Start Beobachtungsberichte 2011 03.09.2011 - 2 Supernovae, 1 Komet und viele Nebel

In der Nacht vom 03. auf den 04. September war ich mal wieder Hubertus in seiner tollen Sternwarte besuchen. Da ich mir noch fest vorgenommen hatte auch mal wieder Fotos zu machen, brach ich gegen 9Uhr bepackt mit meiner LXD-75, dem 6" f/5 Newton, meiner EOS und dem Zubehör auf, in der Hoffnung die aktuelle Supernova SN2011fe in der Feuerradgalaxie und den Kometen C/2009 P1 Garradd abzulichten, der zusammen mit dem Kleiderbügelhaufen Cr399 sicher ein tolles Motiv abgeben würde.

Nachdem die Monti aufgebaut und eingenordet und der Newton sammt Kamera und Zeitsteuerung einsatzbereit war, führte mir Hubertus mit seinem tollen 6" f/15 Halb-APO am Mond erstmal seinen beim ATT erstandenen "Korrektor gegen athmosphärische Dispersion" vor. Was das Teil machen soll sagt ja die Beschreibung bereits - entfernen oder minimieren des athmosphärisch hervorgerufenen Farbsaumes an Mond und Planeten bei niedriger Deklination. Der Vergleich mit und ohne diesen Korrektor war verblüffend gut. Der rote Farbsaum an der Südhalbkugel und der blau-lila Farbsaum an der Nordhalbkugel des Mondes verschwanden fast zu 100%, was sich auch deutlich auf die Bildschärfe auswirkte. Zwar machte das Seeing eine perfekte Beobachtung unmöglich, aber dennoch konnten mit gut 300facher Vergrößerung noch viele Details beobachtet werden - und das bei vieleicht nur noch ca. 20° Höhe des Mondes über dem Horizont. Echt ein tolles Teil, so ein Korrektor.

Bevor wir mit unseren Deepskybeobachtungen begannen, steuerte ich meinen Fotonewton erstmal auf M101, um die Supernova einzufangen. Die Bedingungen waren nicht perfekt, zumal der Schwanz der "Großen Bärin" bereits über der nahegelegenen Stadt hing, was sich bei leichtem Dunst zusätzlich negativ bemerbar machte. Nichts desto trotz begann ich mit der Aufnahmeserie.

Hubertus hatte währenddessen seinen 16" Newton ebenfalls auf die Feuerradgalaxie gesteuert und wir starteten mit unserer Beobachtungsrunde am Sauerländischen Nachthimmel. Die Supernova stach sehr deutlich hervor - was ein heller Brocken. Das Teil könnte ja schon in meinem 20x80 FG zu sehen sein, dachte ich noch, was ich unbedingt die Tage mal ausprobieren muß. Hoffentlich behält sie ihre Helligkeit noch ein paar Tage. Der zunehmende Mond könnte sich aber für diese Aktion mal wieder als Feind erweisen. Schaun wir mal ... Die Supernova ist mit Abstand der hellste Punkt, der im Bereich der Galaxie, deren Spiralarme auch noch einigermaßen zu erkennen waren, zu sehen war. Außer den Spiralarmen waren auch noch einige Knötchen in den Armen zu erkennen.

Nach dem wir diese Supernova bestaunt hatten, steuerte Hubertus den großen Newton noch "rüber" zur Whirlpoolgalaxie, in der ja Ende Mai auch eine Supernova entdeckt wurde, die ich Anfang Juli auch mit meinem 8"er Dobson beobachten konnte. Ich war schon ganz gespannt, ob diese Supernova mit 16" wohl immer noch zu entdecken sei. Und tatsächlich, hin und wieder blitzte sie an der bekannten Stelle immer mal wieder kurz auf. Die Beobachtung war schon recht grenzwertig, aber wir konnten sie beide als gesichert abhaken.

Irgendwie kamen wir dann darauf, den Crescentnebel NGC6888 im Rückrat des Schwans anzusteuern, was auch kein großer Akt war. Bei ca. 6mag im Zenit (zum Horizont hin aber deutlich schlechter), waren im 31ger Nagler und eingeschwenktem Baader O-III Filter auch viele Strukturen zu sehen. Das wäre mal was zum zeichnen, dachte ich noch bei mir. Aber außer das ich kein Zeichenkrams dabei hatte, war die Motivation mal wieder nicht ausreichend hoch. Papier und Bleistift hätte Hubertus bestimmt für mich gehabt. Von Nachteil wäre dann aber auch gewesen, dass Hubertus in der Zeit nicht hätte beobachten können.

