Start Beobachtungsberichte 2015 08.08.-16.08.2015 - Pluto visuell auf der Emberger Alm

Einleitung:
Vom 08.08. bis 17.08.2015 hatten meine Frau, mein zwei kleinen Kids (die Große wollte nicht mehr mit) und ich uns in "Sattleggers Alpenhof" auf der Emberger Alm für unseren Familien-Sommerurlaub eingebucht - unser erster Familienurlaub in den Alpen. Begleitet wurden wir von meinem Freund und Astrokumpel Chrissy und seiner Familie.

Die Emberger Alm ist ja auch für das dort stattfindende Internationale Teleskoptreffen ITT bekannt und somit dachten wir im Vorfeld natürlich auch darüber nach astronomisches Equipment mitzunehmen. Da für die 4 mitfahrenden Personen meiner Familie ja auch einiges an Klamotten mitzuschleppen war, war mein Plan wenigstens meinen 6" f/5 Newton und die LXD75 Montierung mitzunehmen. Einen Tag vor der Fahrt nach Kärnten schaute ich nochmal auf die Webcam, die auf der Emberger Alm installiert ist und stellte fest, dass jemand seine 16" Lightbridge dort aufgebaut hatte. Das ließ mich nicht in Ruhe und so begann ich am Abend mit der Zerlegung meiner 12" Lightbridge und mit dem Bepacken meines Autos, einem Golf Kombi 2012er Baujahrs.


























Und wie man auf diesem Foto sehen kann, hat es tatsächlich geklappt - der 12"er lag zerlegt mit allen Koffern und Urlaubsgedöns im Kofferraum des Autos. Damit das klappen konnte, musste ich die Rockerbox natürlich in alle Einzelteile zerlegen, was aber auch kein großer Akt war. Zusätzlich hatte ich natürlich meinen OkuKoffer, meinen BeoStuhl, mein TS 20x80 Triplet Fernglas, mein Tasco 8x40 Fernglas, meine Eieruhr-Barndoor und meine EOS1000D mit Zubehör auch mit dabei - eine logistische Meisterleistung, wie ich finde.

Am späten Nachmittag des 08. August trafen wir auf der Emberger Alm bei Sattleggers ein und nachdem die Klamotten auf den Zimmern waren brachten Chrissy und ich unser Astroequipment (Chrissy hatte sein 6" Meade LightSwitch dabei) in eine der beiden Rolldach-Sternwarten, die unweit des Alpenhofs zu dessen Besitz gehören. Dort konnten wir unser Equipment für die Zeit des Urlaubs perfekt unterstellen.

Kurz noch zur Emberger Alm an sich: Hier auf knapp 1.800 Meter üNN ist ein fantastisches Fleckchen Erde, das tagsüber zum wandern und Berge erklimmen und nachts zum Sternegucken einlädt. Auf der Alm, ca. 1.100 Höhenmeter über und ca. 11 Straßenkiliometer vom nächsten Ort - Berg im Drautal - entfernt, befinden sich neben Sattleggers Alpenhof nur noch ein weiterer Gasthof und ein paar weitere kleinere Häuser.


















Das große Gebäude im linken Teil des Fotos ist Sattleggers Alpenhof, die Wiese im rechten Teil des Fotos das Gelände des ITT.

Richtig geil war auch der Blick aus unserem Zimmer in Richtung Drautal (Himmelsrichtung Süd-Südwest), von wo aus mir auch ein paar schöne Zeitrafferaufnahmen mit aus dem Tal heraufziehendem Nebel gelangen.


















Super Blick, oder? Und da das Wetter an fast allen Tagen sonnig war, fing auch jeder Tag mit solch einem Ausblick an.


Astronomie auf der Alm:
Der Alpenhof ist schon seit Jahren ein beliebtes Ziel für (Hobby)Astronomen und so war es nicht verwunderlich, dass Chrissy und ich nicht allein auf der Alm waren. Wir haben ein paar sehr nette Leute kennengelernt. Die Namen habe ich bis auf einen leider schon wieder vergessen (hab ich allgemein ein Problem mit), nur Susi mit ihrem 18"er ist mir im Gedächtnis geblieben.

