Start Beobachtungsberichte 2011 12.07.2011 - ISS+Atlantis-Sonnentransit - mein Abschied von der Shuttle-Ära

Am 12.07.2011 konnte ich gebührend Abschied von der Shuttle-Ära nehmen, indem ich nochmals einen ISS+Shuttle-Transit vor der Sonnenscheibe filmen konnte. Dazu habe ich natürlich wie immer www.calsky.de wegen der Transitdaten bemüht und wiedereinmal wurde ich nicht enttäuscht. Der Transit erfolgte genau zur berechneten Zeit und genau wie ich es geplant hatte, stand ich fast mittig auf der Zentrallinie, sodass die ISS-Shuttle-Kombi fast mittig vor der Sonne vorbeidüste.

Der Transit sollte um 15.58Uhr und 20 Sekunden stattfinden. Während am Morgen noch strahlend blauer Himmel vorherrschte, zogen ab dem Mittag immer mehr und immer dichtere Wolken auf, sodass ich schon dachte, dass das Vorhaben aus wettertechnischen Gründen mißlingen würde, wie uns das Wetter in Deutschland ja so oft schon einen Strich durch die Rechnung gemacht hat.

Da es aber auch immer wieder große Wolkenlücken gab, brach ich um 14.45Uhr auf, um an eine von mir ausgesuchte Stelle, ca. 1,5km von zu Hause entfernt und ca. 200m südwestlich der Zentrallinie zu fahren. Dort gibt es eine große Wiese, auf der ich mein Equipment schnell aufbaute.



Neben meinem "Spechtelmobil" steht die LXD-75 Montierung mit aufgesatteltem Tubus meines 8" f/6 Dobson, daneben mein 120/600 Richfielder auf der Pipemount. Für mich gab´s dabei dann gestern auch eine Premiere - ich wollte den Transit mit zwei Optiken gleichzeitig filmen. Im OAZ des 8" f/6 Newton steckte meine Philips SPC900NC Webcam, am Zenitspiegel des Richies ein 9mm TS SWM Okular und meine Fuji Finepix F31fd Digiknipse, beides kombiniert mit meiner Digiklemme,



Im Kofferraum meines Autos hatte ich mein Netbook untergebracht. Außerdem sind da noch mein Foto- und mein Okularkoffer zu sehen.



Nach dem Aufbau zeigten sich dann auch prompt zwei Probleme, an die ich garnicht so gedacht hatte. Zum einen war es teilweise extrem böig, was für die Kombi aus "kleiner" LXD-75 und langem 8" f/6 Newton sehr kontraproduktiv war. Das Bild auf dem kleinen Netbook zitterte und wackelte teils doch extrem. Das widerum erschwerte es natürlich auch den Fokus zu finden. Und damit auch schon zu Problem Nr.2. Um den Fokus einstellen zu können, mußte ich ja mit dem Netbook zum OAZ und damit auch in die pralle Nachmittagssonne. Fokussieren wollte ich anhand einer Sonnenfleckengruppe. Von der waren auf dem Monitor bei dem hellen Sonnenlicht aber nur die dunklen Umbren ganz schwach zu erahnen und das auch nur, wenn das Teleskop mal nicht von einer Böe durchgeschüttelt wurde. Nach bestimmt 20 Minuten des fokussierens - zwischendurch hab ich das Netbook immer mal wieder in den beschatteten Kofferraum gestellt, um das Bild zu analysieren - beschloss ich, dass ich´s bei diesen Bedingungen und dem sehr bescheidenen Seeing nicht besser hinbekommen würde.

Zwischendrin machte ich dann auch die kleine Digiknipse am Richie startklar und gut eine Minute vor dem "Event" startete ich dort die Aufnahme. Zurück am Auto wurde auch hier der Aufnahmebutton der Software Giotto gedrückt und es konnte losgehen. Gebannt starrte ich auf den Monitor des Netbooks und wartete. Hatte Calsky wie sonst auch richtig gerechnet? Oder gab´s eine Kurskorrektur, die bei Calsky noch nicht eingepflegt war? Hatte ich den Newton bei der hohen Brennweite auf der richtigen Stelle auf der Sonne? ... Sekunden werden da zur Ewigkeit. Dann aber war´s soweit und ein dunkler Schatten raste durch´s Bild. Jupp, wieder mal hatte es offensichtlich geklappt.

Hier das Ergebnis der überlagerten Einzelbilder am Richie mit der kompletten Sonnenscheibe (und wohl etwas verdreckter Optik):

(Seitenverkehrt wegen Zenitspiegel)

Die dunklen "Punkte" am rechten Sonnenrand, ober- und unterhalb der Transitlinie, sind aktuelle Sonnenflecken.

Und hier das Ergbnis, dass ich mit der Webcam am 8" f/6 Newton erzielen konnte - auch wieder alle Einzelbilder überlagert:

(oben links im Bild der Rand der Sonne)

Ich habe anhand vieler Fotos der ISS im Internet lange überlegt, welche "dunkle Fläche" nun der Atlantis zuzuschreiben ist, bin mir aber abschließend sicher, dass es die markierte Stelle sein muß, die ich auch von Anfang an im Verdacht hatte.

Interessant zu sehen war auch, dass ich absolutes Glück hatte, überhaupt was von dem Transit auf den Chip zu bekommen. Kaum war die ISS sammt Shuttle vor der Sonne vorübergeflogen, zog eine fette Wolke vor die Sonne. Im hier verlinkten Filmchen kann man das gut sehen.

Berücksichtigt man die bescheidenen Bedingungen, dann ist das Ergebnis garnicht so übel geworden, wie ich finde. Ich hoffe, es gefällt euch auch.

Damit ist für mich die Shuttle-Ära, zumindest was die Sichtung/Fotografie derselben meinserseits angeht, beendet. Nun wünsche ich der Crew noch einen schönen Aufenthalt und vor allem eine sichere Rückkehr zur Erde. Es war eine schöne Zeit (wenn man mal von den beiden Unglücken absieht) und die Bilder der Flüge hab ich doch auch immer gern gesehen.


Am 16.07.2011 brachte unsere hiesige Tageszeitung, die Waldeckische Landeszeitung einen Artikel über meinen "Shuttle-Abschied".