Start Beobachtungsberichte 2008 12.05.2008 - Mein allererster Beobachtungsbericht

Heute morgen gegen 2.00 Uhr, kurz bevor der Deepsky-Killer, auch Erdenmond genannt, die Himmelsbühne verließ, bin ich zu meinem „Lieblings“-Spechtelplatz gefahren. Dort angekommen bemerkte ich nach dem Aufbauen des Dobson, dass ich meine beiden Schraubendreher zum kollimieren vergessen hatte. :-( Gott sei dank zeigte der Sterntest an Deneb mit 200fach, dass ich nicht kollimieren mußte. Aufatmen. Dann hab ich mich erstmal mit dem Fernglas wieder an den Nordamerikanebel im Schwan rangemacht und auch gleich gefunden. Vor zwei Tagen war mir das zum ersten Mal gelungen. Wenn man erst mal weiß, wo er ist, dann geht`s recht gut. Die Milchstraße war umwerfend schön anzusehen. Jede Menge Strukturen bis zum südlichen Horizont. Das Rausfahren hat sich allein deswegen schon gelohnt. Meine Grenzgröße würde ich auf mindestens 6m3 schätzen. Ich hab mich darum allerdings nicht intensiv gekümmert – nur mal zum kleinen Bären geguckt und M13 ohne Probleme freiäugig gesehen.

An Polaris hab ich meinen "8x50 Finder" und den Rigel-Quickfinder justiert und dann gings los nach Nordamerika – zum ersten Mal mit meinem 8“ f/6 Dobson. :-) Zum Aufsuchen vor zwei Tagen hatte ich mir unter zu Hilfenahme des Karkoschka eine Sternenkonstellation eingeprägt und dachte, dass es kein Problem wird, diese auch im 2" TS WA 32 zu finden. Aber sooooo einfach war das gar nicht. Denn es waren viiiiiiieeeeeelll mehr Sterne zu sehen, als im Fernglas, noch dazu hatte ich ja fast 4 Mal so starke Vergrößerung, so dass ich 2-3 Minuten gebraucht hab, um mich zu orientieren. Die spiegelverkehrte Ansicht im Dobson tat ihr übriges. :-) Doch dann, als ich "meine" Sternenkonstellation identifiziert hatte, fand ich den Nordamerikanebel sofort. Aber auch nur, weil ich schon Übung mit dem Fernglas hatte. Nun wollte ich aber doch noch mal mein Baader UHC-S Filter mit dem Übersichtsokular probieren, und tatsächlich. Zum ersten Mal sah ich, dass sich die Anschaffung doch gelohnt hat. Bisher war ich da eher skeptisch. Der riesige Gasnebel hob sich um einiges besser vom Hintergrund ab, sprich der Kontrast verbesserte sich soweit, dass man den Nebel nun noch besser erkennen konnte.

Nachdem ich NGC 7000 eine Weile beobachtet hatte (er paßt tatsächlich nicht ins Gesichtsfeld des 2" TS WA 32 - wie es mir „Cartes du Ciel“ bereits "vorhergesagt" hat), versuchte ich mich am Pelikan. Der war ungleich schwerer als der NGC 7000. Ich wollte schon fast aufgeben, als ich dann doch noch mal den Karkoschka zu Rate zog. Und es sollte sich bezahlt machen. Nach `ner Weile konzentrierten Beobachtens konnte ich den Schnabel des Pelikan relativ gut erkennen. Der Karkoschka alleine half dabei aber nicht. In der Aufsuchkarte ist nämlich die charakteristische Form des Pelikannebels nicht so richtig eingezeichnet. Is mehr so`n Kleks. :-) Leider sind auch nur zwei separate Fotos von NGC 7000 und vom Pelikan im Karkoschka, keins wo beide zusammen drauf sind, sodass ich auf mein "brain" zurückgreifen mußte, wie und wo der Pelikan seinen Schnabel hat. Damit gelang es dann auch, aber es war schon recht schwierig.

Danach verließ ich diese Region und machte mich auf in die Leier zum Ringnebel M57. Er war vor allem indirekt gut mit 133facher Vergrößerung zu sehen. 200fach war schon `n Tacken zu viel. Auch hier probierte ich wieder den UHC-Filter aus, kam aber zu dem Schluß, dass M57 besser ohne UHC zu beobachten ist. Er erschien bei jeder Vergrößerung ab 60fach als leicht ovaler Ring, wobei der Ring als solcher am besten bei indirektem Gucken zu beobachten war.