Chrissy und ich haben unsere Teleskope an den 5 Nächten in denen wir beobachten konnten nahe den beiden Rolldach-Sternwarten aufgebaut, wo auch die meisten anderen Hobbyastronomen ihr Equipment platziert hatten.



























Lediglich zwei etwas ältere Herren hatten ihre Astrofotoausrüstung "mutig" auf dem Parkplatz unterhalb des Alpenhofs aufgebaut und saßen während ihre Belichtungsserien automatisch durchliefen im warmen Alpenhof beim Bier - nicht meine Art von Astronomie, aber jedem das Seine ... "Mutig" war der Aufbau des teuren Equipments auf dem Parkplatz übrigens, weil dort die Almkühe und -rinder sich frei bewegen durften und sich dabei auch schon mal an dem ein oder anderen Außenspiegel eines PKW schubbelten ... weshalb wir für unsere Autos dann doch den zweiten etwas abgelegeneren Parkplatz wählten, wo die Viehcher nicht hin konnten.

Idyllischer war auf jeden Fall der BeoPlatz neben den beiden Rolldachhütten, von wo aus man einen schönen Blick über die Gebäude auf der Alm über das Drautal hinweg zum gegenüberliegenden 2.371m hohen Reißkofel und die benachbarten Bergmassive bis in die italienischen Alpengebiete hat.



























Und auch des Nachts machte sich das Bergpanorama richtig gut. Es war schon toll mal von hier aus zu beobachten, wenngleich ich vom Alpenhimmel auf 1.800m mehr erwartet hätte, wenn ich ehrlich bin. Ich empfand den Himmel hier nicht wirklich viel besser als bei mir in meiner ländlichen Gegend, wenn es guten Himmel hat. Auf nachfolgendem Foto sieht man auch, dass Lichtverschmutzung auch hier kein Fremdwort ist, wenngleich das helle orange Licht auf der Aufnahme natürlich deutlicher hervorsticht, als man es visuell wahrnehmen konnte. Einer der neugewonnen Sternfreunde sagte mir, dass das Licht am südlichen Horizont aus der italienischen Po-Ebene stammt, die man ja auch auf nächtlichen Satellitenaufnahmen leider deutlich erkennen kann.



























(EOS1000D 18mm f/4,5 ISO800 5x120 Sekunden, auf Eieruhr-Barndoor)


In die entegengesetzte Himmelsrichtung aber wurd es schon knackig dunkel. Aber wie gesagt, ich glaube nicht, dass die visuelle Grenzgröße in den 5 Nächten die wir beobachten konnten deutlich besser war als in meiner Heimat bei guten Nächten. Das Seeing war auch hier oben auf der Alm meist nicht so gut. Dennoch war es natürlich toll hier mit dem eigenen Teleskop zu beobachten, mit den anderen Sterneguckern zu klönen und zu fachsimplen, sich Obejkte "zuzuwerfen" um sie dann mit eigenem Gerät zu beobachten oder mal beim Anderen durchzuschauen. Wobei Susi mit ihrem 18"er und ich mit dem 12"er Dobson wohl die einzigen waren, die primär Photonen mit dem Augen anstatt mit digitalen Kamerasensoren zu sammeln ... Die Anderen guckten schon mal mit, alle hatten auch Ferngläser dabei (ich erinnere mich noch gut an ein phantastisches 10x30 von Canon mit Bildstabilisator), aber überwiegend waren die Kollegen samt Chrissy mehr mit ihren Kameras/Laptops/... beschäftigt.

Der Blick in Richtung Nord-Nordost:





























Ganz ohne Fotografieren ging es aber auch bei mir nicht - allerdings nur mal so Momentaufnahmen wie das Vorherige oder eben ein paar Langzeitbelichtungen mit der Eieruhr-Barndoor, wie auch das folgende Foto vom Schwan.



























