Start Beobachtungsberichte 2015 20.03.2015 - Partielle Sonnenfinsternis

Eine partielle Sonnenfinsternis - und das Wetter spielt tatsächlich mit. Keine Selbstverständlichkeit, schon garnicht in Deutschland ...

Da es bei uns zu Haus noch minimal diesig war und ich das Ereignis auch ungestört geniessen wollte entschloss ich mich am Freitag Morgen an meinen Haupt-BeoPlatz in der Nähe von Korbach-Goldhausen zu fahren. Trotz überquillenden Schreibtischs wollte ich mir das seltene Naturschauspiel nicht entgehen lassen ... und ich habe es auch nicht bereut. Um 9.00 Uhr war ich an geplantem Ort angekommen und ratzfatz war das mitgebrachte Equipment aufgebaut. Leider hatte ich meinen Beobachtungsstuhl zu Hause vergessen, aber besser den als eine meiner Optiken.



Mitgebracht hatte ich meinen 127/1500 Maksutov, mein Coronado PST und mein altes 300mm f/4,5 TAIR-3Phs Spionageobjektiv, welches sich meine EOS1000D hin und wieder mit dem Mak teilen musste.



Schade war es, dass mein Spechtelkumpel Chrissy terminlich verhindert war und somit nicht mit zum beobachten fahren konnte. ... Allein war ich aber trotzdem nicht die ganze Zeit. Mein Herr Vater rief kurz nachdem ich an meinem Platz angekommen war an und fragte, ob er mir etwas Gesellschaft leisten dürfe, was ich - gut erzogen wie ich bin - natürlich nicht verneinte.

Er brachte zum beobachten seine alte Schweißerbrille mit und sagte mir mehrfach, dass damit gucken sicher sei. Erst als ich ihm mal meinen Selbstbausonnenfilter meines Maks vor die Nase hielt sah er ein, dass durch seine Schweißerbrille doch noch extrem viel Sonnenlicht hindurchkommt. Also Kinners, Finger weg von allem, was nicht von Fachleuten ausdrücklich für die sichere Beobachtung der Sonne empohlen wird!




Die meiste Zeit schaute mein Paps dann auch durch eines der beiden Teleskope anstatt durch seine Schweißerbrille.



Zwischen dem Beobachten knipste ich dann immer mal ein Foto mit dem 300mm Objektiv, zwischendurch wurde die Knipse dann aber auch mal an den Mak angeschlossen, um auch ein paar größerformatige Eindrücke der SoFi zu bekommen, wie z.B. die folgenden Fotos.

Kurz vor der Bedeckung des einen sichtbaren Sonnenflecks ...

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... und nachdem er wieder vom Mond freigegeben wurde:

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Beobachtet habe ich die meiste Zeit mit meinem Binoansatz am Mak, was wieder eine wahre Wonne war. Zweiäugig ist die Granulation auf der Sonnen immer wesentlich deutlicher zu sehen, als monokular, was bei der Beobachtung der SoFi hilfreich war um einen Eindruck davon zu bekommen, wie schnell der Mond doch vor der Sonne herzog. Hin und wieder konnte man mal einen Teil der Granulation gut halten und dabei beobachten, wie der Mondrand immer näher kam. Auch die Silhouette des bergigen Mondrandes an sich, vor allem der südöstliche Teil davon waren binokular sehr schön zu beobachten.



Im PST waren zusätzlich zum eigentlichen Ereignis noch sehr schöne Protuberanzen zu sehen. Mein Versuch ein paar Bildchen davon mit der kleinen Digiknipse oder dem iPhone zu machen scheiterten leider kläglich.

Interessant war auch, wie sich die Lichtverhältnisse in der Zeit um die maximale Bedeckung herum veränderten. Nahm man anfangs eigentlich keine Veränderung war, so wurde das Licht dann doch sehr fahl und kontrastarm. Farben wirkten nicht mehr so kräftig und alles sah irgendwie so blass aus - echt interessant.

Was ich noch feststellte war, dass das Seeing vor dem Maximum deutlich besser war als danach.

Die EOS schoss die meisten Fotos durch das TAIR Objektiv. Durch den Cropfaktor des Bildsensors von 1,6 werden aus den 300mm schon beachtliche 480mm Brennweite.

Nach einiger Zeit der Bildbearbeitung am Tag nach der SoFi konnte ich aus 15 der Einzelbelichtungen folgende Kollage erstellen:


(klick mich für größer)

... und diese Gif-Animation sprang dabei mit weiteren Einzelbelichtungen auch noch raus:



Nicht wundern darüber, dass die Ani nicht richtig "rund" läuft, aber ich habe nicht mit Timer fotografiert, sondern immer mal nach Gutdünken auf den Auslöser der EOS gedrückt. Eines kann man gerade hier in der Ani gut sehen - die bei Deepskyfotografen gehasste Bildfeldrotation (achtet mal auf den Sonnenfleck), verursacht durch die azimuthale Montierung der Kamera auf dem Fotostativ.

Alles in allem hat es ´ne Menge Freude gemacht. Ich habe diese kleine Auszeit am Freitag Vormittag doch sehr genossen, wenngleich ich im Anschluss dann nochmal bis in den Abend hinein ins Büro musste.


(schaut mal die kleine Sonnensichelreflektion rechts unterhalb des Binoansatzes)