Start Beobachtungsberichte 2011 21.02.2011 - Wer hat eigentlich das Gerücht verbreitet ...

... dass die Winternächte besonders klar sind???

Genau die Frage oben hat sich mir am Abend mal wieder gestellt. Der Tag ließ auf eine Deepskysession hoffen - zumindest bis der Mond gegen 23.00Uhr die Himmelsbühne betreten würde. Also machte ich mich gestern gegen 21.00Uhr auf zu meinem Beobachtungsplatz. Dabei hatte ich meinen 8" Dobson, meine LXD-75 Montierung, meine EOS und das 300mm TAIR 3 PHS Russenspionageobjektiv, den Oku- und den Fotokoffer, Beobachtungsstuhl und -tisch.

Nach 5-minütiger Autofahrt kam ich an meinem Platz an und mußte erstmal feststellen, dass die Duchsicht hier knappe 100 Meter höher als daheim auch nicht besser war. Es war leicht diesig. Aber egal, ich wollte unbedingt mal wieder Photonen auf den Chip meiner EOS bannen. Schon länger hatte ich den Wunsch den Weihnachtsbaumhaufen sammt zugehörigem Reflexionsnebel, den "Konus(Dunkel-)nebel" und den benachbarten "Hubbels variablen Nebel" mit 300mm Brennweite auf ein Foto zu bannen. Der diesige Himmel sagte mir zwar gleich, dass da nicht viel zu erwarten sein würde, aber egal, ich wollt´s trotzdem wagen. Die Monti war schnell aufgebaut und eingenordet, die Kamera schnell montiert, aber die Suche nach dem Objekt gestaltete sich doch schwieriger, als erwartet. Ich fand den doofen Weichnachtsbaum einfach nicht. Sollte ihn doch einer abgeholzt haben, wo Weihnachten doch schon länger her ist? Nee, natürlich nicht. Ein kurzer Kontrollblick mit dem Dobson zeigte mir den Weihnachtsbaum sofort an der richtigen Stelle. Ich mußte die Sternkarte also nicht bemühen, um zu kontrollieren, ob ich die Stelle richtig in Erinnerung hatte.

Während ich so rumsuchte traff auch mein Arbeitskollege ein, der mich mal wieder beim spechteln begleiten wollte. Während er mit dem Dobson und dem 32ger TS WA ein bischen am Himmel rumsurfte, fand ich dann auch endlich mein Fotoobjekt. Den Fokus hatte ich zuvor an Sirius eingestellt - wobei sich dieser auch nur gerade so im Liveview-Modus auf dem Display der EOS zeigen wollte - ein weiteres Zeichen dafür, dass das Wetter zum fotografieren eher suboptimal war. Na ja, nun war der Kram aufgebaut, also wollte ich auch Photonen sammeln. Vor allem weil ich vor kurzem zweimal vergebens an meinen Beobachtungsplatz gefahren war, da jeweils genau in dem Moment meines Eintreffens urplötzlich Hochnebel aufzog, wollte ich heute nicht wieder ohne Beute nach Hause fahren.

O.k., das Objekt war eingestellt, die Selbstbausteuerung meiner EOS war programmiert, und so startete ich die Belichtungssequenz, um mich dann meinem Besucher zu widmen, dem es schon jetzt arg fröstelte. Der interessierte Kollege hatte mich zuletzt im Sommer malbegleitet und war nun ganz überrascht, die gelernten Sternbilder an völlig anderer Stelle am Himmel vorzufinden. Nach kurzer Erklärung meinerseits waren aber auch diese Ungereimtheiten schnell vergessen und ich machte mich dran, ihm ein paar Objekte des Winterhimmels zu zeigen, sofern das mäglich war, denn die Bedingungen schienen sich weiter zu verschlechtern.

