Start Beobachtungsberichte 2010 04.-13.10.2010 - 9 Tage ins All

Hallo,

o.k., volle 9 Tage waren es nun nicht, aber folgender (Bilder-)Bericht umfasst einen Zeitraum von 9 Tagen.


Los geht´s mit dem ...

04. auf 05.10.2010

Ein Montag, also voll in der Arbeitswoche. Kein Grund um nicht raus zu gehen, wenn´s schon mal klar ist. Aber ein Beobachtungsprogramm war nicht vorbereitet und außerdem wollte ich gern kurz nach der Jupiter-Opposition (20.09.), die noch dazu die erdnächste seit über 10 Jahren war, den Gasriesen nochmal auf den Chip meiner Webcam bringen.

Gesagt getan, den Astro-Krämpel fix raus in die Einfahrt gestellt ...



























Im einzelnen sind das die LXD75 Montierung, 8" f/6 GSO-Newton (genau, der vom Dobson), Läppi, 9mm TS-SWM Okular, Projektionsadapterkram für die Webcam und diese natürlich selbst in Form einer Philips SPC900NC.

Filmen tue ich immer mit der Freeware Giotto, was dann auf dem Läppibildschirm so ausschaut:


























Die Einstellungen der Webcam nehme ich dabei mit der Software WcCtrl vor, ebenfalls freeware.

Die beiden Jupiters, die dabei rauskamen:





























Und 36 Minuten später entstand das nachfolgende:





























Wie man sieht hat sich nicht nur der Planet weitergedreht (wen wunderts), auch meine Bearbeitung der AVI-Dateien ist offensichtlich anders ausgefallen. Ich habe mir auch nicht aufgeschrieben, wie ich an den ersten Jupiter rangegangen bin. Jede Aufnahme wird bei mir individuell bearbeitet. Und das noch dazu ohne dass ich zu 100% weiß, was ich da gerade tue. :shock: Ich schraub einfach so lange an den Reglern von Giotto, bis ich denk, mehr ist nicht rauszuholen.

Aber zurück zur Nacht vom 04. auf den 05.10.2010. Da ich den Webcamkram nu mal am Start hatte, kam mir der Gedanke, dass ich ja auch mal auf Uranus halten könnte. Nicht das ich große Erwartungen an das Endergebnis gehabt hätte, aber ausprobieren wollt ich´s schon mal.

Hier das bescheidene Ergebnis:


























Zumindest ist er flächig und die Farbe passt soweit auch.


07.10.2010

Weiter geht´s im Sonnensystem. Diesmal aber mit einem Kameraden, der längst nicht so groß ist, aber trotzdem nicht weniger sehenswert, zumal er auch ziemlich schnell am Himmel unterwegs ist. Der Komet 103P/Hartley2, benannt nach seinem Entdecker Malcom Hartley. Am 20.10. soll er bei seiner ca. 6, 5 Jahre dauernden Sonnenumrundung seine größte Erdnähe haben und in der Zeit dann wohl auch seine größte Helligkeit. Vermutet wurde bereits im Vorfeld, dass er so hell werden könnte, dass man ihn mit blossem Auge am Nachthimmel erspähen könnte. Soviel vorneweg, dies war gestern Nacht schon kein Problem mehr. Aber dazu später mehr.

Am 08.10. sollte Hartley2 an h&chi im Perseus vorbeidüsen, was ich auch gern fotografisch festhalten wollte. Genau zum richtigen Zeitpunkt traff dafür mein neues Fotoobjektiv ein, ein russisches Spionageobjektiv mit der Bezeichnung TAIR-3-PHS und 300mm Brennweite bei bis zu Blende f/4,5. Seit 1 1/2 Jahren beobachte ich entsprechende Auktionsangebote in der e-Bucht. Meist wird der komplette Koffer mit allem Zubehör, wie Kamera, Pistolengriff und Farbfiltern angeboten (muss man mal gesehen haben), was aber auch den Preis in die Höhe treibt. Nun hatte ich dann aber doch endlich das Glück, dass jemand das Objektiv für schlappe 15,-€ zum Sofortkauf angeboten hat. Da hab ich natürlich gleich zugeschlagen. Ein passender M42-EOS-Adapter musste natürlich auch noch her. Nach etwas Recherche über verschiedene Modelle entschied ich mich dann für ein 9,90€-Modell (inkl. Versand) welches auch prima passt und mit dem ich auch gerade noch so in den Fokus komme. Ich komme nur ganz minimal darüber hinaus.

