Start Beobachtungsberichte 2013 02.03.2013 - Sonne und Jupiter am stahlblauen Himmel

Nachdem vor ein paar Tagen die Meldung kam, dass der aktuelle Winter der Trübste seit 42 Jahren war – nur 96 Sonnenstunden von Anfang Dezember 2012 bis Ende Februar 2013 – schien heute tatsächlich mal wieder die Sonne. Ein strahlend blauer Himmel schon zum Frühstück, wie lang hatten wir das schon nicht mehr. In den letzten Wochen war dies wenn überhaupt eher in der Woche mal der Fall, das die Sonne sich zumindest mal für die ein oder andere Stunde am Firmament zeigte. Spätestens zur Nacht hin zog es dann aber meist wieder zu oder es wurde so neblig, das lediglich die hellsten Sterne am Himmel sichtbar waren.

Heute aber sollte endlich mal wieder die Beobachtung der Objekte des Himmels möglich sein. Somit schnappte ich mir meine vor kurzem erstandene 12“ Lightbridge und stellte sie zum ersten Mal auf meine EQ-Plattform, die ich im Frühjahr letzten Jahres von Hubertus erstanden hatte. Bei unserem letzten Treffen des Astrotreff-Deepsky-Forums im August letzten Jahres, konnte ich schon mal dem Seemichel seine 12 Zoll „Caroline“ auf die Plattform stellen, um zu schauen, ob die auch einen so grossen Dobson noch gut trägt. Dieser Test lief auch recht erfolgversprechend, sodass meinem Plan mir nach dem Verkauf meines viel zu schweren und zu unhandlichen 16“ Volltubus-Dobson und des 8“ Dobson ein „Zwischending“ in 12 Zoll zu kaufen, nichts mehr im Wege stehen sollte.

Zusätzlich zur Lightbridge für die Sonnenbeobachtung im Weißlicht, holte ich auch noch mein kleines Coronado PST Sonnenteleskop raus, um parallel auch ein paar H-alpha-Details zu erhaschen. Diese waren aber am heutigen Tage leider nicht sooo ausgeprägt, sodass ich mich mehr auf die Beobachtung der beiden größeren Sonnenfleckengruppen stürzte. Auch ein paar einzelne kleine Flecken waren zu erkennen.

Es war einfach phantastisch mal wieder einen Blick auf unser Zentralgestirn zu werfen und noch dazu ein paar wärmende Sonnenstrahlen zu tanken. Schnell hatte ich für die Beobachtung auch meinen heißgeliebten Maxbright-Binoansatz wieder an den Start gebracht, wodurch die Details in den Umbren und Penumbren der Flecken erwartungsgemäß noch deutlicher zu erkennen waren. Auch die Granulation und ein paar Flares waren zeitweise ganz gut zu erkennen. Leider konnte ich aber nicht sehr hoch vergrößern. Das Seeing war nicht so perfekt aber ich hatte noch dazu den Eindruck, dass mein neuer Sonnenfilter in der Form auch nicht gerade für die allerbeste Abbildung sorgte. Ich hatte nur ´nen DIN-A4-Bogen der Baader Sonnenfilterfolie rumliegen, sodass ich den Ausschnitt eben auch nur entsprechend dieser Größe basteln konnte. Geplant, und auf der Kunststoffplatte des Sonnenfilters auch bereits aufgezeichnet, ist aber irgendwann einmal die volle Öffnung des neuen Dobson zu nutzen. Muss mir halt noch eine entsprechend große Filterfolie besorgen. Aber so konnte ich wenigsten schon mal wieder im Weißlicht beobachten.

Ebenfalls für eine gute Abbildung nicht förderlich war der noch immer relativ tiefe Stand der Sonne – die Äste der Bäume vom „südlichen“ Hausnachbar sorgten immer wieder für zusätzliche Obstruktion. Dennoch genoss ich die Beobachtung mit 73-facher Vergrößerung im Bino mit den beiden 26er Plössl-Okularen und dem Siebert-Multimag-Glaswegkorrektor, den ich auf 1,25-fache Brennweitenverlängerung zusammengeschraubt hatte. Mit den beiden 15mm Hensoldt-Okularen (127-fache Vergrößerung) empfand ich die Abbildung aber schon nicht mehr als so dolle, sodass ich gleich wieder auf die beiden Plössl wechselte.



