Start Beobachtungsberichte 2011 07.08.2011 - H-alpha-Tierchen entdeckt-meine ersten PST-Fotos

Seit Ende Juli 2011 bin ich stolzer Besitzer eines Coronado PST Sonnenteleskops. Nachdem ich es bisher wetterbedingt erst zwei Mal visuell ausprobieren konnte, fand ich am vergangen Sonntag in einer Hand voll Wolkenlücken endlich mal die Gelegenheit es auch fotografisch zu testen.

Dazu baute ich das Teleskop auf der miterworbenen EQ-2 Montierung in unserer Hauseinfahrt auf. Als Aufnahmeequipment brachte ich meine Philips SPC900NC Webcam mit dem Barlowelement meiner 2-fach TS-Barlow zusammen mit meinem kleinen Netbook an den Start. Als Blendschutz für das Display des kleinen Rechners wurde kurzerhand der Karton unseres Katzenkratzbaums zweckentfremdet.



Mit diesem Aufbau konnte ich erstmals feststellen, dass es keine Probleme bereitete mit der Webcam in den Fokus zu kommen, was beim PST nicht selbstverständlich ist. So ist es mir z.B. weder mit der 2-fach Barlow, noch mit meinem Siebert Multimag-Glaswegkorrektor oder einer Kombination aus diesen Hilfsmitteln möglich ein scharfes Bild in meinem heißgeliebten Binoansatz einzustellen. Da werde ich noch eine Lösung für finden müssen, bringt die 2-äugige Beobachtung von Sonne (nur mit geeignetem Objektivsonnenfilter oder Herschelkeil!), Mond und Planeten doch einen unglaublichen Gewinn an beobchtbaren Details. Zur Not wird halt wieder eine Bestellung bei Siebert Optics in den USA aufgegeben, die glücklicherweise auch einen extra für´s PST gerechneten Glaswegkorrektor anbieten.

Was mich am Sonntag ziemlich nervte war die Wetterlage. Immer wieder zogen fette Wolkenbänke durch, sodass es schon ziemlich stressig war den Fokus und die richtige Kameraeinstellung zu finden und gleichzeitig noch das Teleskop nachzuführen, was ich bei meiner unmotorisierten EQ-2 ja auch von Hand machen muß. Schnell wurd mir das zu bunt und ich entschied mich dafür meine motorisierte LXD-75 rauszuholen und das PST dort drauf zu schnallen. Die Verwendung dieser Montierung machte sich vor allem dadurch bezahlt, dass ich nach größeren Wolkenfeldern nicht erst noch lange kurbeln mußte, um die Sonne wieder im Gesichtsfeld zu haben. Für die visuelle Sonnenbeobachtung ist das bei 400mm Teleskopbrennweite und meinem für die Sonnenbeobachtung miterworbenen TS-Zoomokular 7-21 mm mit der Minimalvergrößerung von 19-fach kein großer Akt. Im Gesichtsfeld des Okulars ist trotz des leichten Tunnelblicks noch viel Feld um unser Zentralgestirn zu sehen. Bei Verwendung einer Webcam mit kleinem Bildchip und vorgeschaltetem Barlowelement ist die effektive Aufnahmebrennweite aber schon so hoch, dass nur noch ein kleiner Teil der Sonne im Gesichtsfeld ist (s. nachfolgende Aufnahmen). Das macht das Wiederauffinden mit einer bei Tageslicht nur "Pi-mal-Daumen" eingenordeten unmotorisierten Montierung nicht leichter. Die überwiegend schwarze Webcam habe ich noch mit einem Stück Alufolie gegen die direkte Sonneneinstrahlung geschützt, in der Hoffnung dass sich dadurch das Bildrauschen nicht so stark bemerkbar macht. Ob das wirklich was bringt weiß´ich nicht, aber geschadet hat´s jedenfalls nicht.

Hier der Aufbau mit der LXD-75:


Gefilmt habe ich in schwarz/weiß, da in diesem Modus mehr Kontraste zu sehen waren und sich dadurch der Fokus besser finden ließ. Die einzelnen Videos entstanden mit 15 Bildern pro Sekunde, die Länge der Videos beschränkte ich auf 1000 Bilder pro Film. Als Aufnahmesoftware verwende ich die Freeware Giotto, mit der ich auch die Summenbilder erstellt und geschärft habe. Die Kontolle der Webcam beim filmen übernimmt die Software WcCtrl, ebenfalls Freeware.


