Start Beobachtungsberichte 2011 02.10.2011 - Abnehmender Mond im Sternbild Cassiopeia mit 16"

Hauseinfahrt Korbach-Lengefeld
Grenzgröße ca. 6mag
Seeing: grottig

Am Superduperschönwetterwochenende Anfang Oktober konnte ich meinem Hobby nicht so sehr hingeben, wie es der Himmel gefordert hätte. Aber was will man machen, wenn´s Frauchen verdienter Weise von Freitag bis Montag zum Wellnessen mit ihren Freundinnen unterwegs ist und wir drei Kids daheim haben, von denen zwei nachts nicht allein schlafen?

Aber in der Nacht von Sonntag auf Montag - voller Vorfreude, dass mein Schatz bald wieder daheim ist - wollte ich es dennoch mal angehen, wenngleich auch nur aus unserer Einfahrt heraus, da ich ja "angebunden" war. Meine große 12-jährige Tochter hatte mir angeboten, dass sie sich die eine Nacht zu den beiden Kleinen ins Bett legen würde und ich dann am nächsten Morgen auch mal ausschlafen könnte. Toller Vorschlag von meiner "Großen" und auf meine Frage hin, ob ihr das wirklich nichts ausmachen würde, ich ihr Angebot wirklich annehmen dürfte und sie letzteres bejahte, klingelte ich am Abend bei meinem Nachbarn um ihn zu fragen, ob er mir eben helfen könnte, mein 16"-Ungetüm rauszuschaffen. Nachdem das erledigt war und das Teleskop noch zwei Stunden Zeit zum auskühlen hatte, begann ich gegen 22Uhr mit meinem Astroprogramm.

Dieses war nicht gerade vollbepackt, aber ich wollte gern noch ein- zwei Fotoserien vom Deepsky schießen, aber eben auch mit dem 16"er mal wieder durchs All fliegen.



Wie man sieht, sieht man visuell erstmal nicht viel, solange die Nachbarn meinen, dass sie noch meinen Hof erleuchten müssen. Mmmhhh, na gut, also erstmal auf´s Fotografieren konzentriert und den Fotonewton nach Aufbau und Justage auf den offenen Sternhaufen M52 nebst "benachbarten" Bubblenebel NGC7635 gehalten.

Während die Belichtungsserie vor sich hinlief, steuerte ich mehr oder weniger motiviert mit meinem großen Dobson die Highlights des Sommerhimmels an: Der Cirrus wurde abgeschossen, `nen Blick auf NGC7000 riskiert, M31 abgefahren, h&chi mal "Hallo" gesagt. Aber irgendwie wollte keine richtige Stimmung aufkommen. Zum einen das nervige Licht der Nachbarn. Mal aus, so das ich dachte bei denen is nu Feierabend, dann doch wieder an und alles natürlich ohne Vorwarnung, wie auch sonst. Dunkeladaption blieb erstmal ein Fremdwort für mich. Aus der Einfahrt heraus zu beobachten ist eben doch nur ´ne Kompromisslösung, vom eingeschränkten Himmelsareal duch Gebäude und Bäume mal ganz abgesehen.



Hinzu kam, dass mein anderer Nachbar, bzw. dessen Sohn Besuch hatte, die zusammen erstmal noch Starwars am gucken waren - lautstark und natürlich nicht ohne Licht. Nach vieleicht ca. einer Stunde kamen die Jungs mit Papa und 8" f/6 Skywatcher Dobson dann auch in die Einfahrt und man zeigte den Besucherkids ein paar Perlen der Nacht, was auch teilweise begeistert honoriert wurde. Nichts desto trotz nervten mich die Kids aber dennoch, da sie auch viel Blödsinn laberten und nicht so wirklich interessiert schienen.

Vieleicht kam es mir aber auch nur extrem vor, da ich mit noch einem anderen "Leiden" zu kämpfen hatte: Sehnsucht nach meiner Frau! Jau, kein Blödsinn, ich habe sie wirklich ganz dolle vermisst ...

Meine erste Fotoserie schloss ich dann nach einer Weile ab und was vom Bubble darauf zu sehen ist, seht ihr hier:

M52 und NGC7635

(6" f/5, EOS1000D, ISO800, 53x 90 Sek., ohne Guiding)


