Start Beobachtungsberichte 2011 22.02.2011 - Na bitte, geht doch!

Das war´s, was ich gestern Abend gedacht habe, nachdem ich meinen Kram in der Einfahrt aufgebaut hatte und die Durchsicht in Zenithähe doch recht brauchbar war.

Tagsüber war es wieder klar und auch als es dunkel wurde, schien es lediglich in Horizontnähe diesig zu bleiben. Aber ich traute dem Braten nicht und entschloss mich, trotz des Nachbarns Lichtseuche in der Einfahrt zu verbleiben, in der Hoffnung, dass die Leute nicht mehr all zu lange aufbleiben und und Licht in unsere Einfahrt werfen würden. Um an meinem Beobachtungsplatz zu fahren fehlte mir nach den letzten Pleiten einfach die nötige Motivation.

Gegen 20.50Uhr machte ich mich daran, meine Montierung sammt 6" f/5 Newton in der Einfahrt aufzubauen. Den knipsen wollte ich schon ganz gern. Ich hatte irgendwie auch garnicht so recht lust visuell zu beobachten, entschied mich aber trotzdem auch den 8" Dobson einfach mal zum auskühlen mit raus zu nehmen. Denn wie heißts ja so schön: Der Hunger kommt beim essen. Und so war´s dann auch. Nachdem die Monti eingenordet, der 6"er Newton justiert, die Kamera an diesem montiert der Fokus dank der Bathinovmaske gefunden, die EOS-Controlbox programmiert, das Scope auf den Weihnachtsbaumhaufen ausgerichtet und die Belichtungsserie gestartet war, holte ich mir noch meinen Beobachtungshocker raus und began ein paar Standards zu gucken.

M42 natürlich gleich zu Anfang und überraschenderweise sogar diesmal im 8"er mit TS WA32 leicht grünlich angehaucht. Im 14er Speers nahm die Anzahl der Details im Nebel natürlich deutlich zu, die Färbung konnte ich nun aber nicht mehr erkennen. Tja, immer wieder schön anzuschauen, der große Gasnebel. Danach gings zu M78, den ich aber auch schnell wieder links liegen ließ, da mich das Teil nicht so wahnsinnig interessierte. Den gerade von mir abgelichteten Weihnachtsbaum schaute ich mir auch visuell nochmal an und heute war auch der Reflexionsnebel darin besser zu erkennen, als am diesigen Vorabend. Prima, das ließ hoffen, dass ich mit meinen 90 Sekunden Einzelbelichtungen vieleicht ja auch den Konusnebel einfangen könnte.

Und ja, zwar keine Schönheit, aber zu erkennen ist doch einiges auf dem Summenbild, welches ich aus 40 Einzelbelichtungen bei ISO1600 am 6"f/5 Newton gewinnen konnte.
Bild































Gut zu erkennen sind hier die großen Schwachpunkte meines bescheidenen Fotoequipments: Die mangelnde Rotempfindlichkeit, da ich noch immer mit der original, nicht modifizierten EOS1000D knipse, und zum anderen der auch noch immer fehlende Komakorrektor. Trotz dass ich auch dieses Foto etwas beschnitten habe, ist das Koma des schnellen Newton deutlich zu erkennen. Aber egal, gibt schlimmeres.

Im Horizontbereich bis so ca. 30° Höhe war es doch recht diesig. Darüberhinaus aber wurde es deutlich besser. Die Grenzgröße dürfte im Zenit bei ca. 5,8 bis 6mag gelegen haben.

Nach einer Weile des Überlegens, was ich denn mal noch so anpeilen könnte fiel mir die Supernova SN2011B ein, die ja im Januar in der ca. 60 Mill. Lichtjahre entfernten Galaxie NGC2655 im Sternbild Giraffe gesichtet wurde. Wie hier und da berichtet wurde, hat sie inzwischen wohl schon einiges an Helligkeit eingebüßt und ich hatte daher keine sehr große Hoffnung mit meinem 8"er eine erfolgreiche Sichtung verzeichnen zu können. Zuerst aber mußte die ca. 10mag helle Balkenspirale erstmal gefunden werden und ja, ich tat mich ein klein wenig schwer dabei, woran des Nachbars Lichteinfall in die Einfahrt nicht ganz unschuldig war. Aber nach ein paar mal Abgleichen der visuell noch gerade so zu erkennenden Sterne mit meinem TriAtlas konnte sich die Gx nicht mehr vor mir verstecken. Im 32ger TS WA war sie relativ gut als nebliges Fleckchen zu sehen. Ich wechselte auf das 14er Speers, konnte aber die Supernova nicht entdecken. Anhand von Fotos, die ich vor ein paar Tagen noch im Internet gesehen hatte, wußte ich , wo sie in etwa stehen müßte und nachdem ich auf mein 5-8mm Speers Zoom gewechselt hatte und die Vergrößerung bis auf 185fach gesteigert hatte, blitzte die SN immer mal wieder an gleicher Stelle neben dem relativ hellen Zentrum von NGC2655 auf. Ich versuchte noch andere Zoomstufen des Okulars, aber mit um die 6-7mm gelang die Sichtung am besten. Das Seeing war nicht so richtig gut, sodass es sicher auch damit zusammenhing, dass ich die SN nur drei-vier mal länger als ´ne Sekunde indirekt halten konnte. Ich war so konzentriert bei der Sache, dass ich erst garnicht mitbekam, dass es bei meinen Nachbarn mitlerweile dunkel geworden war. Prima, so mag ich´s. Ich war richtig happy darüber, die SN nun doch noch selbst beobachtet zu haben, wenngleich es schon ordentlich Augenverbiegerei war. Aber da es meine erste beobachtete Supernova war, war es für mich schon was ganz besonderes.

Ich beendete die Belichtungsserie von NGC2264 und kam auf den Gedanken, dass ich ja auch den Fotonewton mal zur Supernova schwenken und diese mitsammt ihrer Heimatgalaxie ablichten könnte.

Gesagt getan, hier das Ergbnis aus 12 Einzelbelichungen á 70 Sekunden mit ISO1600:
Bild





























Die zweite helle Galaxie rechts im Bild ist übrigends NGC2715, die im 8"er auch gut als längliche, schwache Spindel zu erkennen war.

Gegen 00.00Uhr begann ich dann mit dem Abbau, während die EOS noch ihre Darks schoss. Es hatte mitlerweile knapp -9°C draussen und da es mich schon etwas fröstelte und ich ja auch wieder früh aufstehen mußte, war es dann auch lang genug für diesen Abend. Da der Mond ja auch kurz vor dem Aufgang stand, konnte ich dann auch beruhigt rein gehen. Um 0.30Uhr lag ich dann bereits in der Horizontalen und fiel schnell in den benötigten Schlaf.