Start Beobachtungsberichte 2011 04.01.2011 - Partielle Sonnenfinsternis oder der Frust des Hobbyastronomen

Hallo,

in diesem Bericht möchte ich zeigen, dass auch in der Astronomie Lust und Frust ganz dicht beieinander liegen können.

Heute, am 04. Januar 2011 sollte über großen Teilen Europas eine partielle Sonnenfinsternis stattfinden. Laut Vorhersage sollte das Spektakel von meinem Wohnort aus bei Sonnenaufgang bereits in vollem Gange sein. Gegen 8.28Uhr sollte die Sonne aufgehen und der Mond dabei bereits ca. 20% des Heimatgestirns verdeckt haben. Die maximale Bedeckung der Sonne sollte um 9.20Uhr zu beobachten sein. Dann würde der Mond gut 71% der Sonne verdeckt haben. Um 10.44Uhr sollte das seltene Himmelsereignis beendet sein, die Sonne würde wieder in ihrem vollen Rund zu sehen sein.

Am frühen Morgen bastelte ich noch schnell einen Sonnenfilter für mein 300mm TAIR 3 Objektiv, dann noch ´ne Kanne Kaffee gekocht, 8" Dobson, Okular- und Binokoffer, Fernglas und den anderen Beobachtungskram ins Auto gepackt. Der Himmel sah nicht gerade vielversprechend aus. Im Zenit konnte man zwar in der fortschreitenden Dämmerung durch Wolkenlücken immer mal wieder den ein oder anderen Stern entdecken, in Horizontnähe sah es aber doch recht trübe aus. Auch die sonst gleißend helle Venus hatte es schwer sich gegen den Dunst am Himmel durchzusetzen. Immer wieder verschwand sie vom bewölkten und benebelten Himmel.

Gegen 7.50Uhr fuhr ich los in Richtung meines Lieblingsbeobachtungsplatzes, der außer einer guten Süd-Ost-Sicht auch noch ein paar Meter höher liegt als unser Haus. Ich hatte die Hoffnung, dass ich dort zumindest dem Nebel entrinnen könnte. Aber Pustkuchen. Die Ebene lag komplett im Siff. Die Durchsicht war dort noch schlechter, als bei mir daheim. Also fuhr ich wieder zurück. Der Himmel schien in Richtung Norden etwas besser zu sein und so entschloss ich mich dazu etwas in diese Richtung zu fahren, wo es auch eine nette Anhöhe gibt, auf die ich vor ca. 15 Jahren immer mal zum beobachten hingefahren bin. Aber schon wenige Kilometer davor drehte ich wieder um. Die Nebelsuppe war auch dort viel extremer als bei mir zu Hause. Der Sonnenaufgang war mitlerweile in vollem Gange, zumindest der Uhrzeit nach, denn zu sehen war die Sonne natürlich nicht.

Nachdem ich noch einen anderen Platz ausprobierte, wo mir aber ein ziemlich kalter Wind um die Ohren blies und noch dazu auch der Nebel immer näher kam, entschied ich mich dazu in der Nähe meines Wohnorts das Teleskop aufzubauen, in der Hoffnung, zumindest einen kleinen Teil der Sonnenfinsternis mitzubekommen. Aber der Nebel lichtete sich nicht. Im Zenit und in Richtung Nord-Westen kam immer mal wieder blauer Himmel zum Vorschein. Aber von Westen schwappte auch der Nebel über die Hügelketten meiner Heimat. Aber ich wollte noch nicht aufgeben. Da mir etwas langweilig war schoss ich erstmal ein paar Fotos.

Dieser einzeln im Feld stehende Baum hat mich schon immer sehr fasziniert. Er ist zu jeder Jahreszeit ein schöner Anblick.




























Wie man sieht war der Himmel schon ganz schön trüb. Noch dazu leider auch fast in der Richtung, in der gerade das Spektakel der partiellen Sonnenfinsternis stattfand.

Nachdem ich dann auch den Dobson justiert hatte, baute ich die kleine Fuji Finepix F31fd Kompaktknipse mit Digiklemme und 25mm Plössl Okular an den Okularauszug. Den Sonnenfilter ließ ich im Auto. So wie es aussah, würde ich den wohl heute nicht mehr brauchen.




























Und weil von der Finsternis natürlich noch immer nichts zu sehen war, hielt ich dann den Dobson mit 1200mm Brennweite mal auf den schönen Baum.































Tja, schon ganz witzig, aber irgendwie wollte ich ja eigentlich etwas ganz anderes knipsen. Die maximale Bedeckung war natürlich mitlerweile auch schon durch und nachdem es immer mal wieder etwas heller in Richtung Süd-Osten wurde, ich aber dann doch auch immer wieder enttäuscht wurde, beschloss ich gegen 10Uhr nochmal in Richtung meines Lieblingsbeobachtungsplatzes zu fahren. Hier unten würde sich die Lage wohl nicht mehr verbessern, also nochmal rauf auf´n Berg. Wenigstens ein kurzer Blick auf die Finsternis sollte mir doch vergönnt sein ...

