Start Beobachtungsberichte 2015 29.10.2015 - Meine erste Sternbedeckung

Eine Sternbedeckung durch den Mond - im Gegensatz zu einer Planetenbedeckung hat mich solch ein Ereignis bisher nicht wirklich interessiert. Prinzipiell passiert so etwas ja auch ständig, da der Erdmond ja scheinbar vor dem Sternenhimmel seine Bahn zieht und dabei in jeder Nacht irgendwelche Sterne verdeckt um sie dann einige Minuten (bis zu über eine Stunde) später wieder frei zu geben. Da der Mond aber so hell ist, dass er die meisten Sterne in seiner direkten Umgebung überstrahlt, ist es schwierig eine Bedeckung von schwächeren Sternen zu beobachten. Und da es von den ganz hellen Sternen, also von denen die um die 0 - 2 Magnituden scheinbare Helligkeit besitzen, nicht so viele gibt, die auf bzw. nahe der Ekliptik liegen, um überhaupt vom Mond "überflogen" werden zu können, ist so ein Schauspiel dann doch nicht sooo häufig zu beobachten. Zumal ja das Ereignis optimalerweise auch bei Dunkelheit stattfinden sollte (nicht muss!) und dann auch noch das Wetter mitspielen muss. In Frage kommende Sterne 1. Größenklasse gibt es dann auch nur 4 Stück: Antares im Sternbild Bootes, Spica in der Jungfrau, Regulus im Löwen und Aldebaran im Stier.

Letztgenannter Stern, der eine scheinbare Helligkeit von 0,85 Magnituden besitzt, sollte am heutigen 29.10.2015 mal wieder vom Mond "verschlungen" werden. Da ich momentan Urlaub habe und nichts besseres zu tun hatte, wollte ich mir dann doch die Bedeckung mal anschauen, bzw. fotografieren. Um 22.20 Uhr bin ich dann raus in die Einfahrt und habe meine LXD-75 Montierung aufgebaut, meinen 127/1500 Skywatcher Maksutov drauf gesattelt und hab meine EOS1000D am Okularauszug angebracht. Eigentlich hatte ich vor die Montierung vernünftig einzunorden und die Nachführung auf Mondgeschwindigkeit einzustellen. Ersteres scheiterte dann aber daran, dass ich Polaris nicht finden konnte. War es eine Stunde zuvor noch recht klar draußen, so zog nun ein Feld mit jeder Menge kleinen, dicht an dicht liegenden Wolken über den Himmel, die den Mond und Aldebaran nur stellenweise mal durchluken ließen.




Nichts desto trotz wollte ich es wagen und machte mich bereit für meine erste Sternbedeckung. Es gelang mir dann um 22.49 Uhr, also ca. 1 Minute vor der Bedeckung, zumindest noch zwei Fotos von Mond und Aldebaran zu schießen. Der direkte Kontakt des Sterns mit dem Westrand des Mondes blieb mir aber leider dank der Bewölkung verborgen ...




Hier noch eine Ausschnittsvergrösserung ...



Das letzte Foto, das ich von Aldebaran vor seiner Bedeckung machen konnte, entstand nur Sekunden später. Allerdings war die Sicht zu dem Zeitpunkt wirklich sehr schlecht. Durch Invertierung und Kontrastverstärkung konnte ich den Stern dann aber doch noch relativ gut sichtbar machen ... und irgendwie hat das Bild auch was. :-)




Danach hatte ich dann erstmal ´ne Stunde Zeit, bis dass Aldebaran wieder vom Mond "ausgespuckt" werden würde. Um 23.40 Uhr bin ich dann wieder raus. Die EOS hatte ich zuvor noch vom Teleskop abgebaut, da ich zum einen die bis dahin gewonnenen Fotos schonmal auswerten wollte, zum anderen aber auch der Akku meldete, dass er mal wieder gefüttert werden wollte.

Die Wolken hatten sich mitlerweile verzogen und es lag nur noch ein ganz zarter Hochnebelschleier über dem Firmament - keine 100% perfekten Bedingungen, aber doch wesentlich besser als mit der Bewölkung, die zu Beginn der Verfinsterung herrschte.

Pünktlich um 23.54 Uhr lugte Aldebaran am verdunkelten östlichen Mondrand wieder hervor. Die sekundengenaue Zeit weiß ich nicht, ich hatte aber rechtzeitig eine Bilderserie gestartet und von einem zum nächsten Foto war "das Auge des Stiers" ganz plötzlich wieder da.



Und hier ein Ausschnitt in der Originalauflösung (anklicken) meiner EOS1000D:


Vier Minuten später schoss ich dann noch ein Foto - der Mond passt im übrigen gerade so auf den Chip meiner EOS, wenn ich durch den 127/1500 Mak fotografiere.




... und aus diesen drei Aufnahmen habe ich dann noch folgende Animation gebastelt, die ganz gut zeigt, dass der Mond nicht ganz mittig vor dem Stern hergezogen ist und somit die 64 Minuten Bedeckung nicht das Maximum einer Sternbedeckung darstellen. Da ich die Kamera für die Aufnahmen nach der Bedeckung etwas versetzt am Okularauszug des Teleskops angebracht hatte, ist in der Animation leider der Versatz oben links im Bild zu sehen ...




Das war sie, meine erste beobachtete (oder besser fotografierte) Sternbedeckung durch den Mond.

Mein Fazit: Kann man sich mal anschauen, aber wirklich "gekickt" hat mich das nicht. Da find ich eine Planetenbedeckung durch den Mond doch deutlich spannender. Wetterbedingt habe ich bisher leider erst eine Einzige beobachten können und das war die Marsbedeckung am 24.12.2007, die ich damals noch mit meinem alten Tchibo-Newton beobachtet habe. Der faszinierende Anblick hat mich damals dermaßen begeistert, dass ich danach begonnen habe mich intensiver mit der Astronomie und der Beobachtung des Sternenhimmels zu beschäftigen. Genau genommen ist damit auch die Existenz dieser Webseite der damaligen Beobachtung der Marsbedeckung geschuldet. ... Toll was daraus gewachsen ist.