Start Beobachtungsberichte 2011 28.09.2011 - Ich wollte doch nur mal kurz ...

... ´nen Blick auf den Jupiter riskieren, als ich in der Nacht des 28. Septembers gegen 23.30Uhr meinen 8"er Dobson in die Einfahrt gestellt habe, und ...?

Nu bin ich müde, da ich erst um 2.30Uhr wieder rein bin und heute morgen um 6Uhr wieder aufstehen mußte um zur Arbeit zu fahren.

Der Himmel war gestern Abend zwar wolkenfrei, aber doch recht diesig. Da das für die Planetenobservation aber oftmals eher von Vorteil ist (gern besseres Seeing, wie ich schon oft feststellen konnte), hab ich gegen 23.30Uhr den Dobson in die Einfahrt gestellt, mich dann rasch umgezogen, meine Oku- und Binoansatzkoffer und den Beostuhl rausgetragen, den Dobs justiert und mich dann darüber gewundert, dass der Himmel deutlich besser geworden war. Also beschloss ich dem Spiegel für hohe Vergrößerungen noch etwas Zeit zum aklimatisieren zu geben und erstmal mit dem 31ger Nagler ein paar Objekte anzufahren.

Gesagt getan ging´s erstmal mit unserem galaktischen Nachbarn, der Andromedagalaxie M31 los. Zwei Staubbänder konnte ich nach kurzem Blick bereits erhaschen und auch das Sternentstehungsgebiet NGC206 ließ sich nicht lange bitten. Dies bewies mir dann auch, das der Himmel wirklich nicht so schlecht sein konnte. Die Grenzgrößenschätzung belief sich dann auch auf knapp 6mag, was für meine Einfahrtsbedingungen schon ganz ordentlich ist. Das zweite Staubband (vom Kern der Galaxie aus gesehen) konnte ich bis fast an NGC206 herangehend verfolgen und dahinter dann sogar mit Aufspaltung weiterlaufend. Irre, so detailiert war mir das bisher noch nie aufgefallen. Ein wunderschöner Anblick. Mein Hirn stellte schnell Vergleiche mit "abgespeicherten" Fotos an. Eine wirklich toller Anfang für die eigentlich nur kurz geplante Beobachtungssession.

Weiter ging es zum Nachbar von M31, der Dreiecksgalaxie M33. Spiralarme konnte ich jetzt direkt nicht ausmachen, aber eine interessante Entdeckung war trotzdem drin. Die H-alpha Region NGC604 konnte ich ja schon ohne O-III-Filter deutlich erkennen. Aber mit O-III-Filter scheint die ganze Galaxie leicht zu glimmen. Das sah schon sehr interessant aus und hatte ich so nicht erwartet.

Danach schwenkte ich auf h&chi im Perseus, die auch wiedermal sehr schön daherkamen. Der Himmel war so schön dunkel, dass mir gleich wieder in den Sinn kam, was ich gern über eine h&chi-Beobachtung bei gutem Himmel erzähle: Wie ´ne Ladung glitzernder Diamanten auf schwarzem Samt. Wunderschön ...

O.k., was kann ich spontan denn noch mit dem 31ger Nagler einfangen? Klar, O-III-Filter rein und ab in den Schwan. Der Nordamerikanebel NGC7000 passt mit diesem Okular nun schon fast ins Gesichtsfeld am 8" f/6 Dobson. Lediglich "Kanada" war nicht mehr in voller Größe zu sehen. Der Nebel an sich zeigte schöne Verdickungen, vor allem im südlichen Mexico-Zipfel. Aber auch im nördlicheren Teil gab es schöne Helligkeitsschwankungen zu beobachten.

