Start Beobachtungsberichte 2016 09.05.2016 - Merkurtransit vor der Sonne

Oh Mann, was für ein Glück - ein temporäres astronomisches Ereignis und das Wetter spielt sogar mit, unglaublich. Am heutigen Montag den 09. Mai fand einer der seltenen Planetentransits vor der Scheibe unserer Sonne statt und ich durfte Zeuge dieses seltenen und faszinierenden Himmelsschauspiels werden. Der letzte Transit war der des Planeten Venus am frühen Morgen des 06. Juni 2012, von dem man von Deutschland aus aber auch nur die letzten ca. 90 Minuten beobachten konnte - wenn denn das Wetter mitgespielt hat. Ich hatte damals leider kein Glück, der Himmel war im Bereich des Horizonts komplett bedeckt.

Heute war der kleine Planet Merkur angetreten, um aus Erdsicht vor der gleißend hellen Kugel unseres Heimatsterns seine Bahn zu ziehen. Das Spektakel sollte bereits um 13.11 Uhr mit dem 1. Kontakt beginnen, also der ersten scheinbaren Berührung des kleinen schwarzen Merkurscheibchens mit der dagegen riesigen Sonnenscheibe. Aus beruflichen Gründen konnte ich aber erst um 16.45 Uhr am angedachten Beoplatz nahe Goldhausen sein, wo ich dann schnell meine LXD-75 Montierung aufbaute und meinen 127/1500 Maksutov mit Baader Sonnenschutzfilter für die Weißlichtbeobachtung und das Coronado PST für die Beobachtung im tiefroten H-alpha aufsattelte. Die Beobachtung im langwelligen H-alpha-Licht war aber leider aufgrund der nicht so guten Transparenz meist eher schlecht. Nur zwei Protuberanzen waren neben ein paar weiteren "Fitzelchen" am Sonnenrand einigermaßen gut auszumachen.

Hier erstmal ein Foto unseres nett gelegenen BeoPlatzes mit super Horizontsicht in Richtung Westen - Astrokumpel Chrissy (auf dem Foto), der ca. ´ne 1/2 Stunde nach mir am Platz ankam und ich wollten ja nach verpasstem Transitbeginn wenigstens das Ende des Transits beobachten - so der Plan ...


Chrissy hatte nur seine kleine Star Adventure Montierung und seine Nikon mit 300mm-Objektiv und Sonnenfilter mitgebracht, da er für seinen kürzlich angeschafften 8" f/4 Newton noch keinen Sonnenfilter angerfertigt hatte.

Mein erstes Foto vom Merkurtransit konnte ich dann um 17.09 Uhr mit meiner EOS1000D am natürlich noch nicht aklimatisiertem Mak schießen. Entsprechend flau ist das Foto auch geworden. Merkur ist der kleine schwarze Punkt in ca. 8Uhr-Position vom Sonnenmittelpunkt. In der Mitte sind zwei kleine Sonnenfleckchen zu sehen, auf ca. 2Uhr eine etwas größere Sonnenfleckengruppe. Der gräuliche "Donut" unterhalb des Merkurs ist vermutlich Dreck auf dem Sensor meiner Kamera ...































Im Weißlicht am Mak mit Binoansatz war die Beobachtung meist recht gut. Nur zweimal gab es für ein paar Minuten keine freie Sicht auf unseren Zentralstern. Ansonsten bestätigte sich mal wieder - mit zwei Augen sieht man auch am Teleskop deutlich besser und mehr! Einer meiner "Schüler" von meinem letzten VHS-Astrokurs war auch gekommen und konnte das bei seiner ersten binokularen Teleskopbeobachtung nur bestätigen.

Ein Foto von 19.52 Uhr mit bereits deutlich weiter fortgeschrittenem Transit ... und aklimatisiertem Teleskop. Der Kontrast und die Schärfe sind deutlich besser und auch die Granulation auf der Sonnenoberfläche ist nun besser zu erkennen:































Das Ende des Transits (der 4. Kontakt, also die letzte Berührung des Merkurscheibchens mit der Sonnenscheibe sollte gegen 20.44 Uhr stattfinden) konnten wir wegen aufziehender Bewölkung dann aber leider doch nicht mehr beobachten, da die Bewölkung in Horizontnähe immer dichter wurde. Um 20.29 Uhr habe ich das letzte Foto geschossen, mit so diesigem Hochnebelkrams davor. Sah auf dem Display der Kamera fast so aus, als ob ich gerade eine hochvergrösserte Venus auf dem Sensor eingefangen hatte.
































Trotz den nicht 100%ig perfekten Sichtbedingungen war es ein sehr schönes Ereignis - und glücklicherweise hat das Wetter diesmal auch ausreichend mitgespielt, was in unseren Breiten ja bekanntlich alles andere als selbstverständlich ist.

Abschließend noch ein HDR, dass ich mit meinem iPhone von meiner heute genutzten Teleskopausrüstung gemacht habe, als die Sonne mehr und mehr von aufziehenden Wolken verschluckt wurde. Danach bauten Chrissy und ich unser Equipment in Ruhe ab und fuhren mit dem guten Gefühl eine erfolgreiche Beobachtung eines sehr seltenen astronomischen Ereignisses gemacht zu haben wieder Heim zu unseren Familien. Der nächste Merkurtransit findet am 11.11.2019 statt, danach erst wieder am 23.11.2032. Schön wenn ich die beiden Ereignisse auch noch erleben könnte ...