Start Beobachtungsberichte 2013 27.11.2013 - Alle Welt spricht über ISON ...

... aber während sich der vermeintliche Jahrhundertkomet nicht so entwickeln will, wie im besten Fall vorhergesagt, zieht ein anderer Koemt die große Schow auf der Himmelsbühne ab - C/2013 R1 Lovejoy.

Mein heutiger Bericht beginnt damit, dass mir am gestrigen Abend nach einem anstrengenden Arbeitstag beim Lesen auf der Couch erstmal die Äuglein zugefallen sind. Der Himmel war bis auf etwas normalen Nebelsiff zwar eigentlich relativ o.k., aber erstmal konnte ich mich nicht aufraffen, noch etwas Sternenlicht auf meine Netzhaut zu bringen.

Um kurz vor Mitternacht wurde ich dann wieder etwas lebendig und ich entschloss mich noch ein Zigarettchen vor dem Zu-Bett-gehen zu genießen. Der Himmel war etwas besser geworden und nach kurzem Überlegen holte ich mein 8x40 Tasco und mein 20x80 Triplet Fernglas aus dem Keller, um mal zu versuchen den Lovejoy zu finden, der in der Verlängerung des Schwanzes vom Großen Bären zu suchen war. Ca. 10° über dem Horizont musste er zu finden sein, was ja schon nicht gerade viel ist. Hinzu kommt, dass in der Richtung die ca. 2,5km entfernte Kreisstadt Korbach ihr Licht an den Himmel ballert, was eine Kometensuche natürlich auch nicht gerade einfacher gestaltet.

Folgendes Foto von 2008 zeigt fast genau die Richtung, in die ich von meinem Balkon aus schauen musste, um Lovejoy zu finden:


























Ziemlich hell dahinten, oder?

Nun ja, egal, erstmal das 8x40 Tasco an die Augen und ... booaaaarrr, der Komet war ruckzuckgefunden. Sogar ein Schweif war mit viel Konzentration zu erkennen. Nicht nur ein Schweifansatz wie noch vor 1 1/2 Wochen, als ich Lovejoy in den frühen Morgenstunden gegen 5 Uhr beobachtet habe, nein, ein richtiger Schweif! Also schnell das 20x80 Triplet an die Augen und bei den 4mm AP und der höheren Vergrößerung war Lovejoy sogar noch ein Tacken besser zu erkennen. Die Länge des Schweifes würde ich visuell in beiden Ferngläsern auf ca. 1,5 bis 2° schätzen. Wie gesagt, zu sehen war er aber nur mit viel Konzentration und leichtem Schwenken der Ferngläser.

Was nun? Fotokram herbeirüstern? Mmmmmhhhh ... dann wirds ja wieder so spät ... mmmmmhhhh ... Ich habe bestimmt 2 Minuten lang hin und her überlegt ... Und während ich noch so nachdenke kommt mir der Gedanke, dass ich in der Zeit den Fotokrämpel auch schon aus dem Keller hätte hochgeholt haben können. ... Um 5:30 Uhr geht der Wecker? ... Egal, auf gehts!

Nach ca. 15 Minuten hatte ich meine Eieruhrbarndoor aufgestellt, eingenordet, die EOS1000D mit dem alten Porst 135mm Objektiv montiert und los ging es mit einer Serie von 60-Sekunden-Belichtungen mit ISO800 und Blende f/5,6. Klar, der Himmel war nicht perfekt, drei-vier Stunden später, wenn der Komet an Höhe gewonnen und sich vom Lichtsmog der Nachbarstadt gelöst hätte, wäre sicher mehr zu holen gewesen. Aber da ich ja früh raus muss, kam das garnicht in Frage.

Heute Morgen habe ich dann noch schnell 15 der 21 Einzelbildergestackt, dabei festgestellt, dass ich eine Bildfelddrehung während der Serie drin hatte, also nicht sauber genug eingenordet hatte. Aber trotzdem ist das Ergebnis ganz o.k., wie ich finde.





























Am unteren Bildrand sieht man sogar noch die Bäume, die auf dem Nachbargrundstück stehen. Wie gesagt, der Komet stand mitlerweile gerade mal gute 10° über dem Horizont. Gut zu sehen ist die Bildfelddrehung an den Sternstrichspuren, nachdem ich die Einzelbilder mit Fitswork auf den Kometenkern ausgerichtet hatte. Die Lücken in den Strichspuren rühren daher, dass ich zwischendrin 4 oder 5 Bilder hatte, die ich aufgrund von Verwackelung zum Stacken nicht verwenden konnte.

Nachfolgend noch ein Ausschnitt aus dem Summenbild, mit etwas "härterer" Bildbearbeitung:

































Hier kann man schon etwas Struktur im Schweif des Kometen erkennen. Gar nicht auszudenken, was bei höherem Stand am Himmel und guter Transparenz auf dem Chip der EOS hätte landen können. Aber besser als nix.

Gegen 1:00 Uhr, nach dem Erstellen von einer Handvoll Darks für das Summenbild, hab ich dann Feierabend gemacht. Ich habe noch versucht Lovejoy freiäugig zu erspähen und denke auch, dass mir das gerade so geglückt ist. Halten konnte ich das Nebelfleckchen aber nicht dauerhaft.

Ja, alle Welt spricht über ISON, sogar unsere hiesige Tageszeitung hatte heute einen Bericht drin. Aber während der angebliche "Jahrhundertkomet" nicht so richtig in Fahrt kommen will und sich die Gerüchte und Vorhersagen häufen, dass er die Sonnenumrundung nicht schaffen wird, "brennt" ein ganz anderer Komet am Sternenhimmel - C/2013 R1 Lovejoy - mein Kometenhighlight seit dem mich Ende 2007 der Astrovirus erwischt hat.

Go Lovejoy go ... 

Nein, Ison ist mir natürlich NICHT egal, ich hoffe auch noch immer darauf, dass er uns noch ein großartigs Schauspiel bescheren wird. Ich drücke ihm jedenfalls morgen bei seiner Sonnenumrundung ganz fest die Daumen.