Die Nachführung mit der EQ-Plattform funktionierte recht gut, sodass ich den Entschluss faste trotz der nicht so dollen Abbildung bei höherer Vergrößerung mal die Webcam an den Start zu bringen. Früher habe ich Webcamaufnahmen immer mit meinem 8“ f/6 Newton meines GSO Dobsons gemacht, indem ich den Tubus für die Nachführung auf meine LXD-75 Montierung geschnallt habe. Nach dem Verkauf erhoffte ich mir, dass ich zukünftig solche Aufnahmen mit der Nachführung meiner EQ-Plattform machen könnte. Klar, für Langezeitbelichtungen von Deepskyobjekten läuft eine EQ-Plattform wohl nicht genau genug, aber für Webcamaufnahmen von Sonne (natürlich nur mit geeignetem Objektivsonnenfilter!), Mond und Planeten sollte die Genauigkeit schon ausreichend sein – hoffte ich jedenfalls.



Beide Fleckengruppen, die ich zuvor in aller Ruhe visuell erkundet hatte, wollte ich so versuche einzufangen. Die Nachführung klappte auch sehr gut, eigentlich sogar besser, als ich mir erhofft hatte. Zwar musste ich immer mal wieder den Geschwindigkeitsregler etwas nachjustieren, aber grundsätzlich lief das alles wesentlich reibungsloser, als ich mir erhofft hatte. Leider aber ließ die Abbildung auf dem Bildschirm meines Laptops doch sehr zu wünschen übrig. Der Fokus allein kann´s eigentlich nicht gewesen sein – denke ich jedenfalls. Es wird wohl doch stark an der Form des Filters, aber auch an den mittlerweile immer öfter durch´s Bild wandernden Ästen der Nachbarsbäume gelegen haben.

Fleckengruppe 1 am westlichen Sonnenrand:

Fleckengruppe 2 am östlichen Sonnenrand:

Da ich an einem Osthang wohne, wandert hier die Sonne leider immer schon recht früh aus meinem Gesichtsfeld in der Einfahrt, sodass ich gegen 15Uhr, schon mit dem Gedanken spielte, Teleskope und Zubehör wieder abzubauen. Dann kam mir aber der Gedanke den Gasriesen Jupiter mal wieder am Tage aufzusuchen. Dafür schnappte ich mir mein iPhone und schaute mittels der App „StarmapPro“, in welchem Himmelsareal ich mich auf die Suche machen muss. Normaler Weise nutze ich für das Aufsuchen von Planeten am Taghimmel immer einen optischen 8x50 Sucher. Da ich aber für meine Lightbridge noch keinen habe, habe ich es mit meinem 32er TS WA Übersichtsokular versucht – mein 31ger Nagler hatte ich nicht mit draußen und nur zum Aufsuchen von Jupiter wollte ich es nicht extra rausholen.

Nach ca. 5-10 Minuten suchens – der Fangspiegelschatten stört da am Tag doch ganz ordentlich bei der recht hohen AP – gelang es mir dann auch den Gasriesen zu finden. Mit 48-facher Vergrößerung ist er dann auch bereits gut als solcher zu erkennen. Ich war sogar etwas überrascht darüber, wie deutlich er sich bei dieser AP schon vom blauen Himmel abhob, wenngleich es nicht meine erste Tagbeobachtung von Jupiter war. Aber wie auch schon an der Sonne, war eine hohe Vergößerung nicht sinnvoll möglich. Dennoch zeigten sich drei Wolkenbänder, das NEB und das SEB auch mit einem leichten Ansatz von Struktur. Nach ein paar Minuten des Beobachtens baute ich dann erstmal ab.

