Start Beobachtungsberichte 2013 11.11.2013 - ISON, wirklich DER Komet am Himmel?

Am vergangenen Wochenende überlegte ich mir aufgrund einer Wettervorhersage von einer meiner Wetterquellen, dass der Montag Morgen vielleicht die Möglichkleit bieten könnte, mal einen Blick auf die drei aktuellen Schweifsterne werfen zu können. Auch die Kamera wollte ich mit raus nehmen. Im Verlauf des Wochenendes verschlechterte sich aber auch die Vorhersage der einen Wettervorhersagequelle, sodass ich gestern Abend gegen 23.30 Uhr bei komplett dichtem Himmel und Nieselregen beschloss, den Wecker nicht auf 4.00 Uhr zu stellen und mir den Schlaf zu gönnen, den man in meinem Alter benötigt.  :-)

Ein Fehler, wie sich heute Morgen um 5.40 Uhr rausstellte, als mich kurz zuvor mein "Raus-aus-dem-Bett- ... - Du-musst-an-die-Arbeit" - Wecker unsanft aus dem tiefen Schlaf weckte und mein erster Gang der zum Fenster war - sternenklarer Himmel. Shit! ... Noch vor zwei-drei Jahren hätte ich das Risiko eines unnötigen Weckens in Kauf genommen. Ich werd halt doch langsam älter ... Mmmmhhhh ...

Aber gucken wollte ich trotzdem mal eben, bei einer Tasse Kaffee und der Morgenzigarette. Also schnell ein paar Klamotten übergeworfen, die Aufsuchkarten und das 20x80 Triplet Fernglas geschnappt und raus in die Einfahrt. Die doofe Straßenlaterne machte wie gewohnt mächtig Licht, aber gut, es wird auch so gehen.

Und das tat´s dann auch. Nach wenigen Sekunden hatte ich den "Jahrzehnt"-Komet C/2012 S1 ISON, der ja Ende November/Anfang Dezember ein sehr helles und auffälliges Gastspiel an unserem Firmament bieten soll, im Sternbild der Jungfrau gefunden, trotz dass es in der Richtung zum einen leicht diesig war und noch dazu in Richtung Osten die Kreisstadt Korbach lichtverschmutzend den Himmel aufhellt. ISON war mit Schweif, den ich auf ca. 40-50 Bogenminuten Länge einschätzen würde, recht gut zu sehen. Auch die Koma hob sich in seiner Größe und Helligkeit ein kleines Bisschen vom Schweif ab.

O.K. gesehen habe ich ihn nun schonmal, aber von einem "Kometen-Knaller" ist der Kollege noch weit entfernt.

Also gut, dann mal auf zum nächsten Kandidaten. In den letzten Tagen hatte ich mitbekommen, dass der Komet C/2013 R1 Lovejoy, der aktuell eigentlich noch nicht sehr auffällig sein sollte, wohl einen Helligkeitsausbruch hat, was ihn in kurzer Zeit um ein vielfaches heller erscheinen lässt, als ursprünglich vorausgesagt wurde. Das zeigt einmal mehr, dass Kometen immer wieder für eine Überraschung gut sind. Lässt ISON momentan noch etwas zu wünschen übrig, und auch der Komet PANSTARRS hat uns ja im ersten Quartal des Jahres 2013 etwas hängen lassen, so ist der im Septemer diesen Jahres entdeckte Komet C/2013 R1 Lovejoy für mich momentan zumindest der ungekrönte König der Schweifsterne. Im Vergleich zu ISON ist dieser Komet, der momentan am Kopf des Sternbild Löwen zu finden ist, richtig hell und dürfte bei knackedunklem Himmel mit Grenzgrößen jenseits der 6 mag gerade so mit bloßem Auge sichtbar sein. Mir gelang das heute Morgen leider nicht - wie gesagt, die Straßenlaterne vor meiner Einfahrt ... und die langsam beginnende Dämmerung.

Der Komet war im 20x80 Triplet Fernglas überhaupt nicht zu übersehen, da er momentan mit einer recht großen Koma von geschätzten 15-20 Bogenminuten, also schon fast Vollmonddurchmesser daherkommt. Ein wirklich toller Anblick. Dafür reicht dann auf jeden Fall auch ein kleines Fernglas. Beim Anblick dachte ich im Vergleich an den Kern der Andromedagalaxie, wie er bei dunstigem Himmel zu sehen ist.

Und einen weiteren Schweifstern wollte ich noch aufsuchen, bevor ich mich für die Arbeit fertig machen musste. Der Komet C/2012 X1 LINEAR bewegt sich momentan durch das Sternbild Bootes. Als Startpunkt für die Aufsuche bot sich dessen Hauptstern Arktur förmlich an. Leider blieb hier aber meine Suche erfolglos. Sicher dem Licht der benachbarten Kreisstadt geschuldet, gepaart mit dem leichten Dunst darüber und der dann auch beginnenden Morgendämmerung.

Also Leute, rann an die Ferngläser, wenn es morgends draußen klar ist. Es lohnt sich! ISON ist schon nett anzuschauen, wenngleich er sich (noch) nicht so entwickelt hat, wie er sich jetzt im besten Falle schon hätte zeigen sollen/können. Aber Lovejoy ist echt ein Kracher da oben!

Aber Beeilung ist angesagt, denn der zweitgrößte Feind des Deepskybeobachters ist wieder im Anmarsch - der Erdenmond ... Hinzu kommt, dass ISON ja am 28. November die größte Annäherung an die Sonne erreicht hat, d.h. er wird schon bald nur noch in der Dämmerung zu erspähen sein. Wenn er dabei nicht deutlich an Helligkeit gewinnt, wird´s dann erstmal nichts mehr mit einer erfolgreichen Sichtung. Da bleibt dann nur zu hoffen, dass er die Sonnenumrundung schafft und uns danach noch das erhoffte Spektakel bietet.