dem Gedächtnis fertiggestellt. Was mich dann aber tatsächlich fast Nerven gekostet hat war die Bildbearbeitung des Scans, um die invertierte Bleistiftzeichnung so gut wie möglich an den realen visuellen Eindruck anzupassen. Ich muss dazu sagen, dass ich auch nicht gerade der Überflieger in sachen EBV bin. Nach tatsächlich bestimmt 2 Stunden der Bildbearbeitung, also insgesamt fast vier Stunden Arbeit vom ersten Bleistift-Feldstern auf dem Blatt Papier bis zum folgenden Bild, war ich ausreichend zufrieden mit dem Endergebnis. Ich hatte IC434 an meinem heimischen Rechner mittels der EBV mit Gimp so schwach werden lassen, dass man ihn und damit auch B33 kaum noch ausmachen konnte und sich schon länger auf das Bild einlassen musste, um die dunkle Nebelbucht zu erkennen - ganz wie am Teleskop. An meinem Firmenrechner musste ich aber heute Vormittag feststellen, dass ich trotz maximal eingestellter Monitorhelligkeit nur noch den hellsten Teil von IC434 erblicken konnte, sodass ich die Zeichnung noch mal etwas aufhellen musste.









































Ihr habt den Monitor dann richtig eingestellt, wenn man den Nebelstreifen von IC434 gerade noch so erahnen kann. Dann nämlich fällt auch der Pferdekopf nur gerade so auf, so wie am Teleskop.

Wie ihr in meiner Zeichnung sehen könnt, sieht man anstatt des allbekannten Pferdekopfes nur eine etwa rechteckige Ausbuchtung in IC434. So aber konnte ich bisher auch am 16"er mit H-Beta-Filter nur den Pferdekopfnebel beobachten. Die von den tollen Fotos bekannte Form mit der ausgeprägten Schnauze konnte ich bisher noch nie beim beobachten rausarbeiten. Der Kontrast ist aber auch wirklich extrem gering ...

Nach der doch recht anstrengenden Zeichnung, in der auch einige Male das Radiergummi zum Einsatz kam, gönnte ich mir erstmal ´ne Fluppe und einen schönen heißen Kaffee, um im Anschluss noch ein paar "Standardkerzen" abzuschießen.




























An meiner nachgeführten EOS1000Da wurde zwischendurch mal das zugetaute Kitobjektiv gegen das 8mm Dörr Fisheye getauscht. Aus der Bilderserie habe ich dann aber zwecks schönerer Horizonterkennung doch nur ein Einzelbild mit f/5, ISO400 und 240 Sekunden Belichtungszeit verwendet.




























Beobachtet habe ich mit dem Dobson dann noch M81/82, die Whirlpoolgalaxie M51 in der auch mit knapp 50facher Vergrösserung schon die Spiralform relativ gut erkennbar war und Leo´s Triplet, bestehend aus den Galaxien M65, M66 und NGC3628. Im 31ger Nagler passen die im 12" f/5 Dobson noch sehr schön zusammen ins Gesichtsfeld - ein immer wieder schöner Anblick, wie auch das Galaxienpaar M81/82 in der Großen Bärin.

Dann nahm ich noch den Kometen C/2015 V2 Johnson auf´s Korn, der mittlerweile deutlich an Höhe gewonnen, sich aber noch nicht endgültig aus der Lichtglocker der Kreisstadt Korbach herausschälen konnte. Dafür hätte ich dann noch eine Stunde warten müssen. Da es aber mittlerweile schon ca. 2.15 Uhr auf der Uhr anzeigte und mir auch langsam kalt wurde, wollte ich nicht länger abwarten und schubste den Dobson an die Stelle, die ich mir durch die wie immer toll aufbereitete Aufsuchkarten von Winnie´s Kometenseite zu Hause herausgesucht hatte. Es dauerte auch nicht lange und der aktuell mit ca. +11,5 mag (lt. Winnie`s Seite) noch recht lichtschwache Komet konnte als erfolgreich gesichtet abgehakt werden. Lange habe ich mich an dem Schweifstern aber nicht mehr aufgehalten, er war auch nur als kleiner verwaschener Fleck ohne erkennbare Details zu sehen. Einen Schweifansatz oder stellaren Kern konnte ich nicht ausmachen.

Nachdem ich meine (Foto)Montierung und die EOS1000Da samt Zubehör schonmal abgebaut und ins Auto verpackt hatte, hielt ich zum Abschluss nochmal eben auf Jupiter. Auch der stand für eine richtig gute Beobachtung zu dem Zeitpunkt - es muss nun etwa 2.45 Uhr gewesen sein - noch zu tief. Das Seeing war auch nicht gerade gut, sodass nur in sehr wenigen Sekundenbruchteilen außer den beiden äquatorialen Wolkenbändern ein paar schwächere Details in den Wolkenschichten des Gasriesen zum Vorschein kamen. Sehr eindrücklich ist mir dagegen sie sehr außergewöhnliche Stellung der vier gallileischen Jupitermonde im Gedächtnis geblieben. Diese erschienen im Okular zusammen mit Jupiter etwa wie folgt:

*   : O    *


... wobei die äußeren beiden Monde aber schon auf Höhe des Jupiteräquators standen. Aber die als Doppelpunkt erschienen Monde nahe des Planeten habe ich in der Konstellation glaub ich auch noch nie gesehen. Das dürfte wohl damit zusammenhängen, das es bis zur Opposition Anfang April noch eine Weile hin ist ...





























Nachdem ich mir dann an Jupiter also noch die Augen verblitzt hatte, wurde auch der Dobson abgebaut und um kurz nach 3.00 Uhr trat ich die Heimreise an, voller Vorfreude auf das warme Bett. Nachdem ich daheim das Auto ausgeladen und mein Bett fertig gemacht hatte, schoss ich aber noch eben diese ...

... Mondverästelung ...





























... durch mein geöffnetes Dachfenster ... und schlummerte kurz darauf friedlich und höchst zufrieden über den gelungenen BeoAbend an meinem Stammbeoplatz ein ...

Und, noch wach?