Start Beobachtungsberichte 2014 08.03.2014 - Bürgersteigastronomie in Korbach

Am Samstag den 08.03.2014 fand die 7. "International Sidewalk Astronomy Night" (ISAN 7) statt, eine Initiative der Sidewalk Astronomers aus San Francisco, die 1968 von dem legendären Hobby-Astronomen John Dobson gegründet wurden, der die mittlerweile in Hobby-Astronomenkreisen äußerst beliebte Bauart der Dobson-Teleskope erfunden hat.

Die Sidewalk Astromers, zu deutsch Bürgersteigastronomen, haben es sich zur Aufgabe gemacht, möglichst vielen Menschen zu ermöglichen, mal durch ein Teleskop ins All schauen zu können. Idealerweise beobachtet man die Objekte des Weltalls ja in möglichst dunklen Regionen, fernab von künstlichen Lichtquellen. Da man dort aber kaum Menschen antrifft, gehen die Bürgersteigastronomen in die Städte auf Bürgersteige und Plätze mit großem Publikumsverkehr. Lichtschwache Objekte wie Galaxien und Nebel sind aus einer hell erleuchteten Stadt heraus natürlich nicht (gut) zu beobachten, aber ein Blick auf den Mond und die hellen Planeten des Sonnensystems geht auch von dort.

Ich fand die Aktionen der Sidewalk Astronomers schon immer toll und hatte schon mehrfach den Gedanken es ihnen gleich zu tun und mich mal mit einem Teleskop in unsere Kreisstadt Korbach zu stellen. Nun zum ISAN 7, das noch dazu John Dobson gewidmet war, da er im Januar im Alter von 98 Jahren verstorben ist, wollte ich es dann zum ersten Mal versuchen und entschied mich dazu, mich mit meinem 12" Dobson Teleskop auf den Vorplatz unseres Korbacher Rathauses zu positionieren.

Mitte der Woche kam mir der Gedanke, unsere beiden hiesigen Tageszeitungen über mein Vorhaben zu informieren, um mittels eines kleinen Berichts vielleicht zusätzlich noch ein paar Menschen für die Aktion zu mobilisieren. Die HNA druckte dann am Freitag den 07.03. auch nachfolgenden Artikel - vielen Dank dafür!

Am Samstag Nachmittag, wenige Stunden vor Beginn meiner "Public Viewing"-Aktion, habe ich folgendes Foto vom "Ort des Geschehens" geknipst.



Gegen 19.15 Uhr wurde dann das Auto mit dem Astrokram gepackt, um 19.45 Uhr waren meine 15-jährige Tochter, die mich begleiten wollte, und ich mit unseren 12" und 3" Dobson am Rathaus und begannen mit dem Aufbau unseres Krempels. Mein Plan war gegen 20.00 Uhr mit unserem Beitrag zum ISAN 7 zu beginnen, voher aber auch meine digitale Spiegelreflexkamera schon am Start zu haben, um über den kompletten Abend eine Fotoserie für eine Zeitrafferaufnahme zu schießen. Aber daraus wurde erstmal nichts, denn kaum waren die Teleskope aufgebaut, kamen schon die ersten "Schaulustigen" nebst einer Redakteurin von einer der beiden hiesigen Tageszeitungen, um zu schauen, was wir vor hatten.

Die ersten beiden Stunden war richtig was los an unseren Geräten und es hat richtig Spass gemacht den Leuten den Mond und im Anschluss Jupiter mit seinen anfangs noch vier sichtbaren galileischen Monden zu zeigen, Io verzog sich aber im Laufe des Abends hinter seinen Mutterplanet, dafür lugte aber der "Große Rote Fleck" immer mehr hervor.

Einige wenige Leute kamen von sich aus auf uns zu, meißt die Leute, die zumindest ahnten, dass das Teleskope waren, die wir auf dem Platz aufgebaut hatten und keine Schneekanonen, wie zu fortgeschrittender Stunde ein schon etwas angetrunkener Pasant meinte. Die meissten Leute musste ich aber aus der Ferne herbeikomplimentieren ...

"Wollen Sie mal den Mond schauen?"



Und die meissten Leute wollten dann auch ...



Vor allem der Anblick unseres Erdtrabenten ließ viele erstaunen. Wir liessen die neugierig gewordenen Menschen zuerst einen Blick durch den kleinen Dobson werfen - mit einem 26er Plössl ausgestattet wurde der Mond hier mit 27-facher Vergrösserung beobachtet, was ja schon ordentlich Krater erkennen ließ. Dann bitteten wir die Leute zum großen Dobson, an dem wir mit dem Speers Waler 8-5mm Zoom in der Regel mit 190- oder gar 234-facher Vergrösserung erst den Halbmond und dann Jupiter mit seinen Monden beobachtet haben.



