Start Beobachtungsberichte 2015 17.01.2015 - Komet Lovejoy besucht Plejaden

Am Abend des 17.01. war ich mit meinem Kumpel Chrissy wieder auf Kometenjagd. Wir hatten uns dafür entschieden bei ihm zu Hause im Garten zu bleiben und nicht raus an unseren BeoPlatz zu fahren, was sich (mal wieder) als Fehler erwies, zumal der Nachbarssohn im Gartenhaus nebenan eine (be)rauschende Geburtstagsparty feierte und daduch zusätzlich störendes Licht in Chrissys Garten fiel. Somit hatten wir zum eh schon etwas lichtverseuchten Himmel über unserem Dorf auch noch zusätzliche "Himmelsbeleuchtung", was von nicht ganz perfekt transparentem Himmel auch noch getrübt wurde. Die Grenzgröße dürfte etwa bei 5 - 5,5mag gelegen haben.

Um 19.50 Uhr schlug ich mit meinem Geraffel bei Chrissy auf. Wir hatten verschiedene Ferngläser am Start, zwei verschiedene 10x50 Gläser und mein TS 20x80 Triplet. Um letzteres ruhig zu halten, hatte ich meine selbstgebaute Parallelogrammmontierung aufgebaut. Das 10x50 das ich noch zusätzlich mit hatte ist ein Glas aus russischer Fertigung, ein SOTEM mit 6° Gesichtsfeld. Die Objektivlinsen besitzen eine leicht rostbräunlich farbene Vergütung, die Okularlinsen eine Blauvergütung. Das Glas befindet sich seit ca. einem halben Jahr in meinem Besitz (für 10,-€ bei eBay Kleinanzeigen erstanden) und machte gestern Abend beim ersten Einsatz unterm Sternenhimmel einen ganz guten Eindruck. Ein richtiger Test steht aber noch aus.

Im direkten Vergleich mit meinen Beobachtungen am vergangenen Mittwoch machten sich die etwas schlechteren Umgebungsbedingungen bemerkbar. Konnte ich den Schweif in meinem 10x50 Bresser (Lidl) als auch im 20x80 Triplet am Mittwoch noch auf ca. 3° Länge beobachten, so war gestern in beiden mitgenommenen Gläsern nur mit Mühe noch der Ansatz des Schweifes zu erkennen, im größeren Glas bei kleinerer AP etwas besser als mit dem 10x50. Auch mit blossem Auge war der Komet nicht ganz so leicht zu sehen, wie noch drei Tage zuvor - Chrissy konnte ihn mit unbewaffnetem Auge gar nicht finden.

Chrissy hatte auch sein 6" ACF-Cassegrain aufgebaut, womit wir auch den Kometen beobachteten. Dafür hatte ich extra mein 2" Vixen SV 42mm Okular eingepackt, das ich mir auf der letzten ATT für meinen 5" Mak gekauft hatte, um an dem ACF mit seinem Öffnungsverhältnis von f/10 wenigestens auf eine AP von 6mm zu kommen. Ausser der leicht grünlichen Färbung (die mir gestern Abend in beiden Ferngläsern trotz höherer AP leider verborgen blieb) konnten wir auch hier nur den Ansatz des Schweifes ausmachen, wenngleich aber ein klein wenig länger als in den Ferngläsern.

Gestern wollten wir aber auch beide fotografieren. Chrissy hatte seine neue Skywatcher Star Adventurer Fotomontierung mit aufgesattelter Nikon und 28-300mm Zoomobjektiv am Start, ich hatte meine LXD-75 Montierung und darauf meine Canon 1000D gesattelt. Da der Komet C/2014 Q2 Lovejoy in diesen Tagen mit ca. 8° Abstand (scheinbar) an den Plejaden vorbeidüst, bot sich eine Aufnahme mit beiden Objekten gerade zu an. Chrissy machte somit auch erst eine Serie mit 150mm Brennweite. Parallel hatte ich an meine EOS erstmal mein russisches Spionageobjektiv TAIR 3-PHS 300mm geschnallt, was unter Berücksichtigung des Cropfaktors eine Aufnahmebrennweite von sportlichen 480mm ergibt. Damit startete ich meine Fotojagd auf den Kometen und bekam nach dem Stacken von 21 Belichtungen á 180 Sekunden bei ISO800 und Blende f/5,6 folgendes Ergbnis:


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Da ich die Einzelaufnahmen mit Fitswork auf den Kometenkern zentriert habe, werden die Sterne durch die Bewegung des Kometen innerhalb der einen Stunde Gesamtbelichtungszeit als Strichspuren dargestellt.

Um die Struktur des Schweifansatzes besser erkennen zu können, habe ich noch eine kontrastverstärkte und invertierte Version des Fotos erstellt:


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Danach wollte ich mein 135mm Porst-Objektiv nehmen um die Übersichtsaufnahme zusammen mit den Plejaden zu schießen. Dabei vergaß ich natürlich den Cropfaktor und war erstmal ordentlich überrascht, dass ich im Gegensatz zu Chrissy den Kometen nicht zusammen mit dem "Siebengestirn" auf den Chip meiner EOS bannen konnte. Dann machte es aber doch noch "klick" und ich tauschte das Objektiv gegen mein Sigma 28-105mm Aspherical IF f/3,8-5,6 um das Objektduo mit 105mm (mit Crop = 168mm) Brennweite und Blende f/5,6 zu erledigen. Leider konnte ich nur 6 Aufnahmen der Serie mit ISO800 und 180 Sekunden verwenden, da danach das Objektiv zutaute ...


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Je nach verwendetem Anzeigegerät ist der lange Schweif mehr oder weniger deutlich zu sehen. Auf meinem iPad kann ich ihn nur erahnen, am PC hingegen ist er ganz gut zu sehen.

Um die Länge des fotografisch eingefangen Schweifes deutlicher zu machen, habe ich auch von diesem Summenbild wieder eine kontrastverstärkte und invertierte Version erstellt:


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Irre wie lang der Schweif ist, oder? Das sind deutlich mehr als 8°! Sehr schön.

Nachdem wir dann noch ein bisschen Jupiter geschaut hatten, haben wir um kurz nach 0.00 Uhr alles wieder abgebaut und nach ´ner Abschiedszigarette Feierabend gemacht. Klar haben wir uns über den Lichtsumpf über unserem Dorf geärgert, und wer weiß, was bei den Fotos rausgekommen wäre, wenn wir doch auf unseren dunklen BeoPlatz gefahren wären. Dennoch wurden diese leicht negativen Gedanken von einem positiven Gefühl komplett überdeckt - wir waren endlich mal wieder länger als nur ein paar Minuten gemeinsam draußen, und das hat ´ne Menge Spass gemacht.