Also weiter drüber nachgedacht und das nächste Objekt angepeilt.Collinder 399, der Kleiderbügelhaufen sollte es sein. O.k., eigentlich peilten wir diesen nur an, um einen Blick auf den Kometen Garradd zu werfen, der dann auch nicht mehr mit ins Gesichtsfeld des 31ger Naglers paßte. Cr399 allein aber übrigends auch nicht. Ein Stern des geraden Bügels blieb immer außen vor. Ein kleiner Schwenk nach oben und schwubs, schon war auch der Komet mit fast stellarem Zentrum, großer Koma und Schweifansatz zu sehen. Wie schon vor einer Woche beim Teleskoptreffen hatte ich das Gefühl, dass der Schweif in meinem 120/600 Refraktor länger wirkte. Es wird sicherlich damit zusammenhängen, dass im Richie noch viel mehr Feld drumherum zu sehen ist. Die AP ist mit gleichem Okular ja nicht sooo wahnsinnig viel größer.

Einmal im Schwan beschlossen wir, noch ein wenig im Bereich des Bruststerns γ Cygnus auf Gasnebel-Entdeckungsreise zu gehen. Irgendwo daneben mußte doch der Schmetterling liegen, der auf den Langzeitbelichtungen immer zu sehen ist. Da wir aber die genaue Position des großen Flattermannes nicht kannten, fischten wir im Trüben. In Hubertus Sternkarte (?) und auch im Tritlas war diese "Figur" nicht richtig eingezeichnet. Zumindest dachte ich das, bis ich zu Hause nochmal mit einem Foto verglich. Die Struktur ist in der Karte schon vermerkt, allerdings noch weitergehend, als nur der Schmetterling. Wir haben in dem Bereich auch einiges an Nebel auf die Netzhaut bekommen, aber den Schmetterling konnten wir nicht erkennen. Nach einigen Minuten steuerten wir dann die Motoren der parallaktischen Montierung einen kleinen Tuck nach Süden, um dem offenen Sternhaufen M29 zu begutachten. Sowohl Hubertus als auch ich sind nicht gerade Liebhaber von OS, aber ein Bericht in der aktuellen "Sterne und Weltraum" weckte meine Neugierde an dem Haufen. Er wird dort nämlich als "Plejaden in Miniaturausführung beschrieben, was sich beim Anblick durch´s 31ger Nagler auch bestätigte. Wir brauchten echt nicht viel Phantasie, um die Plejaden in dem Haufen wiederzuerkennen. Ein netter Anblick.

Irgendwann zu diesem Zeitpunkt zogen dann mal erste Wölkchen durch. Ich dachte mir, dass M101 nun genug Belichtungszeit bekommen hat und ich ja unbedingt noch den Kometen zusammen mit dem Kleiderbügel ablichten wollte.

Feurradgalaxie M101 mit Supernova SN20011fe







































Da Garradd und CR399 nicht zusammen ins Gesichtsfeld des 6"er passen würden, hatte ich auch mein 300mm TAIR-3Phs Spionageobjektiv eingepackt. Aber irgendwie hatte ich noch keine Lust die Fotoausrüstung umzubauen und wiedermal kam mir der Gedanke, dass ich es in diesem Jahr wieder nicht gebaclen bekommen habe, das ein oder andere Objekt der südlichen Milchstrasse einzufangen. Also schwenkte ich kurzentschlossen auf M17, den Schwanennebel, dessen Umgebung zwar auch schon ziemlich tief im Siff hing, aber vieleicht noch eben fotografisch erreichbar sein könnte. Der Trifid- und der Lagunennebel standen dafür schon viel zu tief. Sterne waren in der Region keine mehr auszumachen. Selbst die Suche nach M17 gestaltete sich nicht ganz so trivial, wie man eigentlich denken würde. Die Bedingungen waren "dort unten" wirklich nicht prickelnd. Aber was ich mir einmal in den Kopf gesetzt habe ... Nach kurzer Suche und einer Probebelichtung sah ich, dass ich an der richtigen Stelle war. Nun noch das Objekt der Begierde an die richtige Stelle auf den Kamerachip gerückt und es konnte weiter gehen, mit dem fotografischen Photonensammeln.

Hubertus hatte unterdessen beschlossen, weiter südlich vom Schwan, zwischen den Sternbildern Pfeil und Delfin auf PN-Jagd zu gehen. Drei Kandidaten sollten da wie an einer Schnur aufgereit untereinander liegen. Den Anfang machte dabei NGC6905, auch "Blue Flash" genannt. Im 11er Nagler und mit O-III zeigte er etwas Struktur. Ich beschloss dann, mal ohne O-III und mit 7er Nagler noch weiter zu beobachten, was sich als sehr gewinnbringend herausstellte. Der Planetarische Nebel, der sich auf der langen Verbindungslinie eines Sterntrapez befindet, zeigte noch mehr Struktur, ohne dass ich aber etwas darin erkennen konnte. Der Nebel wirkte nur etwas fransig und sehr unruhig. Dann konnte ich aber doch noch ein Detail erkennen - den Zentralstern. Vorher mit O-III konnten wir ihn nicht erkennen. Nun aber ohne O-III und mit weniger AP, lugte er immer wieder nadelspitzenfein aus dem ihn umgebenden Nebel hervor. Ein sehr lohnenswerter Anblick!