Das Publikum war sehr unterschiedlich. Angefangen von jungen teils recht albernen Teenies, über unwissende und einfach nur erstaunte Menschen, bereits etwas sachkundigerer "Harald Lesch-Gucker", bis hin zu einem Planetenfilmer, der sich wie auch ich sehr darüber gefreut hat, hier einen einheimischen Gleichgesinnten zu treffen.



Erst um 22.00 Uhr kam ich dann mal dazu meine EOS auszupacken, mal 2 oder 3 Fotos der abendlichen Szenerie zu schießen und die Kamera für die geplante Zeitrafferserie an den Start zu bringen. Aus dieser Serie stammen übrigends auch die bereits bis hierhin gezeigten Fotos. Zwischendurch konnten auch meine Tochter und ich mal ein paar entspannte Blicke auf Mond und Jupiter werfen. Das Seeing war übrigends garnicht mal so schlecht.



"Kann man denn den Jupiter auch mit dem bloßen Auge sehen?" "Ja, der hellste von den Punkten da oben."



Ich weiß nicht, wieviele Leuten wir mit unserer direkten Ansprache und meinem mit einer Laufschrift-App versehenen iPad an die Teleskope locken konnten, aber ich denke, dass es so ca. an die 50 gewesen sein müssten. Gerade die ersten zwei Stunden waren sehr sehr gut besucht und ich konnte viel über mein Hobby, die Optiken und den Mond und den Jupiter im Speziellen erzählen. Etwas tat mir der Redakteur der heimischen WLZ leid, der gern ein paar Fragen stellen und ein Foto schießen wollte, aber aufgund des relativ großen Andrangs zu Beginn und die vielen Gespräche mit den Menschen doch über eine Stunde warten musste - und dies auch scheinbar bereitwillig tat.

Am frühen Morgen des 11. März wurde ich zu Arbeitsbeginn dann auch gleich von einem Arbeitskollegen angesprochen, dass da ein schöer Bericht über "unsere" ISAN 7 Aktion in der heutigen Ausgabe der WLZ abgedruckt sei. Bis auf den kleinen Zahlendreher in der Überschrift (es waren 712 Mill. Kilometer, die Jupi an dem Abend von uns entfernt war) ist der Artikel dann auch ganz nett geworden.



Zu späterer Stunde wurde die Anzahl der zu begeisternden Menschen dann aber doch weniger. Daher gibt es in der fertigen Zeitrafferaufnahme, die den Zeitraum zwischen 22.05 Uhr und 23.30 Uhr zeigt, dann auch hier und da mal wieder auch etwas längere Momente, wo meine Tochter und ich allein auf dem Platz standen. Man merkte auch, dass immer mehr vorbeikommende Leute gleich bei der Ansprache abwinkten oder noch ein "Den Mond seh ich auch so!" über die Lippen brachten. Manchmal auch schon deutlich alkoholisiert. Um 0.00 Uhr haben wir die Teleskope dann wieder abgebaut, auch weil der Mond bereits hinter der gegenüberliegenden Stadtbücherei zu verschwinden drohte.

Somit bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass es besser ist früher am Abend mit dem Beobachten anzufangen und eher wieder zusammen zu packen. Aber für das erste Mal wo ich das gemacht habe, bin ich doch äußerst zufrieden. Es hat uns wirklich viel Spass gemacht die Leute zu locken und dann am Teleskop zum Staunen zu bringen. Es ist schon toll zu sehen, wie wir mit der Aktion so manchem eine Freude machen konnten. Und wer weiß, vielleicht haben wir ja auch zumindest einen (Erst)Beobachter mit dem Astrovirus infizieren können.

Mir hat´s auch viel Freude gemacht mal wieder mit meiner großen Tochter zusammen unter dem Sternenhimmel zu stehen und fand es auch gleich prima, als sie mir vor ein paar Wochen schon sagte, dass sie gern mit zur ISAN 7 kommen wolle.



Beim nächsten ISAN machen wir bestimmt wieder mit und stellen uns irgendwo auf einen belebten Bürgersteig oder Platz. Jetzt überlege ich aber erstmal, ob ich am 05. April, dem "Tag der Astronomie 2014" nicht gleich wieder etwas machen sollte ...