Start Beobachtungsberichte 2013 04.03.2013 - Wie man sich eine klare Nacht auch selbst versauen kann ...

Monatelang ging hier so gut wie nichts mit beobachten des Sternenhimmels und nun konnte ich innerhalb von drei Tagen tatsächlich zwei Mal rausgehen. Nachdem ich am vergangenen Samstag nur aus unserer Einfahrt heraus beobachtet habe, wollte ich am heutigen Montag mal wieder an meinen Hauptbeobachtungsplatz fahren, der gute 5km von meinem zu Hause entfernt ist. Ich weiß garnicht mehr, wann ich das letzte Mal dort war …

Um 19.55Uhr war das Auto bepackt und es konnte losgehen. Da ich auch meine EOS mit hatte, schoss ich erst mal ein paar Fotos vom bepackten „Astromobil“:


Rechts der Tubus meiner 12“ Lightbridge, links daneben die zugehörige Rockerbox, stehend auf meiner EQ-Plattform und ein paar Holzbrettchen, die ich zur waagerechten Ausrichtung der EQ-Plattform eingepackt hatte.



Durch die Tür hinterm Fahrersitz ergab sich dieser Anblick: Links mein Beobachtungsstuhl (Bügelhilfe), daneben mein kleines Klapptischchen, das schwarze Köfferchen beinhaltet meinen Binoansatz plus Zubehör, der obere silberne Koffer ist mein Okularkoffer, der untere beherbergt Teile meiner Stromversorgung und Fotokrams.



Da ich keinen Beifahrer dabei hatte, konnte auch der Platz genutzt werden: Auf dem Sitz mein Laptop (zum Planetenfilmen), meine Canon EOS1000D Spiegelreflexkamera, mein 31ger Nagler (passt nicht in den Okukoffer – da muss unbedingt mal ein Neuer her) und mein Rucksack bepackt mit Kaffee, Thermostasse, Schoki, Handschuhen und Mütze. Vor dem Sitz stehen meine Aldi-Canadian-Boots, mein neu erstandenes gebrauchtes Tasco 7x50 Fernglas und dazwischen (nicht richtig zu erkennen), meine mobile 12V-Spannungsversorgung. Und mein Eiskratzer für´s Auto liegt da auch noch im Fußraum.


Nach kurzer Fahrt war ich dann auch schnell an meinem Beobachtungsplatz angekommen. Leider nicht genau dort. Ein dicker von Traktorspuren zerfurchter Eispanzer erlaubte es mir leider nicht bis an die mir vertraute Stelle zu fahren. Ich hatte doch etwas Schiss, dass ich mit dem PKW dort irgendwo aufsetzen könnte und stoppte mein Fahrzeug ca. 300m vor meinem eigentlichen Ziel und packte mein Equipment aus.

Die EQ-Plattform war schnell aufgebaut und grob eingenordet, der Dobson noch schneller darauf platziert und die Lüftung mit Strom versorgt. Die Grenzgröße lag bei guten 6mag in UMi und der Himmel sah wirklich toll aus – das dünne Band der Wintermilchstrasse zog sich recht gut sichtbar durch die Sternbilder im Norden über die im Westen bis hin zum Süden. Zu Beginn meines Beobachtungsabends wollte ich erst gern noch ein paar Filme mit der Webcam von Jupiter machen. Also wurden auch das Laptop und die Webcam schnell an den Start gebracht und um 21Uhr konnte ich die erste AVI von dem Gasriesen erstellen.


(das Foto entstand gegen 23.45Uhr, kurz bevor ich wieder abgebaut habe)

Und damit fing dann auch der große Frust an und im Nachhinein verstehe ich garnicht so richtig, warum ich mich da so reingesteigert habe, unbedingt Jupi zu filmen. Die Bedingungen waren nämlich nicht gerade ideal dafür. Zwar war das Seeing garnicht so schlecht, aber es ging ständig ein böiger Wind, der das Teleskop während der Aufnahmen immer wieder dolle durchschüttelte. Teilweise waren die Böen so stark, dass Jupiter immer wieder aus dem Blickfeld der Webcam „geschüttelt“ wurde. Ich habe mich darüber doch recht stark aufgeregt und so einige Male laut „So ´ne Sch..ße“ und ähnliches über den Acker gebrüllt. Der böige Wind nervte extrem.

13 AVI´s habe ich zwischen 21.00 und 22.50Uhr aufgenommen. Die Voreinstellung der Aufnahmesoftware Giotto hatte ich auf 10 Bilder pro Sekunde über eine Aufnahmelänge von 1.000 Einzelbildern (=100 Sekunden) eingestellt,  aber über die Hälfte der Aufnahmen musste ich schon vor dem Ende der eingestellten Aufnahmedauer aufgrund des Windes abbrechen.