Noch kurz etwas zur H-alpha-Beobachtung der Sonne: H-alpha wird die hellste Spektrallinie des ionisierten Wasserstoffs genannt, die bei ca. 656nm Wellenlänge des elektromagnetischen Spektrums zu finden ist. Dadurch dass alle anderen Bereiche ober- und unterhalb dieser Linie weggefiltert werden, erscheint die Sonne in einem H-alpha-Teleskop wie dem Coronado PST tiefrot. In diesem Spektrum läßt sich die oberste Schicht der Sonne, die sogenannte Chromosphäre beobachten, die ansonsten von der darunterliegenden und im gesammten Spektrum wesentlich helleren Photosphäre überstrahlt wird. Während sich die Photosphäre gut und günstig mit einem "normalen" Teleskop und einfach aufgebautem Weißlichtfilter (z.B. der Baader Sonnenfilterfolie) beobachten läßt, wird ein H-alpha-Sonnenteleskop durch das für die Filterung benötigte Etalon relativ teuer. Ein PST mit seinen nur 40mm Öffnung kostet derzeit neu ca. 700,-€. Einen 200mm Newton mit Baader-Sonnenfilterfolie bekommt man hingegen schon für gut 300,-€.


Hier nun meine allersten H-alpha-Fotos unserer Sonne:

Auf dem ersten Foto ist eine schöne Protuberanz zu erkennen, die für mich schon im Okular aussah, als ob sich da gerade eine riesige Spinne von der uns gerade abgewandten Seite der Sonne auf die erdzugewandte Seite bewegte.

H-alpha-Spinne:



Foto Nr. 2 zeigt eine Protuberanz in Form einer spitzohrigen Maus (oben), die vor einer für sie aufgestellten Falle (unten) zu hocken scheint.

Maus und Mausefalle:



Aber wer stellt auf der Sonne eine Mausefalle auf? Mmmmhhhh ... Es dauerte nicht lange und ich entdeckte den schwarzköpfigen Läufer, der sich in Angesicht des riesigen Tieres schnell aus dem Staub machen wollte.

H-alpha-Läufer:



Die Filme zu diesen Summenbildern entstanden in einem Zeitraum von ca. 2-3 Stunden, in der Mittagszeit des 07.08.2011. Volle 10 AVI´s konnte ich in der Zeit aufnehmen. Mehr ging aufgrund der Bewölkung einfach nicht. Ein paar der 10 AVI´s habe ich auch vorzeitig abgebrochen, da wieder Wolken oder Zirren durchzogen. Das Seeing war auch eher nicht so doll, weshalb ich zum Erstellen der Summenbilder auch nur je 12% der 1000 Einzelbilder jedes Videos eingebunden habe. Mit dem ebenfalls kostenlosen Bildbearbeitungsprogramm habe ich den Kontrast noch etwas erhöht, wieder Farbe ins Bild gebracht und bei den ersten beiden Fotos die überbelichtete Sonnenscheibe geschwärzt, da mir das so besser gefiel. Um die H-alpha-Details auf der Sonnenscheibe sichtbar zu machen, mußte ich die Shutterzeit und die Verstärkung ein Stück zurücknehmen, wodurch aber die Protuberanzen fast ausnahmslos verschwanden, da sie doch einiges lichtschwächer sind, als die Details auf der Sonnenscheibe. Bei der visuellen Beobachtung fällt das nicht großartig auf, da das Auge über eine entsprechend große Dynamik verfügt, die das auzugleichen vermag. Ein digitaler Bildchip kann das hingegen nicht leisten.

Bei der Bildbearbeitung habe ich die Summenbilder auch wieder eingefärbt. Die beiden Protuberanzenfotos habe schön tiefrot gefärbt, da das so dem visuellen Anblick im PST am nächsten kommt. Bei der Aufnahme der Fleckenregion hat mir das hingegen überhaupt nicht gefallen. Viele Details gingen dabei verloren. Daher entschied ich mich für einen leichten Orangeton.