Also wurde abends die Montierung wieder in der Einfahrt aufgebaut, und die EOS sammt Objektivneuzugang aufgeschnallt.
































Nachdem ich eine Probebelichtung geschossen hatte, entschied ich mich die Kamera am Objektiv noch etwas zu drehen, um eine schönere Bildaufteilung hinzubekommen. Kaum hatte ich die Kamera neu ausgerichtet zog sich der Himmel leider komplett zu. Innerhalb von vieleicht max. 2 Minuten war alles dicht.

Aber nun gut, das wichtigste war geklärt und erledigt - ich komme in den Fokus.

Hier das einzige Foto, welches ich an dem Donnerstag vom Kometen - bereits nahe h&chi - schiessen konnte:



























(EOS1000D, TAIR-3-PHS 300mm, ISO800, 90Sek., f/5,6)


08.10.2010

Am heutigen Tage sollte der Vorüberflug des Kometen 103P/Hartley2 stattfinden und laut der Aufsuchkarte von www.kometeninfo.de würde er abends auch schon dran vorbei sein. Also wieder die EOS mit dem 300mm TAIR-Objektiv an den Start gebracht und losfotografiert.

Aus 57 Einzelaufnahmen á 120 Sek. bei ISO800 enstand mit der Freeware "DeepSkyStacker" im Kometenmodus folgendes Summenbild:





























Irgendwie komme ich mit dem DSS immer nicht so recht klar. Irgendwie kommt hier das knackig grelle Grün des Kometen nicht so recht durch. Das gefiel mir überhaupt nicht, sodass ich auch mit Fitswork nochmal an die Arbeit ging. Dabei werden die Sterne der Einzelbelichtungen natürlich zu Strichspuren, denn der Komet ist wirklich rasch unterwegs. Beobachtet man den Kometen auch nur 5-10 Minuten mit dem Fernglas und orientiert sich an den Sternen, neben denen der Komet gerade scheinbar steht, dann fällt die rasche Bewegung sofort auf.

Hier meine Fitswork-Version von der Begegnung zwischen Hartley2 und h&chi:




























Und da ich mir auch immer wieder gern Zeitrafferaufnahmen anschauen, habe ich aus den Einzebelichtungen auch eine solche erstellt. Hier die Bewegung von Hartley2 in einem Zeitraum von 2 Stunden. Die Helligkeit des Komten nimmt im Verlauf des Videos leider etwas ab, was daran lag, dass mir das Objektiv etwas zugetaut ist. Ich bemerkte es erst zum Ende der Belichtungsserie, nachdem ich mir meinen Fön rausgeholt hatte, um die beschlagenen Okulare wieder vom Tau zu befreien. Gleiches tat ich dann auch mit dem Objektiv.

Während die Kamera ihre Belichtungsserie schoss, habe ich mit meinem 8" Dobson und meinem 120/600 Richfieldrefraktor beobachtet. Ein Programm hatte ich nicht, ich hab einfach beobachtet, was mir gerade so in den Sinn kam. U.a. waren das M31/M32/M110, h&chi+Hartley2 (natürlich :wink:), M33, Jupiter (mit Binoansatz), Uranus, Cirrus, NGC7000 und das schöne Duo NGC6939+6946 im Cepheus.

Letztere habe ich dann auch noch mit meinem TAIR-Objektiv auf den Chip meiner EOS gebannt.




























Der helle Stern rechts oben im Bild ist übrigends der mit bloßem Auge zu sehende η Cep.

Diese beiden Objekte in einem Gesichtsfeld find ich immer wieder sehr schön. Vor allem wenn man sich vorstellt, dass der offene Sternhaufen NGC6939 Bestandteil unserer Heimatgalaxie ist, während die Spiralgalaxie NGC6946 eine eigene Welteninsel für sich mit einer Entfernung von ca. 12 Mill. Lichtjahren ist.


10.10.2010

Da meine Frau mit ihren Freundinnen übers Wochenende weggefahren war, konnte ich leider nicht ins Feld zum beobachten fahren, da ich auf die Kinder achten musste. Da die Bedingungen in unserer Einfahrt so schlecht aber auch nicht sind, fotografiere ich hier meist. Auch in dieser Nacht wollte ich die EOS wieder mit altem Sternenlicht fluten. Diesmal mit ca. 2,5 Mill. Jahren altem Licht. Die Andromedagalaxie M31 sollte endlich mal mit dem 6" f/5 Newton eingefangen werden.