Dann gings ein kleines Stück abwärts zum Cirruskomplex. Den Einstieg mache ich immer bei dem hellen Stern, der immer versucht den Sturmvogel NGC6960 zu überstrahlen. Mit dem Baader O-III-Filter am Okular hat der Stern aber keine Chance und der Sturmvogel zeigt sich in voller Pracht. Sehr scharf begrenzt der nödliche "Schnabel", unterhalb des Stern eine schöne, weitreichende Auffächerung des Schwanzes - lecker! Bei meinem anschließenden Schwenk zum hellsten Teil des Supernovaüberrests, der Knochenhand, bremse ich nun doch bei Pickering´s Triangular Wisp NGC6979 aprupt ab. Wie geil kommt das denn? In dem Bereich ist der Nebel völlig zerfasert und recht gut zu sehen. Nicht so hell wie die beiden bekannteren Teile des Cirrusnebels, aber doch so auffällig, dass ich mir das in Ruhe anschauen muß. Das ist ja echt der Wahnsinn, wie faserig das heut rüberkommt. Bisher hatte ich da immer ein bischen Probleme Details zu erhaschen. Letzte Nacht war es mir nicht möglich die ganzen Details aufzunehmen. Echt irre der Anblick. Dann aber doch noch weiter zur Knochenhand, die natürlich wieder grandios daherkam mit ihren vielen Strukturen. Wieder mal ist für mich klar, dass das mein Lieblingssommerobjekt ist und bleibt!

Und nu? Mmmmhhhh ... Ich hatte doch noch am Abend den Beobericht von Benny gelesen, wo er mich mal wieder auf die Hidden Galaxy IC342 in der Giraffe brachte, von der mir Jan im letzten Jahr mal erzählt hatte. Die hatte ich bisher noch nie aufgesucht. Also meinen TriAtlas hervorgekramt. Im A-Set ist er nicht verzeichnet, wohl aber im ebenfalls ausgedruckten B/C-Set. Die Giraffe? Mmmhhhh, erstmal finden. Aber so schwer war es dann nicht. Die "versteckte Galaxie" dann aber sicher dingfest zu machen um so schwerer, da ich ja unvorbereitet war. Letztenendes reichte die Karte aus dem TriAtlas mit den darin verzeichneten Sternen aber aus, um die Galaxie als gesichert abhaken zu können. Vom Erscheinungsbild her ähnelt sie eher einem schwachen offenen Sternhaufen, der im Zentrum etwas nebelartig daherkommt. Daher war ich mir auch erst nicht so sicher, ob ich IC342 gefunden hatte. Aber wie gesagt, der TriAtlas half dann doch noch. Ist schon etwas tricky, diese "Hidden Galaxy", aber doch seeeehr interessant.

Dann fiel mir noch der Bubblenebel NGC7635 in der Nachbarschaft des Sternhaufens M52 ein. Ich kann mich dran erinnern, dass mir Benny den beim ATB 2009 mal in meinem 16"er zeigen wollte, ich ihn damals aber irgendwie nicht erkannt habe. Erinnere ich mich da richtig, Herr Hartmann? Mmmmhhhh ... Seit dem habe ich den nicht mehr versucht und aufgrund meiner Erinnerung waren meine Erfolgshoffnungen auch recht gering. Aber ich staunte dann doch nicht schlecht, als ich mit dem Baader O-III an etwa der richtigen Stelle (lt. TriAtlas - wie gesagt, ichw ar nicht vorbereitet) im 31ger Nagler ein kleines Fleckchen erkennen konnte. Im 14er Speers war es dann zwar deutlich schwächer, kaum noch zu erkennen, aber deutlich länglich. Ich prägte mir die Sternkonstellation und den Starhop dorthin, ausgehend von M52 (übrigends auch schön anzusehen!) gut ein und verglich heute morgen mit einem Foto - Bingo! Was ich gesehen hatte war der helle teil des Bubblenebels, also die Sichel, die man von den Fotos kennt. Nur als Sichel hab ich das natürlich nicht erkennen können, aber wie gesagt, schon deutlich länglich. Auch sehr interessant. Da muss ich unbedingt mit dem 16"er mal draufhalten.

