Start Beobachtungsberichte 2011 02.08.2011 - Sommernachtshimmel mit dem Fernglas

Da die Wettervorhersage für die kommenden Tage nicht so berauschend ist, wollte ich die letzte Nacht nochmal nutzen, um ein wenig den Himmel abzugrasen. Die vorletzte Nacht mußte ich aus zeitlichen Gründen schon sausen lassen, die Nacht von Sonntag auf Montag war ich in Hubertus Sternwarte zu Gast.

Dienstag 02.08.2011
ca. 23Uhr - 0.45Uhr
Kb-Lengefeld (ca. 3km vom ATDS-TT-Platz entfernt)
fst: wechselhaft ca. 5-5,5mag im Zenit

Da wir in Hubertus Sternwarte am vergangenen Sonntag den Kometen C/2009 P1 Garradd schon mit dem 16"er beobachten konnten, wollte ich dem schmutzigen Schneeball in der vergangenen Nacht auch mal mit meinem TS 20x80 Triplet Fernglas auf die Pelle rücken. Ich überlegte noch, ob ich auch meinen Fotokram raus in die Einfahrt schleppen sollte, lies es aber aufgrund des aktuellen Satellitenfilms dann doch sein - von Südwest zogen Wolken in meine Richtung, die bald ankommen sollten, was sich gegen 0.30Uhr auch bestätigte. Es zogen auch so immer mal wieder ein paar dünne Schleierwolken durch, was aber den Spass beim beobachten nicht großartig minderte.

Das este Objekt, dass ich mit dem Fernglas ansteuerte, war dann auch der Komet, der weniger als 1° vom promineten Kugelsternhaufen M15 entfernt am Fuße des Pegasus langsam vorbeizog. Da es noch nicht richtig dunkel war, konnte ich ihn zuerst nur schemenhaft als schwachen aber relativ großen Fleck ohne Probleme erkennen. Nun gut, er würde ja auch noch etwas am Himmel emporsteigen und dem Lichterdom von Korbach entfliehen. Also später nocheinmal.

Ich schwenkte dann die Binomount erstmal Richtung Schwan, um mir dort den Cirruskomplex und den Nordamerikanebel zu gemüte zu führen. Dazu hatte ich mir noch eine Isomatte von drinnen geholt, um die hoch stehenden Objekte im Liegen beobachten zu können, was auch mit der Binomount super geklappt hat - hatte ich zuvor noch nie versucht. Ohne meine Fujinon Fernglas-Nebelfilter waren die genannten Objekte zwar zu erkennen - auch der zarte Sturmvogel zeichnete sich ganz schwach vom Himmelshintergrund ab - doch richtig Spass machten die Objekte erst, als ich sie später mit meinen eingelegten Nebelfiltern nochmal aufsuchte. Mit diesen Filtern war dann auch der Sturmvogel in seiner von Fotos bekannten Form relativ gut zu erkennen - ich war begeistert! Der komplette Cirruskomplex ist bereits so groß, dass ich ihn im Gesichtsfeld des 20x80 kaum mehr komplett überblicken kann. Während die Knochenhand am linken Gesichtsfeldrand des Fernglases pappt, schmiegt sich der Sturmvogel an den Rechten an. Pickering's Triangular Wisp konnte ich nur schemenhaft ganz ganz schwach erahnen. Da geht unter besserem Himmel, den ich auch hier in meiner Einfahrt oft knapp über 6mag habe, sicher noch mehr. In der Knochenhand waren deutlich Strukturen zu erkennen und vom Sturmvogel konnte ich sogar den südlichen Fächer noch relativ gut erkennen, wengleich ich mir nicht sicher war, ob ich auch die Teilung "im Schwanz" erkennen konnte.

Auch der Nordamerikanebel ist für dieses Glas schon fast zu groß. Da ist schon kaum noch Feld um das Objekt herum, sodass mir der Anblick in meinem 120/600 Richie mit 31ger Nagler und Baader OIII eigentlich etwas besser gefällt. Dennoch macht es auch riesigen Spass, diesen Nebel mit dem 20x80 Triplet und den eingelegten Fujinon-Nebelfiltern zu beobachten. Einfach toll, wie sich die Form des nordamerikanischen Kontinents vom Hintergrund abhebt. Auch vom Pelikan konnte ich Nebelflächen erkennen. Seine bekannte Form konnte ich aber wiedermal nicht richtig festmachen.

Anschließend gings zum Hantelnebel M27. Das war schonmal wieder richtig klasse - ein Objekt, das mit seiner charakteristischen Form (inkl. Ohren) als Fernglasziel mit ordentlich Feld drumherum einfach nur grandios anzuschauen ist. Irre geil!