Die Ergebnisse nach der Bildbearbeitung waren entsprechend und so zeige ich hier nur das beste Summenbild, das ich aus der AVI Nummer 11 (ca. 22.15Uhr) herausarbeiten konnte.




Spasseshalber habe ich aus 6 Summenbildern noch eine Animation gebastelt, die die Rotation von Jupiter zwischen 21.19Uhr und 22.48Uhr zeig und damit eine Zeitspanne von 89 Minuten abdeckt (Vorwärts-Rückwärts-…).



Links neben Jupiter ist dabei sein Mond Io zu sehen. Da die AVI´s der einzelnen Summenbilder nicht in gleichmäßigen Abständen entstanden (ich hatte die Animation auch eigentlich nicht geplant), ruckelt die Wiedergabe ein wenig. Damit das Ruckeln nicht so stark auffällt, habe ich die Geschwindigkeit des Ablaufs so hoch eingestellt. Und da die Qualität der einzelnen Summenbilder nicht so gut war, habe ich das Ergebnis noch etwas verkleinert. Ist zwar so auch nett anzuschauen, an meine Rotationsanimation vom Oktober 2011 kommt diese Animation aber schon allein aufgrund der unterschiedlichen zeitlichen Abstände, die zwischen den AVI´s lagen nicht heran.

Nachdem ich es dann gegen 22.50Uhr endlich aufgegeben hatte, weitere AVI´s aufzunehmen – der Frust war wirklich extrem – wurden Laptop und Webcam weggepackt und ich begann damit ein paar Deepskyobjekte noch visuell zu erspechteln. Aufgrund des Windes blieb ich aber meist bei 49-facher Übersichtsvergrößerung. Und selbst bei dieser geringen Vergrößerung waren die Böen doch recht störend. Nichts desto trotz merkte ich beim Beobachten aber, wie sich so langsam eine beruhigende Entspannung in mir breit machte und ich ärgerte mich noch kurz darüber, dass ich so viel Zeit für die Planetenfilmerei verplempert hatte.

Energie für ausgefallene Beobachtungsziele hatte ich aber nicht mehr. Somit blieb ich bei den Standardkerzen M42, der mittlerweile auch schon wieder relativ niedrig überm Westhorizont stand, M45, M51, M81/82, das Leo-Triplet, h&chi (immer wieder schön) und zum Schluss noch der Kugelsternhaufen M3, den ich dann auch nochmal kurz mit meinem 5-8mm Speers Waler Zoom auf´s Korn nahm – nicht sehr gewinnbringend, wegen Wind, wie schon erwähnt.



Kurz vor Mitternacht habe ich dann mein Equipment wieder abgebaut und ins Auto verfrachtet. Vor der anschließenden Heimfahrt habe ich dann aber noch eine Fernglasrunde mit meinem Fernglasneuzugang eingelegt – ein Tasco 7x50, das ich für knapp 20,-€uronen bei ebay erstanden habe. Dieses Glas löst nun mein Revue 7x50 ab, welches am Tag ein deutlich flaueres Bild gezeigt hat, als das Tasco. Beobachtet habe ich damit noch den Orionnebel M42, den Doppelsternhaufen h&chi im Perseus – schön zusammen im Gesichtsfeld mit dem benachbarten Muskelmännchen, die drei offenen Fuhrmann-Sternhaufen M36/37/38, die Plejaden M45 und auch Praesepe M44 im Krebs. Die Galaxien M101 und M81/82 in der Großen Bärin, M51 in den Jagdhunden und auch die beiden helleren Kandidaten des Leo-Triplets konnte ich im Fernglas erhaschen.

Während einer Abschlusszigarette und dem letzten Schluck wärmenden Kaffees konnte ich Richtung Osten dann noch einen schön hellen Meteor entdecken – ein sehr netter Abschluss eines eher durchwachsenen Abends auf dem dunklen Acker. Gegen 0.15Uhr machte ich mich dann auf den Heimweg.

Der visuelle Abschluss, erst mit dem Dobson, dann noch mit dem Fernglas, konnte mich nach dem extrem nervigen Versuch eine schöne Jupiter-AVI aufzuzeichnen, wieder einigermaßen besänftigen. Mitgenommen habe ich aber für mich, dass man sich nicht auf etwas versteifen sollte, wenn es die Bedingungen einfach nicht zulassen wollen. Das war echt verschwendete Zeit. Denn unter Windstille wären sicher bessere Jupiter-Filme bei rumgekommen und es wäre im gesamten sicher auch entspannter abgegangen. Und genau darum geht es doch eigentlich – sich von den Schönheiten des Sternenhimmels verzaubern zu lassen und dabei aus dem Staunen nicht mehr rauszukommen …