Nach kurzer Autofahrt war ich wieder in dem hochgelegenen Dörfchen nahe meines Platzes angekommen. Aber wie schon gegen 8Uhr war hier alles dicht, viel trüber als unten bei meinem Wohnort. Einen letzten Versuch startete ich dann noch, indem ich nochmal in eine ganz andere Richtung fuhr. Erstmal mußte ich ca. 5km zu unserer Kreisstadt Korbach, dann fuhr ich weiter in Richtung Westen. Dabei schaute ich immer wieder aus dem Fenster in Richtung Süd-Osten, in der Hoffnung, die Sonne doch noch zu Gesicht zu bekommen. Während ich durch den Nachbarort Lelbach fuhr war es dann soweit. Gegen 10.2oUhr lugte die noch teilverfinsterte Sonne für vieleicht 1-2 Sekunden durch den grauen Nebelschleier. Ich fuhr weiter aus dem Ort heraus eine Anhöhe hinauf. Nach ca. 500m gibt es eine Einmündung zum alten Bahnhof. Dort würde ich mich hinstellen, um vieleicht doch noch ein Foto von der Finsternis schießen zu können. Auf dem Weg dorthin konnte ich die Sonnensichel noch einmal kurz sehen. An der Einmündung angekommen, stellte ich schnell das Teleskop raus, baute die Digiknipse mit 25er Plössl wieder dran, stellte mein Fotostativ auf und montierte meine Canon EOS1000D mit dem 300mm TAIR Objektiv darauf - ständig den Süd-Osten im Blick, um zu schauen, ob die Sichel sich nochmal zeigen würde.

Aber zu früh gefreut. Noch wenige Minuten, dann würde die diesjährige Sonnenfinsternis vorüber sein. Die EOS einmal aufgebaut, schoss ich mit ihr noch zwei drei Fotos von der Umgebung ...


Ortseingang von Lelbach

























Dann um 10.45Uhr packte ich leicht gefrustet meinen Kram zusammen und fuhr wieder nach Hause. Ich hab schon ziemlich lautstark geflucht im Auto. Es kamen auch immer wieder Erinnerungen an die totale Sonnefinsternis 1999 auf, wo ich extra mehrere hundert Kilometer gefahren war, um in die Totalitätszone zu kommen. Lediglich ´ne gute Viertelstunde vor der Totalität bekam ich die Sonnenfinsternis damals für kurze Momente mal zu Gesicht. Die Totalität verbrachte ich auf einer wolkenverhangenen Waldlichtung, ohne Blick auf die Sonne.

Zu Hause angekommen kam mir dann der Gedanke mal die Webcams vom Wintersportort Willingen aufzurufen (ca. 20km entfernt), um mal nachzuschauen, wie die Wetterlage dort ist. Die Wettervorhersage hatte für diesen Ort die gleichen Bedingungen vorhergesagt, wie für meinen Wohnort, weshalb ich es nicht in Erwägung gezogen hatte dorthin zu fahren. Mich traf fast der Schlag. Auf den Webcams waren hunderte von Skifahrern zu sehen, die in gleißendem Sonnenlicht die Pisten runterfuhren. Der Himmel schien stahlblau zu sein - und das ca. ´ne halbe Stunde nach dem Ende der Finsternis. So ´ne Sch..ße ... wär ich doch mal da rüber gefahren. Aber wie es eben im Leben so ist - im Nachhinein ist man immer schlauer.

Tja, und als wenn das allein nicht schon übel genug wäre, klarte es dann ca. 1 1/2 Stunden nach dem Ende der Finsternis auch bei mir zu Hause auf. Die Sonne brannte von einem völlig blauen Himmel auf mich herab. Wenn ich´s nicht besser wüßte, hätte ich gedacht, dass sie mir dabei auch noch ´ne lange Nase gemacht hat.

Nachdem auch dieser Schock verdaut war, wollte ich dann doch zumindest noch den Sonnenfilter für das 300mm TAIR Objektiv ausprobieren und hielt mit EOS und Stativ aus unserer Einfahrt heraus mal drauf. 300mm (+ Cropfaktor) sind natürlich nicht gerade viel um Details der Sonne zu erkennen. Nichts desto trotz find ich das Ergebnis ganz o.k.




























Auf dem eingefügten Sonnenausschnitt (Originalauflösung des Ausschnitts) ist außer dem gut ausgeprägten Fleck oben links mit deutlich sichtbarer Penumbra auch eine schwache Fleckengruppe unten rechts zu erkennen. Wären am Teleskop bestimmt ein paar schöne Fotos geworden, wenn ich die Sonne während der Finsternis erwischt hätte. Diese Aufnahme entstand um 14Uhr, also gut drei Stunden nach der einzigen partiellen Sonnenfinsternis seit 2008, die von Deutschland aus zu sehen war - nur eben leider wetterbedingt nicht überall.

Jetzt heißt es wieder warten auf die nächste Gelegenheit. Die wird sich uns am 20. März 2015 bieten. Hoffentlich spielt dann das Wetter mit ...