(EOS1000D 18mm f/4,5 ISO800 3x300 Sekunden, auf Eieruhr-Barndoor)


An einem Tag habe ich dann noch aus drei Summenbildern, deren Einzelbelichtungen ich mit der gleichen Kamera-Nachführungskombi gewonnen habe, nachfolgendes Mosaik gebastelt:
















(Klick auf´s Bild für größere Auflösung)


Pluto visuell mit 12":
Nun aber zum eigentlichen Thema. Ich hatte in den vergangenen Jahren zwar schon immer mal den Gedanken den "neunten" Planet (ja ich weiß, seit dem 24.08.2006 nur noch Zwergplanet ... der arme Kleine ...) unseres Sonnensystems mal selbst visuell zu beobachten, in den Sommermonaten dann aber doch nie dran gedacht oder erst während einer Beobachtungsnacht wieder in den Sinn gekommen. Nur dann ist es zu spät!

Um Pluto erfolgreich beobachten zu können bedarf es einer guten Vorbereitung, da Pluto selbst in den grössten Hobbyteleskopen nicht als Schweibchen aufgelöst werden kann. D.h. man kann ihn rein vom optischen Eindruck her nicht von einem leuchtschwachen Stern unterscheiden, da er aufgrund seines geringen Durchmessers von nur 2.374km und einer mittleren Entfernung von 5,9 Milliarden Kilometern einfach viel zu winzig ist um ihn als flächiges Objekt zu sehen. Und um ihn überhaupt sehen zu können benötigt man aufgrund seiner geringen Größe und Entfernung auch ein lichtstarkes Teleskop, da er nur um die 14mag "hell" erscheint. Mit dem Abgleich am Teleskop mit einer tagesaktuellen Sternkarte kann man Pluto dann identifizieren. Um aber auch den letzten Zweifel auszuräumen und die erfolgreiche Beobachtung zu 100% als sicher abhaken zu können, sollte man ihn an wenigstens zwei, besser drei aufeinanderfolgenden Tagen beobachten, um so seine scheinbare Eigenbewegung zum Sternenhintergrund verfolgen zu können.

Für das Jahr 2015, in dem die NASA-Raumsonde "New Horizons" durch das Pluto-System fliegen sollte, hatte ich es mir dann doch fest vorgenommen. Am 17.07.2015, drei Tage nach dem Vorbeiflug der Sonde an Pluto machte ich mich an die Vorbereitung und druckte mir aus den Sternkarten, die ich mir mittels calsky.com erstellte ein paar tagesaktuelle Aufsuchkarten aus und schrieb ein paar Sternhelligkeiten dabei, was mir bei der Identifizierung von Pluto helfen sollte. Aus der Beobachtung am gleichen Abend wurde dann aber wetterbedingt doch wieder nichts, da es wiedermal zu diesig war.

Als am Vorabend unserer Reise zur Emberger Alm aber klar war, dass mein 12"er mit auf Reisen gehen würde, holte ich noch schnell den Ausdruck meiner Aufsuchkarte vom 17.07. hervor, zeichnete dort für die kommenden Nächte die Positionen von Pluto im 2-Tagesabstand ein und ergänzte den entsprechenden Bereich des Ausdruckes noch mit weiteren Sternhelligkeiten, um am Teleskop besser einschätzen zu können, ob ich den kleinen sicher gefunden habe oder nicht.

Hier die Position von Pluto am 10.08.2015 in Stellarium (mit selbsterstelltem Horizont der Emberger Alm):
























(Klick auf´s Bild für größere Auflösung)


Um überhaupt in dieses Gebiet zu finden, hatte ich mir noch eine Karte mit einem Ausschnitt von 10° ausgedruckt. Als Wegweiser standen in den Nächten auf der Alm die beiden mit bloßem Auge zu sehenden Sterne HIP93085 (3m5) und HIP93057 (5m0) im Sternbild Schütze nur ca. 20 Bogenminuten entfernt, sodass über diese mein Einstieg in die Suche perfekt beginnen konnte.