Nachdem ich auch diesen planetarischen Nebel ausgiebig beobachtet hatte fuhr ich mit dem Dobson, bewaffnet mit dem 2“-Übersichtsokular, ein wenig in südliche Richtung. M27, der Hantelnebel sollte mein nächstes Ziel sein und voila, er präsentierte sich auch als Hantel. Schon im Übersichtsokular war seine charakteristische Form gut zu sehen. Vergrößern konnte ich ihn gut bis 200fach, wobei sich auch hier der UHC-Filter positiv in Sachen Kontrast bemerkbar machte.

Von M27 wollte ich mal kurz `nen Abstecher in den Schützen machen, wobei ich merkte, dass sich der Himmel Richtung Osten schon deutlich begann aufzuhellen - es war 3.56Uhr. Ich hab nur mal schnell `nen Blick auf M8, M20 und M21 geworfen, die trotz tiefem Stand überm Horizont sehr schön anzuschauen waren. Vor allem der Lagunennebel M8 machte `ne gute Figur im Okular. Die Strukturen waren recht gut zu erkennen. Trotzdem hatte ich irgendwie den Eindruck, dass die Luft "hier unten" nicht so doll war, wie zuvor im Schwan und in der Leier, was sich an einem anderen Objekt, welches sich momentan auch im Schützen aufhält - dem Gasriesen Jupiter - auch bestätigte. Ich hatte beim ersten Sichtkontakt mein 9mm TS SWM Okular drin. Erst dachte ich, meine Optik wäre beschlagen. Aber es waren die üblen Luftschichten, die es in dem Moment unmöglich machten, Jupiter und seine Monde scharf und klar zu sehen. Erst als die Dämmerung schon weiter fortgeschritten war, so ca. `ne halbe Stunde vor Sonnenaufgang besserte sich das Seeing ein wenig. Die meiste Zeit waberte der Planet ziemlich stark im Telskop, sodass meistens noch nicht einmal die beiden Hauptwolkenbänder sichtbar waren. Aber für kurze Augenblicke gab die Luftunruhe doch mal einen halbwegs guten Blick auf Jupiter frei. Doch so richtig Freude kam beim Beobachten noch nicht auf. Aber die Zeit des Jupiter kommt ja erst noch. Trotz allem habe ich afokal ein paar Fotos und AVI`s mit meiner Fuji F31fd Digiknipse gemacht, in der Hoffnung, dass vielleicht etwas brauchbares dabei ist.

Und hier das Ergebnis:

8" f/6 GSO Dobson + TS SWM 6 + 1,5xBarlow + Fuji Finepix F31fd = AVI 2,32min lang -> mit Giotto in Einzelbilder zerlegt, davon 3481 für Summenbild verwendet und in Giotto nachbearbeitet.


















Um 5.30Uhr, kurz vor Sonnenaufgang, baute ich durchgefroren mein Teleskop wieder ab und fuhr Heim. Den Weg nach Hause erleuchtete mir bereits die aufgehende Sonne - auch ein sehr schöner Anblick. Interessant fand ich auch mal wieder die Tierwelt. Mein Spechtelplatz liegt in einer Waldlichtung, die quasi u-förmig von Wald umgeben ist. Immer mal wieder hört man ein Knacksen oder einen Hirsch röhren oder auch mal irgendein anderes Tier schreien. Zwischendurch ist mir dann auch mal `ne Fledermaus um den Kopf geflattert. Das ganze ist manchmal ja schon `n bisschen unheimlich, aber auch zugleich faszinierend. Ich liebe es einfach mitten in der Natur zu sein. Irgendwann, als der Himmel sich langsam aufhellte fing dann in einem Waldstück auch der erste Vogel an zu zwitschern. Und als ob die anderen nur auf ein Startsignal gewartet hätten, begannen immer mehr Vögel mit ihrem Gesang. Es war wirklich super. Ich wünschte, ich könnte das öfter machen – spechteln bis zum Sonnenaufgang. Aber der Alltag läßt das leider nicht zu. Na ja, that`s life.