Start Beobachtungsberichte 2013 06.09.2013 - Schmerzhafte Jupiter- und Sonnenbeobachtung

Da ursprünglich mal geplant war vom heutigen 06.09. bis zum 08.09. das foreninterne Teleskoptreffen ATDS-TT 2013 in Rhena zu veranstalten, hatte ich mir schon vor Monaten für den heutigen Tag Urlaub eingetragen. Trotz dass das Treffen dann leider abgesagt werden musste, habe ich den Tag Urlaub weiter in der Planung gelassen und mich dann gestern aufgrund des guten Wetters auch dazu entschieden, nicht an die Arbeit zu gehen, um seit langem mal wieder die Sonne beobachten zu können und dem Gasriesen Jupiter auch mal wieder einen Tagesbesuch abstatten zu können.

Gestern Abend nach dem Feierabend beschlossen meine Frau und ich die Inliner unter die Füsse zu schnallen und eine Rune damit zu drehen. Während es für meine Frau die Premiere war, hatte ich schon etwas Erfahrung mit den Teilen, bin aber selbst auch schon 2 oder 3 Jahre nicht mehr damit gefahren. Die Straße geht bei uns vor dem Haus erstmal ca. 80m relativ steil bergab, bis zu wenig befahrenen Landstrasse. Diese verläuft eben aus dem Ort hinaus in Richtung Nachbardorf und ist vor ein paar Monaten erst frisch geteert worden, sodass wir dort unsere Bahn ziehen wollten. Während meine Frau sich dazu entschloss bis zur Strasse runter zu laufen und die Inliner erst dort anzuziehen, wollte ich wagemutig wie sonst auch den Berg hinunterfahren, obwohl ich mit dem Bremsen schon immer etwas Probleme hatte. Dabei kam es dann auch wie es kommen musste. Ich bekam so viel Fahrt, dass ich kurz vor der nicht einsehbaren Landstrasse in eine Hauseinfahrt abbog, um dort irgendwie zum Stehen zu kommen. Den Bordstein schaffte ich auch noch, aber auf d gepflasterten Hof verlor ich die Kontrolle, kippte hinten über und knallte auf den harten Boden. Dabei zog ich mir an meinem linken Bein recht große und teils grobe Abschürfungen zu, die noch immer brennen wie Sau. Meine linke Hand ist auch leicht geprellt vom Aufprall. Glücklicherweise ist aber sonst nichts weiter passiert. Trotzdem ärgere ich mich natürlich über mein leichtsinniges Handeln und dachte schon, dass es dass dann wohl gewesen sei mit meinem heutigen ruhigen Vormittag mit Sonne-gucken und Jupi-filmen.

Die Nacht war auch echt der Horror. Aufgrund des brennenden Schmerzes habe ich nicht gut geschlafen. Dennoch entschloss ich mich nach einem guten Frühstück dazu, meinen Kram vor dem Haus aufzubauen, zumal der Himmel wirklich schön tiefblau war und darauf hoffen lies, dass sich Jupiter gut finden lassen würde.

Bevor ich mit dem Aufbau begann, bemühte ich aber erstmal mein iPhone mit der Astro-App Starmaps, um zu schauen, wo Jupiter zu finden ist. Mit meinem 10x50 Bresser (Lidl) Fernglas gelang mir das Auffinden des Gasriesen dann auch relativ zügig - nach max. 2 Minuten hatte ich ihn sicher als flächiges Scheibchen im Gesichtsfeld des Fernglases. 9.30 Uhr zeigte das Zeiteisen, als ich meine EQ-Plattform auf dem noch verschatteten Teil der kleinen Wiese vor dem Haus aufbaute, den Dobson darauf parkte und auch die anderen Utensilien zum filmen herbei holte. Beim Aufsuchen des Jupiters bekam ich dann aber doch ´ne Krise. Was mit dem Fernglas auch zwischendurch immer wieder gelang, wollte mit dem Dobson einfach nicht klappen. Ich konnte den Gasplanet mit dem optischen Sucher meines 12" Dobson nicht finden. Auch mit dem 31ger Nagler im Okularauszug klappte es erstmal nicht. Hinzu kam, das der anfangs leichte Wind zunehmend böiger wurde, sodass mir erste Zweifel kamen, dass ich Jupiter heute noch erfolgreich ablichten würde. Dann nach bestimmt einer 3/4-Stunde klappte es dann mit dem Auffinden doch noch. Ich fand Jupiter dann tatsächlich auch mit dem Nagler und nicht mit dem optischen Sucher. Völlig unverständlich, denn auch im Sucher war er nun relativ gut zu sehen.

Egal, Nachführmotor der EQ-Plattform angeschaltet, Laptop gestartet, Webcam mit IR-Sperrfilter und 2-fach TS-Barlow an den Start gebracht, Software WcCtrl für die Einstellungen der Webcam, und Giotto zum Aufnehmen gestartet. Dann um 11.01Uhr konnte ich die erste AVI aufnehmen. Da Seeing war übel und das Fokussieren gestaltete sich mal wieder als ziemch schwierig. Insgesamt habe ich 8 AVI´s von Jupiter aufgenommen, aber das Seeing wurde tatsächlich immer schlechter, sodass ich die letzten 7 AVI´s zwar fast alle probehalber versucht habe zu stacken, letztenendes dann aber doch die erste AVI verwendet wurde.

