Start Beobachtungsberichte 2014 05.02.2014 - Erst ein bisschen Weltraumforschung ...

... und im Anschluss noch ein bisschen spechteln mit mittlerer und kleiner Optik.

Klingt interessant? War es auch, definitiv! Was für ein gelungener Abend ...


Gestern Abend bin ich mit meiner großen Tochter und meinem neuen Spechtelkollegen Christoph nach Höxter gefahren, um uns einen Vortrag des Physikers und ersten westdeutschen Astronauten im All, Dr. Ulf Merbold, zum Thema "Wozu ist die Weltraumforschung gut" anzuhören. Um es kurz zu machen: Es war wieder mal große Klasse und hat viel Freude gemacht, ihm bei seinen Erzählungen zur Forschung in der Schwerelosigkeit zu lauschen, und zwischendrin auch immer mal wieder die ein oder andere lustige Begebenheit aus seinem Astronautenleben zu erfahren. Da Herr Dr. Merbold sowohl mit den Amerikanern und deren Space Shuttlen ins All geflogen ist, wie auch einmal mit den Russen in einer Sojuskapsel, gab es viele sehr interessante Dinge über die teilweise doch sehr unterschiedlichen Abläufe der Flüge und deren Vorbereitung zu hören.



Wirklich sehr kurzweilig sein Vortrag und doch auch immer wieder nachdenklich stimmend, wenn es darum ging, wie wir Menschen unser "großes Raumschiff Erde" immer wieder auf´s Neue (über)strapazieren, was aus dem Orbit eines Raumschiffs deutlich zu sehen ist, wie die Fotos von Herrn Dr. Merbold belegten.

Sein Vortrag endete mit folgendem Zitat von Sitting Bull: "Wir haben die Erde nicht von unseren Vorfahren geerbt, wir haben sie von unseren Kindern geliehen!"

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Schon auf der 90km langen Hinfahrt fiel mir auf, dass es draußen recht klar war. Das es nach unserer Rückkehr um kurz nach 23 Uhr tatsächlich auch bei uns zu Hause immer noch klar sein würde, damit hatten wir nicht gerechnet. Chrissie wollte aufgrund gesundheitlicher Beschwerden nicht mehr raus gehen, aber ich wollte die seit langem mal wieder klare Nacht zumindest noch kurz dazu nutzen, einen Blick auf die Mitte Januar entdeckte Supernove SN2014J in der Galaxie M82 zu werfen.

Also als erstes mein neues Teleskop, ein Skywatcher 127/1500 Maksutov, zum Auskühlen rausgelegt, schnell was wärmeres angezogen, die LXD-75 Montierung aufgestellt und eingenordet, den Leuchtpunktsucher justiert und los sollte es gehen.











































(Dieses Foto ist nicht von dieser Nacht, sondern vom First-Light vor einer Woche, wo ich ca. 5 Minuten Jupiter gucken konnte, bevor der Himmel wieder komplett zuzog - wiedermal ein übler Beobachtungswinter)


Mit meinem 31ger Nagler gelang das Auffinden von M82 sehr zügig und die Supernova war auch sofort gut und eindeutig zu erkennen. Ich kam dann auf die Idee mal auszuprobieren, wie sich der kleine Mak astrofotografisch so machen würde. Klar, mit f/11,8 ist das nicht gerade ´ne Fotomaschine, aber mal mit 1500mm Brennweite auf ´ne Galaxie zu halten, das juckte mich schon.

Gesagt getan war ruckzuck meine unmodifizierte EOS1000D sammt meiner Selbstbau-Steuerbox rausgeholt, der EOS-T2-2"-Adapter montiert und die Kamera am 2"-Stutzen des Teleskops befestigt. Da ich noch keine Bathinovmaske für den kleinen 5"er habe, musste ich mit Probebelichtungen versuchen den Fokus zu finden, was nicht gerade einfach war und mich doch ziemlich aufhielt. Danach wollte noch der perfekte Bildausschnitt gefunden werden, was mir mal wieder zeigte, warum ich Einsteigern so gern von einer parallaktischen Montierung ab- und eher zum Dobson rate. So´n Ding ist sowas von umständlich und visuell meiner Meinung nach zumindest für die Beobachtung mit größerer Optik nicht das Optimum. Für die Astrofotografie natürlich unverzichtbar ...