Nachfolgend die detailierte Aufsuchkarte, die ich mir mit Calsky.com erstellt, ausgedruckt und am Abend vor Urlaubsantritt noch handschriftlich ergänzt hatte. Sie umfasst einen Himmelsausschnitt von ca. 1° x 1° (also vier Vollmondscheibchen).


































Links im Bild sieht man Plutos Position vom 17.07., als ich ihn zum ersten Mal beobachten wollte, rechts im Bild sieht man die Bahn mit den Positionen im 2-Tagesabstand vom 08.08. - 20.08.2015.

Mittels dieser Aufsuchkarte gelang es mir dann auch relativ schnell den kleinen Pluto ausfindig zu machen. Mit meinem 31ger Nagler navigierte ich sicher ins Zielgebiet, dort angekommen wechselte ich auf mein 14er Speers, in dem Pluto dann schon zu erkennen war. Etwas deutlicher wurde die Beobachtung dann noch mit meinem 5-8er Speers Zoomokular, wo durch kleinere AP der Himmel noch etwas dunkler wurde und dadurch der Kontrast von Pluto zu selbigem stieg. Ich meine mich zu erinnern, dass die beste Wahrnehmung bei 7-8 mm Okularbrennweite (also bei ca. 200facher Vergrösserung) an meinem 12" f/5 Dobson lag.

An fünf Nächten konnten wir während meines Aufenthalts auf der Emberger Alm beobachten und an allen fünf Nächten habe ich natürlich auch nach Pluto geschaut. Jedes Mal deckte sich meine Beobachtung mit dem Ausdruck, bzw. den dort eingezeichneten Planetenpositionen, sodass ich mir 100% sicher sein kann, nun endlich auch den (Zwerg)Planet Pluto beobachtet zu haben. ... Wobei man genau genommen ja eigentlich sagen muss, dass das Lichtpünktchen was man sieht, ja nicht nur Pluto allein ist, sondern zumindest das von Pluto und seinem Mond Charon gemeinsam reflektierte Sonnenlicht, da die beiden sich ja sehr eng umeinander bewegen. Die noch viel kleineren Plutomonde Nix, Hydra, Kerberos und Styx dürften hierbei bei einer Helligkeit jenseits der 23mag aber keine Rolle mehr spielen.

Mit 12" war es mit der zwingenden Voraussetzung einer aktuellen Aufsuchkarte nicht wirklich schwer diese Beobachtung zu machen. Da hab ich schon deutlich lichtschwächere Objekte beobachtet, wo es viel mehr Teleskopzeit für eine gesicherte Beobachtung gebraucht hat. Im Internet findet man verschiedene Berichte, wo erfolgreiche Plutobeobachtungen auch mit kleineren Teleskopöffnungen gelangen, beispielsweise sogar mit einem 5" Maksutov, was aber sicher schon recht grenzwertig und nur sehr erfahrenen Beobachtern möglich sein dürfte. Ich denke aber, dass bei guter Transparenz und einer besseren Höhe am Himmel eine Beobachtung mit 8" auch für noch nicht sehr erfahrene Beobachter möglich sein sollte. Bezogen auf die Höhe überm Horizont war meine Reise auf die Emberger Alm sicher förderlich gegenüber heimatlichen Gefilden, da Pluto hier zu diesem Zeitpunkt zumindest mal knapp 5° höher stand als zu Hause. Dies beeinflusste natürlich auch die Beobachtung anderer südlich gelegenen Deepskyobjekte in diesen Nächten deutlich positiv.


Ausklang:
Die Emberger Alm ist definitiv ein Besuch wert. Es war ein wirklich toller Familienurlaub - tagsüber wandern und Ausflüge machen mit der Familie, Nachts dem Astrohobby mit Kumpel Chrissy und einer Hand voll anderen Sternguckern nachkommen. Eine perfekte Mischung. Aus diesem Grund haben wir am Abreisetag auch gleich wieder für 2016 reserviert.