Schon ganz nett, wie ich finde, aber die Sternabbildung meines Newtons ist mal wieder grottig. Ich weiß einfach nicht, was er hat, der Kleine. Nicht das die schonmal perfekt gewesen wäre, aber mitlerweile, wo ich ja nun auch seit dem Frühjahr einen Komakorrektor einsetze, bin ich nicht mehr zufrieden. Ich bräuchte einen neuen OAZ, der olle Plastik-OAZ schiftet doch ganz ordentlich, die Fangspiegeljustage ging schon immer nicht so fluffig, an und die mords Fangspiegelspinne, die zusammen mit dem Tubusöffnungsring im wahrsten Sinne des Wortes aus einem Guß ist, nervt mich auch immer mehr. Hab das Teil halt damals gebraucht gekauft, als ich noch keine Ahnung hatte. Nun mit gewachsener Erfahrung und weiter steigenden Ansprüchen (neee, guiden will ich noch immer nicht!) muß ich wohl erkennen, das mein Fototeleskop eher zu den schrottigen dieser Gattung gehört. Was soll ich tuen? Dran rumverbessern und dafür noch Geld reinstecken? Aber was, wenn es bei den grottigen Sternabbildungen doch vor allem an den Spiegeln liegt? Mmmmm ... vieleicht doch lieber ´n anderen 6"er kaufen. Aber mal schauen. Erstmal gibt´s kein neues Scope. Ich brauch erstmal ´n paar gescheite Winterstiefel.

Da ich schon einmal mit dem Newton in der Cassiopeia stand, wollte ich mal noch ein anderes, dort beheimatetes Objekt versuchen - NGC281, der Pacmannebel. Während die Fotoserie lief, richtete ich auch meinen 16"er darauf. Im 31ger Nagler, gepaart mit meinem Baader O-III Filter war die Form auch tatsächlich zu erkennen. Gar nicht mal soooo schwer, wie ich anfangs dachte. Bisher war ich nur mal mit dem 8"er dort und da konnte ich die charakteristische Form nicht sicher ausmachen.

NGC281 - Pacmannebel

(6" f/5, EOS1000D, ISO1600, 11x 120 Sek., ohne Guiding)


Zu wenig Einzelaufnahmen, aber ich hatte noch vor die Plejaden mal noch halbwegs vernünftig abzulichten. Bisher hatte ich von den "Sieben Schwestern" nämlich nur eine Aufnahme, die ich mit der EOS an meinem 120/600 Richie mal zum Spass geschossen hatte. Sieht ja auch witzig aus mit den blauen Höfen, aber real ist das nunmal nicht und ein echter Beweis dafür, dass ein solches Teleskop für diesen Einsatz einfach nicht zu gebrauchen ist.

Während diese Aufnahmeserie wieder vor sich hinbelichtete, bin ich dann mit recht guter Dunkeladaption nochmal mit dem 16"er auf den Bubblenebel geflogen. Zuerst natürlich M52 angepeilt - auch sehr schön mit 16" - und dann eine kurze Sternkette entlang zum Bubble gehangelt. Schon ohne Filter war ein Stern deutlich aufgeblähter, was nicht am grottigen Seeing lag, sondern an dem Nebelfeld des Bubblenebels. Dann also mal den O-III Filter wieder rein und jau ... da geht doch was. Mit der Vergrößerung bin ich mit dem 5-8er Speers bis auf knapp 230fach rauf, was den besten Gewinn brachte. Die Sichel des Bubblenebels erschien ganz schwach wie der abnehmende Mond. Was es da vom Bubble zu sehen gab, zeigt folgende Zeichnung, die ich allerdings nicht "live" am Teleskop, sondern erst am Tag darauf aus dem Gedächtnis heraus erstellt habe.

NGC7635 - Bubblenebel visuell mit 16"


Um die Sternpositionen so hinzubekommen, habe ich mir ein Foto vom Bubble mit Umgebung auf den Bildschirm meines Laptops geholt und die hellsten Sterne dann abgezeichnet. Die Form des Nebels und die Ausdehnung hatte ich noch recht gut im Kopf, sodass ich für mich sagen kann, dass die Zeichnung zu ca. 90-95% authentisch ist. Eigentlich mag ich nachträglich gemachte Zeichnungen nicht, aber da ich in der Nacht nicht ausreichend motiviert war, ich mich aber tags darauf mal wieder darüber geärgter habe, zumal ich doch recht lang den Bubble beobachtet habe und mir das "Bild" davon noch ziemlich präsent im Kopf war, wollte ich dann doch mal gegen meine Prinzipien verstossen und habe am Tag danach den Bleistift gespitzt.

M45 war dann auch irgendwann genug belichtet und so packte ich gegen 3Uhr so langsam und allmählich meinen Kram zusammen.

M45 - Plejaden

(6" f/5, EOS1000D, ISO800, 22x 90 Sek., ohne Guiding)


Dabei machte ich dann noch den großen Fehler, den großen Dobson wieder alleine reinzutragen. Dabei knallte ich mir den Tubus so blöd an den Kopp, dass mein Brillengestell etwas verbog und ich kurz Sterne sah, die eigentlich nicht da waren, wenn ihr versteht ... Und da das allein natürlich noch nicht genug war, dankte mir mein Rücken die Aktion an den beiden Folgetagen auch noch ... Ich hätte es besser wissen müssen!