Es klappte dann irgendwann doch mal und am Ende kam nach ca. 50% Ausschuß (meine Einnordung war nicht so perfekt und der Schneckenfehler wirkt sich bei den 1500mm doch deutlich stärker aus, als beim 6" f/5 Newton, mit dem ich sonst fotografiere) mein Supernova-Schnappschuss aus 15 Einzelbildern á 60 Sekunden mit ISO800 abzüglich Darks dabei heraus.































Wie gesagt, der Mak ist mit so kleinem Öffnungsverhältnis keine Fotomaschiene und da ich mit meiner LXD-75 nicht länger belichten konnte, musste ich am Histogramm noch etwas nachhelfen, um die Galaxie wenigsten soweit sichtbar zu machen.

Während die EOS die Belichtungsserie knipste, schnappte ich mir mein 20x80 Triplet Fernglas, legte mich auf den Boden unserer Einfahrt und versuchte die Supernova damit zu erlegen. Wie auch schon vor zwei Tagen, als sich vor dem zu-Bett-gehen eine 10-minütige Wolkenlücke bot, konnte ich die Supernova erkennen. Da ich in der letzten Nacht in Ruhe beobachten konnte, klappte es auch deutlich besser, als bei meiner ersten Beobachtung dieses sterbenden Sterns zwei Tage zuvor.

Im Anschluss noch eben M81 mitbeobachtet, M101 und der Whirlpool M51 waren auch noch da und bei dem knapp 6mag-Himmel auch deutlich zu erkennen.

Dann kam mir ein sportlicher Gedanke: Ob es wohl auch klappen würde, die Supernova mit meinem 60/900 Fraunhofer zu knacken? Das reizte mich nun doch trotz fortgeschrittender Stunde so sehr, dass ich den Refraktor zusammen mit einem 22mm Kellner Okular raus in die Einfahrt holte. Da der kleine optische Sucher bekanntlich nicht so toll ist, hab ich einfach am Tubus des Teleskops vorbeigepeilt, ein bisschen hin und her gerührt und schwups, hatte ich erst M81, dann M82 im Okular. Und das sogar noch dazu etwas deutlicher, als ich das mit 60mm Öffnung und einer AP von nur knapp 1,5mm bei 41facher Vergrösserung erwartet hätte. Die Supernova lies sich aber dann doch sehr lange bitten, bis ich sie dann tatsächlich mehrmals in Folge an der richtigen Stelle aufblitzen sehen konnte. Also wirklich grenzwertig aber ich bin mir sicher, dass das keine Einbildung war.

Hier noch eine kleine Animation, die ich aus dem Foto von letzter Nacht im Wechsel mit dem Auschnitt aus einem Foto erstellt habe, dass ich am 22.04.2011 mit meinem 6" f/5 Newton von M81+M82 eschossen habe.



Qualitativ nicht sooo der Brüller, aber meins. :-)

Zum Schluß, während die EOS fleissig ihre Darks schoss, hab ich noch meinen Binoansatz an den Mak montiert und damit noch auf Jupiter gehalten. Das Seeing war zwar sehr mittelmäßig, dennoch macht es schon Spaß mit dem kleinen kompakten Maksutov auf Planetenjagd zu gehen. Wahrlich ein guter (Gebraucht)Kauf, den ich da vor knapp 2 Wochen getätigt habe. Mars ging leider dank des Baums vom Nachbarn nur zwischen den Ästen hindurch, mit ordentlich Obstruktion durch diese. Der rote Planet war zwar deutlich als dieser zu erkennen, Details auf dessen Oberfläche konnte ich aber keine ausmachen. Aber die Marssaison kommt ja erst noch.

Nach dem Abbau des ganzen Krams musste ich dann doch etwas überrascht feststellen, dass es mitlerweile 2.30Uhr geworden war. Für mich heißt das in der Arbeitswoche: Wecker -3 Stunden. Aber nun ja, hat ja auch schon lange keinen Himmel mehr gehabt, schon garnicht über so lange Zeit. Hier bei mir nahe Korbach ziehts auch wenn es tagsüber blauen Himmel hatte so ziemlich jede Nacht bei Einbrechen der Dunkelheit regelmäßig zu, sodass, wenn überhaupt, nur die hellsten Gestirne zu erkennen sind. Das ist ziemlich nervig und ich freue mich daher doch sehr auf das Frühjahr. Schnee brauch ich eh keinen ...