Wiedermal kamen Wolken aus dem Süden heraufgezogen. Und diesmal waren die Wolken auch sehr dicht. So dicht, dass wir unsere Beobachtungen gänzlich unterbrechen mußten. Wir machten es uns erstmal mit Liegstuhl, Kaffee, Tee und Zigarettchen gemütlich und schnackten über dies und jenes, darauf hoffend, dass wir noch ein paar Objekte auf die Netzhaut bekommen würden. Meine EOS schoss währenddessen ein paar Darks für die weitere Bearbeitung von M101 und M17. Lights konnte ich für den Schwanennebel nur 10 Stück an der Zahl gewinnen und davon wären normalerweise auch noch vier weitere aufeinander folgende Aufnahmen der Serie rausgeflogen, da auf ihnen jeweils eine sich fortsetzende Strichspur sichtbar ist. Auf vier aufeinanderfolgenden Aufnahmen von je 90 Sekunden Belichtungszeit die Strichspuren von einem Objekt - das konnte wohl nur ein geostationärer Satellit gewesen sein, der den Schwan "angeschossen" hatte (siehe Foto).

M17 - Schwanen- bzw. Omeganebel







































Als es dann nach geschätzt ´ner halben Stunde wieder etwas aufklarte, baute ich den Newton von der Monti und tauschte ihn gegen mein 300mm-Objektiv. Ich hatte ja schließlich noch einen Termin mit dem Kometen C/2009 P1 Garradd. Der Kleiderbügel mit benachbartem Kometen war auch schnell aufgefunden und ich startete meine dritte Belichtungsserie für den Abend.

Visuell ging es unterdessen weiter mit der PN-Erkundungsrunde. Nach dem ca. 3.000 Lj entfernten NGC6905 gings weiter nach Süden zum PN IC4997, der im Deepsky Reiseatlas als "extrem klein" beschrieben wird. So zeigte er sich uns dann auch. Aufgrund des nicht perfekten Seeings war die Unterscheidung von benachbarten Sternen nur durch blinken mit dem O-III-Filter als sicher festzumachen. Mit O-III-Filter behielt nur einer der Lichtpunkte im Gesichtsfeld des 11er Naglers annähernd seine Helligkeit, während die anderen Punkte deutlich an Helligkeit verloren - bingo, wieder ein "neues Weltwunder" mehr beobachtet. So nennt Hubertus immer Objekte, die er zuvor noch nie beobachtet hat. Diese Bezeichnung gefällt mir immer mehr. Aber warum nun ist dieser PN so klein? Ein weiterer Blick in den Deepskyreiseatlas verrät das Geheimnis: Er ist mit ca. 8.000 Lj fast dreieinhalb mal so weit von uns entfernt, wie der berühmte Ringnebel M57 in der Leier.

Nach diesem Winzling schafften wir in dieser Nacht leider nur noch ein Objekt, den planetarischen Nebel NGC6891, der zwar auch recht klein, aber etwas deutlicher zu erkennen war, als IC4997. Auch hier zeigte sich der Zentralstern, noch dazu wesentlich einfacher, als zuvor bei NGC6905.

Dann zog der Himmel wieder zu und ein Blick auf das Satellitenbild verriet, dass es Zeit war Feierabend zu machen. Es würde nicht mehr aufreissen. Vom Kometen waren wegen der schon vorher immer wieder durchziehenden Schleierwolken auch nur 12 Aufnahmen brauchbar und während ich meinen Kram abbaute und ins Auto verpackte, schoss die EOS noch ein paar Darks.

Collinder 399 "Kleiderbügelhaufen" und C/2009 P1 Garradd














































Das "Häuflein" rechts neben dem Kleiderbügel ist übrigends NGC6802.

Gegen 2 Uhr machte ich mich dann wieder auf den Heimweg, in der Hoffnung, dass die Bildbearbeitung doch noch etwas halbwegs positives aus den Aufnahmen rauskitzeln könnte. Und ja, was soll ich sagen? Ich bin zufrieden. Es war mal wieder ein sehr schöner Abend, zusammen mit Hubertus im benachbarten Sauerland.

Für die Leser unter euch, die die Supernova in M101 auf oben gezeigtem Foto aus Unkenntnis über die Position nicht identifizieren können, hier noch eine kleine Animation, die zwischen einem Ausschnitt aus obiger Aufnahme und einem Foto, dass ich im April 2009 von M101 schießen konnte, hin- und herblinkt.

Supernova SN2011fe in M101