Den Anfang machte der Weihnachtsbaumhaufen NGC2264 nahe den Zwillingen. Mit etwas "angewandter" Phantasie konnte er den "beleuchteten" Tannenbaum erkennen. Von da auch ging es zum Orionnebel M42, den wir zuerst mit dem 32ger TS WA, im Anschluss für ein paar Nebeldetails noch mit dem 14er Speers auf´s Korn nahmen. Außer dem Trapez waren schon schöne Strukturen im Nebel zu erkennen, allerdings nicht dauerhaft, da immer wieder ein paar dichtere Nebelbänke durch´s Bild zogen - was ein Mist. Klarer Himmel im Winter??? Ich muss doch mal meine Eltern fragen, ob das früher wirklich die Regel war. Die letzten beiden Winter waren jedenfalls völlig Banane.

Einmal im Sternbild Orion schwenkte ich auch die "Kosmische 37" - NGC2169. Trotz der Suppe war die doch sehr schön zu erkennen, auch für meinen Kollegen, nachdem ich ihm gleichvor Beginn der Beobachtung erzählte, dass er die 37 auf dem Kopf stehend sehen würde.

Zwischendurch genossen wir ´ne schön heiße Tasse Kaffee - es war schon echt ar..hkalt. Ein Thermometer hatte ich leider nicht mit. Aber duch die ständig kalte Briese wurden die Finger schnell kalt und die Knoschen taten weh.

Da es in Richtung Großer Bärin gerade mal etwas klarer war, hielt ich den Dobson mal schnell auf M51, die Whirlpoolgalaxie und mein Kollege fragte, ob sich das Teil drehen würde? Es erschien ihm jedenfalls so, was wohl damit zusammenhängt, dass er vieleicht die Ansätze der Spiralarme erahnen konnte (?). Darauf angesprochen konnte er das nicht wirklich bestätigen. Aber er meinte eben, dass sich da irgendwas zu drehen schien. Dann suppte auch dort der Nebel wieder drüber ...

Zum Abschluss haben wir noch einen Blick auf die Krippe M44 geworfen. Tja, ein paar helle Sternchen, aber so richtig Freude aufkommen wollte auch nicht mehr. Bei mir lag´s daran, dass ich eh kein Fan von offenen Sternhaufen bin, beim Kollegen daran, dass es ihm langsam zu kalt wurde. Nachdem ich ihm noch ein paar Sternbilder erklärt hatte, beschlossen wir es für heute gut sein zu lassen. Am Südosthorizont quälte sich bereits der rötlich leuchtende Mond allmählich durch den Nebel. Während sich der Kollege auf den Heimweg machte, lies ich meine EOS noch ein paar Darks schiessen und verfrachtete den Rest meiner Ausrüstung schonmal ins Auto. Gegen 23.30Uhr fuhr ich wieder gen Heimat, wo es mich dann nach dem Ausladen des Astrokrams doch noch reizte zu sehen, ob meine EOS mehr "Spass" am Nachthimmel hatte als ich beim visuellen gucken.

Leider stellte sich raus, dass dem nicht wirklich so war. Es war eben einfach zu dunstig und den Fokus hatte ich auch nicht perfekt getroffen. Aber egal - mit Fitswork und Gimp eine "Schnellbearbeitung" der 24 Einzelbelichtungen á 90 Sekunden bei ISO1600 und Blende f/5,6 gemacht und aus dem Hochkantfoto (ich kann die Kamera mit dem schweren Objektiv nicht anders an die Montierung andocken, bei der Position des Objekts am Himmel) ein Querformatausschnitt erstellt.

Und hier ist das Ergbnis:
Bild






























Ich denke, dass bei richtig dunklem Himmel und guter Durchsicht bei gleicher Kamera- und Belichtungseinstellung sicher mehr zu holen ist. Etwas vom Nebel von NGC2264 ist ja auch auf dem Chip gelandet und jau, NGC2261, Hubbels veränderlicher Nebel ist auch im oberen Drittel etwas links von der Bildmitte zu erkennen.

Da werde ich sicher bei besseren Bedingungen nochmal draufhalten. Die Frage ist nur, wann es der Himmel mal zuläßt!

Um 1.00Uhr machte ich mich dann in die Heia - um 10vor6 ging der Wecker und die Maloche rief.