Dann noch kurz zu M57 in die Leier. Aufgrund seiner Größe allerdings eher ein Teleskopobjekt, aber flächig sieht man ihn schon mit dem 20x80. Mit den Nebelfiltern hatte ich den Eindruck ihn grünlich zu sehen. Ohne Filter hingegen bleibt er ein graues Minifleckchen. Die Grünfärbung hat bestimmt eher was mit den Filtern an sich zu tuen, als dass es vom Objekt kommen würde. Denn auch ohne Filter ist dieser kleine planetarische Nebel sehr gut zu erwischen, wenngleich sich die charakteristische Ringform bei der "Kleine" natürlich nicht zeigen kann.

Und weiter gings in Richtung südlicher Milchstrasse. Leider kann ich aus meiner Einfahrt heraus nicht so weit unten beobachten, sodass die Klassiker Trifid- und Lagunennebel nicht erhascht werden konnten. Dafür entschädigten Adler- und Schwanennebel. Vor allem der Schwan, der für mich immer eher wie ´ne Quietscheente aussieht, wußte mich zu begeistern. Schon ohne Filter ist auch seine Form gut erkennbar. Mit Filtern hingegen kam auch noch "Wasser" zum Vorschein, auf dem die "Ente" dahingleitet. Vor allem "hinter" der Ente war noch einiges an Nebelmasse zu erhaschen. Mit der 20fachen Vergrößerung ist die Form der "Ente" bereits sehr gut zu erkennen. Trotzdem bleibt hier ein wenig der Wunsch nach etwas mehr Vergrößerung. Aber ich will nicht meckern, gerade die "Ente" und M27 haben mir letzte Nacht am meisten Freude gemacht. Ich bin nur immer wieder erstaunt darüber, wie die Ente das macht, so kopfüber im All zu schwimmen. Aber klar, es liegt wohl an der Schwerelosigkeit.

Abschließend bin ich dann nochmal zum Kometen rüber in den Pegasus und siehe da, das nochmalige Anfahren des Objekts hat sich gelohnt. Der Komet offenbart seine Gestallt in Form eines hellen Kerns und einer diffusen, großen Koma drumherum. Damit nicht genug, erkenne ich nach einer Weile auch den Schweif, der fast genau auf den Kugelsternhaufen M15 ausgerichtet ist. Ich bin mir erst nicht ganz sicher, nach ein paar Minuten der Beobachtung, auch mit leichtem Schwenken des Fernglases bin ich mir aber sicher einen etwas aufgefächerten Schweif erkannt zu haben, der sich in etwa so lang zeigt, wie der Durchmesser der Koma ist. Klasse Anblick, vor allem zusammen mit dem Kugelsternhaufen in einem Gesichtsfeld. Muss man gesehen haben!

Mir kommt der Gedanke den Zeichenkram noch raus zu holen. Aber zwei Dinge hindern mich schließlich daran: Zum einen mein Halswirbelsäulenschmerz, den ich seit einem Autounfall vor 16 Jahren immer dann bekomme, wenn ich lange weit nach oben gucke, zum anderen bemerke ich beim weiteren Beobachten des Komets, dass sich die Bedingungen langsam aber stetig verschlechtern. Mein Blick an den Sternenhimmel bestätigt dies. Die Milchstrasse zeigt nicht mehr so viele Details, in Richtung Süden ist sie nach kurzer Zeit bereits garnicht mehr zu sehen. Immer mehr Sterne verschwinden in einer milchigen Suppe, so wie ich es anhand des Satellitenfilms befürchtet hatte. Aber ich hatte meinen Spass. Zwischendurch bin ich mit dem 20x80 auch einfach nur so durch die Milchstrasse "gefahren", vor allem liegend auf der Isomatte, und hatte dabei echt das Gefühl, mittendrin zu sein, was ja eigentlich auch der Realität entspricht.

Den Abschluss vollzog ich dann mit einem schnellen Schwenk auf die Andromedagalaxie M31. Zwar hing diese noch im Lichtdom der benachbarten Stadt Korbach und die Bedingungen verschlechterten sich ja auch zumnehmendst, und dennoch konnte ich ihre wahnsinnige Größe schon noch erahnen. Die beiden Begleiter M110 und die kleinere M32 waren auch noch deutlich zu erkennen. Dort wo die beiden Staubbänder bei guten Bedingungen im Teleskop zu sehen sind, war es etwas dunkler, sodass ich vermute, dass man zumindest Ansätze davon auch schon im 20x80 Triplet sehen kann, wenn sie höher steht und die Bedingungen besser sind. Ich bin jedenfalls schon ganz gespannt darauf, was da in den nächsten Monaten noch gehen wird.

Nachdem es sich dann zuzog, baute ich meinen Kram wieder ab, verbrachte ihn nach drinnen, genoss noch eine Gute-Nacht-Zigarette (ja, ich rauche wieder) und begab mich gegen 0.45Uhr in Richtung Bett.