Hier das Ergebnis aus 31 Einzelbelichtungen mit ISO1600, á 120sek:



























Wie erwartet passt die Gx nicht ins Gesichtsfeld der EOS. Und da ich das Foto aus diesem Grund auch nicht weiter beschneiden möchte, fällt hier natürlich extrem auf, dass ich keinen Komakorrektor besitze. :? Aber was solls. Irgenwann muss so´n Ding wohl doch nochmal her ...

Auch während dieser Fotoserie beobachtete ich mit meinem 8" Dobson. Diesmal standen ausser dem Kometen, Jupiter, M31/32/110, M33 auch noch M74, NGC891, der Fötusnebel NGC7008 und der Katzenaugennebel NGC 6543 auf dem Programm. Letzteren hatte ich zuvor noch nicht beobachtet. Ich war überrascht, wie hell dieser ist und dank Baader OIII-Filter im Übersichtsokular auch schnell gefunden war.

Auch die Jupiterbeobachtung mit Maxbright Bino war wiedermal sehr schön. Calsky hatte einen Io-Schattendurchgang vorausberechnet, den ich mir auch in Ruhe anschaute. Toll daran war vor allem, wie Io sich bei seinem Durchgang langsam aus dem hellen Licht seines Mutterplaneten löste. Erst war Io als wachsender "Pickel" an Jupiter zu sehen, bis er sich dann gänzlich von Jupiter trennen konnte. Ist immer wieder ein schöner Anblick, den jeder mal gesehen haben sollte. Gerade während eines solchen Momentes, wo der Mondschatten noch immer auf dem Planeten zu sehen ist, kann ich mir die Dreidimensionalität des Jupitersystems gut vorstellen - Kopfkino pur!


11.10.2010

Die Urlaubswoche begann wie sie beginnen mußte. Da ich die letzten beiden Arbeitstage der vorangehenden Woche auf einem EDV-Lehrgang war, hatte ich noch etwas Arbeit auf dem Schreibtisch, sodass ich morgends erst noch mal für 2 Stunden an die Arbeit musste. :? Für die folgende Nacht hatte ich mich aber bei Hubertus in seiner Sternwarte angekündigt. Mit mir trafen dann auch noch "Weltraumtouristen" ein, wie Hubertus interessierte Besucher seiner Sternwarte immer nennt, um sich von ihm ein paar "Weltwunder" zeigen zu lassen. Ich hatte meinen 120/600 Richie und die Pipemount mitgebracht und klinkte mich in Hubertus "Reise ins All" unterstützend ein.

Hier Hubertus an seinem 16" Newton:



























Die Besucher waren wirklich sehr interessiert und ausser Fragen zu den Objekten wurden auch einige zu unseren Teleskopen gestellt, die wir gern beantworteten. Gezeigt bekamen die Besucher "die üblichen Verdächtigen" Jupiter, Uranus, M13, M27, M31, M57 und den Cirruskomplex.




























So gegen 23.30Uhr waren wir beiden dann wieder allein auf seiner abgelegenen Sternwarte ...




























... und konnten uns den lichtschwächeren Deepskyobjekten zuwenden. Auch diesmal gab es keinen richtigen Plan, was wir uns anschauen wollten. Die Reihenfolge bekomme ich auch nicht mehr zusammen. Beobachtet haben wir aber NGC891, M74, den Helixnebel NGC7293, Jones 1, NGC7331 und Stephans Quintett.