Dann gings los mit meinem eigentlichen Ziel der Beobachtungsnacht - Jupiter. Hoffentlich spielt das Seeing mit. Optimistisch wie ich war, ging ich gleich mit 162facher Vergößerung ans Werk. Die bekomme ich mit meinem Maxbright Binoansatz, dem Siebert Multimag-Glaswegkorrektor (eingestellt auf 3,5fache Brennweitenverlängerung) und den 26er Plössl Okularen. Der Anblick ließ mir die Kinnlade runterklappen ... WAHNSINN, was ´ne Menge an Details da zu sehen waren. Das sseing war gut bis teilweise sehr gut! Also gleich mal die 15er Hensoldts rein, zumal die Plössls etwas angetaut waren (ich hatte die schon gleich zu Beginn meiner Beobachtungszeremonie rausgelegt, ich Depp). Die brachten natürlich noch mehr Vergrößerung (280fach), aber zu dem Zeitpunkt leider nicht mehr Details. Die Plössls hatte ich zum "abtauen" in unser Treppenhaus gelegt und sie dann nach ´ner Viertelstunde wieder hervorgeholt. Also kamen die dann wieder rein und ich beobachtete weiter. Ich konnte mich an den Details garnicht mehr sattsehen. Irre geiel! Keine Ahnung, wie oft ich den Gasriesen mit den drei sichbaren Monden durchs Gesichtsfeld laufen ließ. Aber ich fing schon bewußt mit dem einen westlich vom Gasriesen stehenden Mond an. Die Monde waren mir im Newton bisher noch nie so gut als flächige Objekte erschienen, was zum einen an dem meist mittelmäßigen Seeing liegt, aber bestimmt auch was mit der Obstruktion und der Fangspiegelspinne an sich zu tuen hat. In Hubertus 6" f/15 Halb-APO jedenfalls sind die Monde eigentlich immer auch schon bei mittelmäßigem Seeing schön flächig zu sehen. Nun zeigte mir m,ein 8"er, dass das, was ich an dem langen Refraktor so liebe mit einem Newton auch geht. Schön auch die Helligkeitsunterschiede der Monde. Struktur auf ihnen konnte ich aber wahrlich nicht erkennen.

Jupiter selbst war der absolute Hammer. Unzählig viele Wolkenwirbelchen waren zu beobachten. Im NEB zwei deutlich dunkelrotbraune Wirbel, das SEB durch eine Wolkenschleppe deutlich geteilt. Mittendrin der "Große rote Fleck", den man momentan eigentlich eher in "Großen gelblich-beigefarbenen Fleck" umtaufen müßte. Bei nicht so gutem Seeing fällt er ja dem ungeübten Auge momentan wohl kaum auf, so wenig Kontrast bietet er zu seinem Umfeld. bei den Bedingungen der letzten Nacht aber fiel er sofort uns Auge. Durch eine schmale, dunklere Umrandung war er dann auch wirklich recht gut zu erkennen. Und dieser Farbton - irre! Mann oh mann, ich brauch unbedingt noch ´nen 1,25" variablen Polfilter, da der Jupi bei der Vergrößerung noch immer ganz schön hell ist. Aber wie gesagt, vor Oberflächendetails konnte ich mich kaum retten.

Dann noch ein Schwenk zu Uranus, der zwar auch deutlich als solcher zu erkennen war, aber eben aufgrund seiner großen Entfernung dann doch recht langweilig erscheint. Die fade grünliche Farbe war zu erkennen, mehr aber auch nicht. Von den Monden keine Spur, was mich mit 8" aber auch nicht wirklich wundert.

Zum Abschluß gab ich mir dann nochmal die Plejaden M45 mit dem 31ger Nagler. Die Reflexionsnebel habe ich bisher noch nie so deutlich gesehen. Ich war mir auch erst nicht sicher, ob es eventl. doch eher nur Tau war, der vieleicht Halos um die hellen Sterne erzeugte. Aber an manchen Stellen war etwas Struktur zu sehen und die von den Fotos bekannten, längeren Ausläufer waren im Ansatz auch da. Ich meine sogar, dass die Nebelchen etwas bläulich daherkamen, bin mir da aber nicht wirklich sicher. Auch hier kann ich nur wieder sagen: Ein sehr schöner Anblick, wenngleich ich es mit offenen Sternhaufen eigentlich nicht so habe.