Hier mal der Ort des Geschehens:


Wie auf dem Foto, dass meine große Tochter (die heute schulfrei hatte) um 11.20Uhr geschossen hat, zu sehen ist, stand ich da auch schon längst in der Sonne, obwohl ich eigentlich gehofft hatte, die Jupiteraufnahmen noch im Schatten des Nachbargebäudes erstellen zu können. Aber mit dem herbeigeholten Sonnenschirm gings dann auch relativ gut. Schwierig gestaltete sich eigentlich nur, dass mich jede Bewegung an die Folgen meines Inlinersturzes erinnerte ... Das was ich da in der Hand halte ist die noch immer provisorische Handsteuerbox der EQ-Plattform. Mittels des Ein-Aus-Schalters und des Geschwindigkeitspotentiometers kann ich während der Aufnahme die Nachführung kontrollieren - quasi manuelles Guiding, da die Plattform bei den hohen Aufnahmebrennweiten nicht exakt genug nachführt. Ausserdem kann ich ja auch nur mit Kompass und Wasserwage einnorden, sodass eine perfekte Einnordung garnicht möglich ist. Für die visuelle Beobachtung reicht das aber locker und auch für´s Webcaming funktioniert das noch ausreichend genug.

Die Bearbeitung der AVI´s zu einem Summenbild gestaltete sich dann heute Abend wider erwarten als doch recht schwierig. Giotto stackte nur unbrauchbares, verwaschenes Zeugs zurecht, was bestimmt am böigen Wind während der Aufnahmen gelegen hat. Nachdem das Stacken aus den AVI´s nicht klappen wollte, zerlegte ich die erste Videodatei mit Giotto in ihre Einzelbilder. Da diese Aufnahme nicht so lang war, waren es auch nur 180 Einzelbilder, die ich auf Verwendbarkeit für einen halbwegs erfolgreichen Stack manuell durchsuchen musste. 59 Einzelbilder blieben dabei über. Die Details beschränkten sich auf die Sichtbarkeit der beiden äquatorialen Wolkenbänder - wie gesagt, das Seeing war nicht so doll. Da auch das Stacking der manuell ausgewählten Einzelbilder mit Giotto nicht klappen wollte - ich vermute, dass der Kontrast des Jupiterscheibchens gegenüber dem blauen Himmelnicht ausreichend dafür ist, habe ich die 59 Bilder mit Fitswork gestackt. Das Ergebnis habe ich dann widerum mit Giotto geschärft und den Farbton im Anschluss noch ganz leichtmit Gimp verändert. Das folgende Summenbild zeigt Jupiter in der Originalgrösse. Ich habe das 640x480 Pixel messende Summenbild nur noch etwas beschnitten, um Stackingartefakte von den Rändern des Bildes zu entfernen.

Ja und hier ist er, mein erster Versuch, Jupiter am Tage abzulichten:



Nix dolles, aber bei den Bedingungen dann doch noch etwas besser als nix. Dieser Anblick zeigte sich dann auch ungefähr im Speers Waler 5-8mm Zoom, wenn das Seeing mal soweit in Ordnung war, dass die beiden markanten Wolkenbänder zu erkennen waren. Da habe ich aber im letzten oder vorletzten Jahr auch am Tage schon mal mehr Details sehen können.

Hier mal noch ein Foto, dass den Dobson auf der EQ-Plattform zeigt. Gut ist zu erkennen, wie schräg der Dobson kurz vor Ende der Nachführzeit steht.


Nach der Jupiterfilmerei habe ich im Anschluss noch zwei AVI´s von der Sonne erstellt. Dazu habe ich natürlich den Selbstbausonnenfilter auf die Öffnung des Dobson montiert. Auch diese Stackingergebnisse sind nicht so berauschend, aber wenigstens brauchte ich nicht so einen Aufwand betreiben, wie zuvor beim Stacken der Jupiter-Einzelbilder.

AR 1836:


AR 1838:


Mit dem Filmen war ich dann um 12:30Uhr durch. Am Nachmittag bin ich dann nochmal zur visuellen Beobachtung raus - den Dobson und die EQ-Plattform hatte ich dafür draussen stehen lassem. Das Seeing war zwischendurch garnicht so übel. Zumindest für 140fach mit Binoansatz taugte es noch. Die Details in den Flecken waren wiedermal umwerfend und auch die Granulation war gut zu erkennen. Auch die hellen Fackelgebiete waren nicht zu übersehen. Zwar war fleckentechnisch nicht soviel los auf der Sonne, aber der mit Binoansatz wahrnehmbare Detailreichtum reicht auch für eine längere Beobachtung. Nach ca. einer 3/4-Stunde baute ich dann aber doch ab. Mein Bein schmerzt nach wie vor und ich musste heute Morgen schon gegen meinen inneren Schweinehund ankämpfen, um überhaupt rauszugehen und den Krempel aufzubauen.

Auch wenn die Fotos nicht so der Brüller sind, hat sich der Aufwand mal wieder gelohnt. Ich bin eigentlich recht zufrieden mit dem, was der Tag am Teleskop heute so gebracht hat. Vor allem die visuelle Beobachtung der Sonne im Weißlicht hat mal wieder mächtig Spass gemacht.