Der Helixnebel war für uns beide neu und wir hatten erst Probleme ihn zu finden. Da er relativ groß sein soll, versuchte ich es mit meinem Richie mit knapp 19facher Vergrößerung und Baader OIII-Filter, während Hubertus es mit seinem 16"er versuchte. Wir gingen auch ganz unterschiedlich an die Sache ran. Während ich als Dobson-Schubser nach geometrischen Sternkonstellationen zum Aufsuchen von Objekten schaue, suchte sich Hubertus als erfahrener Parallaktiker in seiner Sternkarte einen hellen Stern, der ungefähr die gleiche Deklination hatte wie der Helixnebel und errechnete dann den ungefähren Abstand in Rektaszension um mittels der Teilkreise der Montierung von dem hellen Stern zum Helixnebel zu kommen. Während ich an meinem Richie schnell Erfolg hatte (ich hätte garnicht gedacht, dass dieser Ringnebel so groß und vor allem hell ist!), kam Hubertus am 16"er nicht zum Ziel. Ich versuchte es dann mal an dem großen Newton nach meiner Methode. Da ich mich aber mit den Bewegungsachsen einer parallaktischen Monti auch immer noch etwas schwer tue, kamm ich nicht sofort an die richtige Stelle. Erst beim zweiten Anlauf (ich hockte unter dem Tubus und dirigierte denselben mittels der Telradkreise, während Hubertus durchs 31ger Nagler schaute) fanden wir den planetarischen Nebel auch in diesem Teleskop. Dank des Filterrads konnten wir auch schön sehen, wie hilfreich der OIII-Filter beim aufsuchen und beobachten ist. Ohne war der Nebel kaum noch wahrzunehmen. In meinem Richie war er ohne OIII garnicht mehr zu sehen. Nach etwas beobachten uns spielen mit verschiedenen Vergrößerungen, versuchten wir mit dem 11er Nagler ohne Filter die Sterne im Nebel zu zählen. Dabei musste immer mal wieder der OIII-Filter eingeschwenkt werden, um zu schauen, wo der Nebel denn aufhört. Ich kam auf 7 Sternchen, Hubertus auf bis zu 11. Wir mußten aber beide sagen, dass es nicht so einfach ist mit dem zählen, da ohne Filter der Nebel im 11er Nagler nicht mehr zu sehen ist und es da dann auch schnell passiert, dass man Sternchen mitzählt, die ausserhalb des Nebels liegen. Genauso war ich mir nicht sicher, ob ich nicht zu wenige gezählt hatte. Aber irgendwo zwischen unseren beiden Zählungen wirds wohl liegen, was mit 16" an dieser Stelle zu erhaschen ist.

































Gegen 2.45Uhr machten wir die Sternwarte dicht und fuhren Heim. Hubertus war die letzen Nächte immer lange draussen und hatte einige "Weltraumtouristen" zu Besuch. Dabei hatte er sich einen Schnupfen eingefangen und wir beide beschlossen, dass es hiermit genug war. Es war eine sehr schöne Nacht und ich freue mich schon auf unser nächstes Wiedersehen.

Am 12.10.2010 war ich nur ´ne Viertelstunde draußen und habe Jupiter und Hartley2 mit dem 8"er beobachtet. Für mehr hatte ich keine Lust, da der Himmel doch recht diesig war.


13.10.2010

Ich hatte eigentlich garnicht so recht Lust rauszugehen. Gegen 21.30Uhr sah der Himmel auch noch recht diesig aus. Als ich gegen 23Uhr aber nochmal auf unseren Balkon ging staunte ich nicht schlecht, dass der Komet Hartley2 ohne große Dunkeladaption mit blossem Auge zu sehen war. Um sicher zu gehen holte ich schnell mein 10x50 aus dem Keller. Jawoll, dass war er tatsächlich, der grüne Komet. Also beschloss ich doch nochmal die Montierung in die Einfahrt zu stellen und den Kometen mal mit 6" f/5 abzulichten.

48 Einzelaufnahmen habe ich für das folgende Summenbild herangezogen. Alle mit 60 Sekunden Belichtungszeit bei ISO1600.



























Schon bei der Bildbearbeitung meinte ich den Ansatz eines Schweifs zu erkennen. Ich erstellte dann eine invertierte Version in Grautönen, in der Hoffnung, dass man den Schweif darin vieleicht besser erkennen kann. Bis auf den Ansatz eines Schweifes ist aber auf meinem Foto leider nichts zu sehen. Entweder ist der Schweif doch noch zu schwach, oder er bildet sich jetzt erst aus.Mit dem Ergbnis des DeepSkyStackers war ich wieder nicht zufrieden. Daher habe ich auch dieses Bild wieder mit Fitswork erstellt.

Während der Belichtungsserie machte ich mir es in unserer Einfahrt auf einer Isomatte bequem und beobachtet mit meinem 16x80 Fernglas den in tieferen Deklinationen ein klein wenig diesigen Nachthimmel. Dabei versuchte ich auch abzuschätzen, ob der Komet wirklich heller war, als M33, den ich auch indirekt sehen konnte. Mein Ergbnis: Ja, er ist heller. Er wirkt im 16x80 FG zwar nicht ganz so groß, dank seines hellen Kerns aber, ist er etwas heller und damit besser am Himmel wahrzunehmen als M33.