Start Beobachtungsberichte 2011 15./16.10.2011 - Ein Planet in Bewegung-mein erste Jupiterrotationsanimation

Letzte Nacht war ich von ca. 22.30Uhr bis 3.15Uhr draußen in unserer Einfahrt, um mal wieder den Jupiter auf den Chip meiner Webcam zu bannen - mein erster Versuch in der aktuellen Jupisaison. Schon länger hatte ich mal vor eine Animation zu erstellen, in der die reltiv schnelle Drehbewegung des Planeten zu sehen ist. Find ich immer wieder ganz hübsch anzuschauen. Nun wollte ich endlich mal selbst solch eine "Zeitrafferaufnahme" erstellen.

Zu beobachten gab es gestern am frühen Abend bereits einen Io-Transit, den ich aber ausließ, da mir der Gasriese zu dieser Zeit einfach noch zu tief am Himmel stand. Somit beschloss ich den darauf folgenden Transit des "Großen roten Flecks" einzufangen. Da ich aber erst so spät raus bin, habe ich den Anfang natürlich verpasst. Aber egal, schnell die LXD-75 aufgebaut, den 8"er Tubus meines GSO-Dobson mit frisch umgebautem Lüfter aufgesattelt und per Laser und am Stern justiert, Netbook mit WcCtrl und Giotto an den Start gebracht und die Philips SPC900NC Webcam mit der TS 2-fach Barlow im OAZ des Newton plaziert.



Der Schattenwurf auf dem Foto kommt nicht etwa durch die Straßenlaterne vor meiner Einfahrt. Nein, die hatte ich natürlich wieder ausgeknipst. Der Mond war´s, der so hell vom Himmel schien.

Ich beschloss für meine geplante Animation alle 5 Minuten ein Filmchen mit 1000 Einzelbildern bei einer Bildrate von 10 Einzelbildern pro Sekunde zu drehen. Jedes Filmchen ist somit 100 Sekunden lang. Dabei kamen dann letztendlich 20 Filme zusammen, die im Zeitraum von 23.53Uhr bis 1.33Uhr entstanden.

Hier ein bearbeitetes Summenbild vom zweiten Film:


Nach ein paar Aufnahmen stellte ich auf dem Monitor meines Netbooks fest, dass das Seeing schlechter wurde und auch die Tranparenz etwas nachließ. Das wirkte sich natürlich auch auf die entsprechenden Filmchen aus, sodass bereits zu dem Zeitpunkt zu erwarten war, dass es keine sehr schöne, flüssige Animation werden würde. Aber egal, es war ja auch mein erster Versuch, also wurde weitergemacht. Auch den Fokus mußte ich übrigends zwischendurch mal leicht korrigieren.

Während der weiteren Aufnahmen hatte ich immer mal Zeit mir von drin einen Kaffee zu holen, oder auch obiges Foto mit meiner EOS zu schießen. Sehr schön anzuschauen war auch der Mond, wenngleich ich ihn ja sonst als Deepskyliebhaber nicht so unbedingt mag. Folgendes Foto unseres Erdtrabanten entstand während des Zeitraums, als die Transparenz zwischendurch mal schlechter wurde. Es hatte sich ein schönes Halo gebildet, welches visuell aussah, als ob zwei Ringe um den Mond geschlungen seien. Anhand zwei verschiedener Belichtungen habe ich versucht, das einigermaßen realistisch einzufangen, was aber aufgrund der fehlenden Dynamik einer Kamera natürlich nicht so richtig gelingen will.


(EOS1000D, 300mm TAIR-3-PhS, ISO200, 1/200s + 1s)

Aber wieder zurück zum Jupiter. Das Seeing wurde wieder etwas besser und ich beschloss nach 20 Filmen meine Serie für die geplante Animation zu beenden. Der GRF war auch schon am östlichen Rand der Planetenkugel angekommen.

Nach viel Bastelarbeit entstand dann heute im Laufe des Tages diese kleine Animation aus den 20 Filmen.


Jupiter 15./16.10.2011 23.53Uhr-01.33Uhr



Zwischendrin ist deutlich die Verschlechterung des Himmels und auch des Fokus zu erkennen. Ich habe mit Giotto alle 20 dafür verwendeten Summenbilder mit gleichen Einstellungen gemittelt (Verwendung 15%) und auch die Schärfung in Giotto mit identischen Einstellungen vorgenommen.

Während ich die Filme in der Nacht erstellt habe, kam mir der Gedanke, dass ich per Okularprojektion ja eine noch größere Aufnahmebrennweite hätte erzielen können. Nun war ich aber schon mittendrin und beschloss nach der Serie für die Animation noch eine Aufnahme mit meinem 9mm TS-SWM Okular zu versuchen. Das Seeing war nicht ganz so gut wie zu Beginn der Aufnahmen um Mitternacht, dennoch ist folgendes Ergebnis nach der Bearbeitung dabei herausgekommen:



Ich beschloss dann noch etwas visuell zu beobachten und holte dafür meinen Binoansatz raus. Jupiter machte nicht ganz so viel Freude, den hatte ich aber in den vergangenen 2 Stunden auch genug auf der Netzhaut, wenngleich auch nur auf dem Monitor des Netbooks. Beim anschließenden Betrachten des Monds hingegen fiel mir dann doch fast die Kinnlade herunter. Binokular war der Anblick mal wieder so, als ob man da gerade aus dem Bullauge eines Raumschiffs schaut, dass gerade über die Mondoberfläche düst. Irre plastisch die Plateaus und Kraterlandschaften. Vor allem im Bereich des Terminators war der Anblick unglaublich geiel! Aber auch in den kontrastärmeren Regionen waren schöne Details zu erkennen. Ein Genuß, nicht zuletzt wegen der Nachführung durch meine parallaktische Montierung. Es wird doch Zeit, dass ich mich mal um den Bau einer EQ-Plattform bemühe.

Hier noch der Ausschnitt aus einem Foto, dass ich mit der EOS und angeschraubtem TAIR-3-PhS 300mm-Objektiv noch während der Webcamaufnahmen geschossen habe.



Mit der binokularen Mondbeobachtung beschloss ich dann gegen 3.15Uhr meine Webcam- und Beobachtungsnacht, baute meinen Kram wieder ab und freute mich auf mein Bettchen, wo mir meine Frau bereitwillig ihre kuscheligwarme Decke zum Aufwärmen anbot, was ich dankend annahm.