In der Nacht:

Gegen 20Uhr habe ich dann das Teleskop sammt EQ-Plattform draußen in der Einfahrt wieder aufgebaut. Nach einer knappen Stunde lüfterunterstützten Auskühlens des Teleskops bin ich dann auch mit Laptop und Webcam wieder raus. Beim Sterntest mit kleiner Justagekorrektur musste ich dann feststellen, dass das Seeing wirklich grottig war. Die Luft floss recht schnell quer vor dem Polarstern her – von Beugungsringen keine Spur. Spasses halber schaltete ich den Lüfter an der Hauptspiegelzelle mal aus. Das atmosphärische Seeing war einen Augenblick später fast nicht mehr zu sehen, wohl aber recht deutliches Tubusseeing, welches rein visuell das atmosphärische Seeing überlagerte. Nach eingeschaltetem Lüfter war dann wieder nur noch die „fliessende Luft“ am Nachthimmel ausserhalb des Teleskops zu sehen.

Bevor Jupiter hinter dem östlichen Nachbarhaus verschwinden würde, wollte ich unbedingt nochmal mit der Webcam ran. Zum einen ist´s schon ewig her (knapp 11 Monate), als ich das letzte Mal einen Planeten mit der Webcam "eingefangen" habe, zum anderen juckte es mich einfach die EQ-Plattform diesbezüglich nochmal zu testen. An tiefe Deepskybeobachtung war in unserer Einfahrt so früh am Abend eh noch nicht zu denken, da zu der Zeit noch zu oft irgendein Licht von einem unserer Nachbarn herüberscheint. Nachdem ich soweit alles am Start hatte, machte ich eine Video mit der Einstellung 10 Bilder pro Sekunde – Länge der Aufzeichnung = 1.000 Einzelbilder.

Als ich danach nochmal den Fokus kontrollieren und die Einstellungen der Webcam ändern und wollte – u.a. hatte ich die Webcam noch im S/W-Modus laufen, die Einstellung, die ich am frühen Nachmittag noch für die Sonnenflecken verwendet hatte – verschwand Jupiter plötzlich vom Monitor meines Laptops. Völlig irritiert schaute ich – noch geblendet vom Laptopmonitor – an den nächtlichen Himmel. Es waren kaum noch Sterne da. Jupiter konnte ich zuerst garnicht mehr entdecken. Die von Norden kommende Wolkenfront war doch viel eher bei mir angekommen, als ich das ´ne Stunde zuvor nach dem Anschauen des Satellitenfilms noch vermutet hatte. So ein Mist …

Es wurde dann auch nicht mehr besser. Nur für sehr kurze Momente konnte Jupiter hier und da immer mal wieder kurz durch ein Wolkenloch zu mir herunterblinzeln. Aber selbst das stellte sich nach ca. einer halben Stunde komplett ein. Also, alles wieder abgebaut und im Anschluss noch die Filmchen des Tages bearbeitet.

Hier mein Jupiter vom 02.03.2013 - 21.25Uhr:

Nicht so prickelnd, aber bei Berücksichtigung des wirklich sehr schlechten Seeings bin ich doch überrascht, was man da am Ende aus 15% von 1.000 Einzelbildern mit Giotto noch rausholen kann, auch wenn die Planetenkugel nach der starken Bearbeitung ein klein wenig "deformiert" erscheint.

Auch wenn die Beobachtungsnacht doch wesentlich schneller vorbei war als geplant, so muss ich doch sagen, dass ich mit dem Tag an sich doch sehr zufrieden war. Vor allem die doch recht gut funktionierende EQ-Plattform hat mich sehr positiv gestimmt, sodass ich nun weiß, dass das Planetenfilmen damit in Zukunft gut funktionieren wird. Aber auch die visuelle Beobachtung – und genau genommen habe ich mich damit die meiste Zeit des Tages beschäftigt – hat viel Freude gemacht, auch wenn das Seeing keine spektakulären Beobachtungen zuließ. Nichts desto trotz waren auch mit geringer Vergrößerung, aber binokularer Beobachtung, auf unserem Zentralgestirn schöne Details zu entdecken – endlich mal wieder!