Start Beobachtungsberichte 2010 16.02.2010 - Mit Kriegsgott auf Galaxienjagd

Ort: Korbach-Lengefeld, Einfahrt
Zeit.: 16.02.2010, 20.45Uhr - 01.30Uhr
Temp.: -4°C
fst: 5m8

Nach einigen Wochen ständig bedeckten Himmels, ging gestern Abend mal wieder was. Wie Meteoblue vorhersagte, war der Himmel frei von Wolken. Lediglich leicht diesig war es wiedermal. Von wegen, die klarsten Nächte hat´s im Winter. Dieser Winter jedenfalls ist bisher beobachtungstechnisch eine einzige Katastrophe.

Nach kurzem Überlegen, wie mein Programm für den Abend aussehen soll, begann ich gegen 20.45Uhr meine EQ-EM10-Montierung in der Einfahrt aufzubauen. Ins Feld fahren macht bei den momentanen Schneemassen einfach keinen Sinn. Das Risiko ist doch zu hoch, dass ich mich in der Nacht festfahre. Nach einem Blick auf calsky entschloss ich mich, zuerst eine kleine Webcamsession am Mars zu machen, der ja vor gut 2 Wochen in Opposition stand und nun bereits wieder schnell kleiner wird. Calsky zeigte gegen 18Uhr, dass sich "Olympus Mons", der größte bisher bekannte Vulkan des Sonnensystems genau Richtung Erde wies. Den wollte ich sowieso gern mal auf einem Marsfoto verewigen, allerdings war mir auch klar, dass es gut sein könnte, dass ich meinen Webcamkram nicht schnell genug am Start haben würde.

Das Seeing war ziemlich schlecht, sodass ich kaum eine Möglichkeit hatte, den Fokus zu finden. Vor etwa zwei-drei Wochen hatte ich mir eine Bathinovmaske mit dem Drucker auf eine transparente Druckerfolie gedruckt, in der Hoffnung, dass ich damit auch gut fokussieren könnte. Dies erwies sich aber als Trugschluß. Die Abbildung auf dem Monitor meines Laptops war so extrem schwammig, dass ich den Fokusierversuch mit der bedruckten Folie sofort wieder aufgab. Das Seeing ließ aber auch keine richtige Fokussierung zu, sodaß ich erstmal eine paar Fotos mit meiner EOS schoß.

Im Anschluß widmete ich wieder dem Mars und nachdem ich nochmal den Fokus etwas angepaßt hatte, begann ich gegen 22.50Uhr mit dem "Dreh" meiner Marsfilmchen, in der Hoffung, dass am Ende ein halbwegs gescheites Foto des roten Planeten bei rauskommen könnte. 8 Filmchen mit je bis zu 2000 Einzelbilder entstanden dabei. Aus einem dieser Filmchen entstand dann folgendes Summenfoto, auf welchem außer der markanten Nordpolkappe und den verschiedenfarbigen Ebenen auch der schneebedeckte Riesenvulkan "Elysium Mons" (Höhe=12,5km) als kleines, weißes Fleckchen, etwas oberhalb der Planetenscheibchenmitte zu finden ist. Der noch größere "Olympus Mons" lag zu dem Zeitpunkt leider schon zu nah am östlichen Planetenrand und geht in meiner Aufnahme in der Aufhellung unter.

Hier das Ergebnis:

























Nachdem ich die Filmchen im Kasten hatte, baute ich den Webcamkrämpel schnell ab, da ich noch etwas mit dem 8"er Dobson spechteln wollte. Dabei fiel mir dann leider ein Maleur auf: Ich hatte vergessen vor dem Filmen den IR-Sperrfilter in die Webcam einzuschrauben. Trotz allem ist das Summenbild für meine Verhältnisse ganz o.k. geworden.

Schnell war der zuvor zum webcamen parallaktisch montierte 8" f/6 Tubus wieder auf seinem echten Zuhause, seiner Rockerbox. Zuerst schaute ich mir die "kosmische 37" im Sternbild Orion ab. Ein sehr hübsches Leckerchen bei 86facher Vergrößerung im 14mm Speers Waler Okular. Da das Sternbild bereits zum Teil hinterm westlich liegenden Wald verschwunden war, beließ ich es bei dem einen Orion-Objekt und schwenkte erstmal zum Mars, um ihm auch mal visuell auf die Pelle zu rücken. Auch wenn das Seeing die meiste Zeit eher mittelmässig bis schlecht war, so konnte ich die 240fache Vergrößerung, die ich mit meinem 5-8mm Speers-Zoom bei der kürzesten Brennweite am 8" f/6 Dobson erreiche, für kurze Momente ganz gut nutzen.

Hier der Blick aus meiner Einfahrt Richtung Süden:






















Danach wollte ich mich wieder dem Vorhaben meiner letzten Beobachtungsnacht widmen und Objekte aufsuchen, die Sternfreund Costa aus dem ATDS-Forum vor ein paar Wochen beobachtet hatte. Gescheitert war ich dank schlechter Aufsuchkarten an der über 60 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxiengruppe Hickson 44 im Löwen, mit der ich dann auch beginnen wollte. Im 16" Dobson hatte ich bei meinem letzten Beobachtungsabend nur zwei der vier Galaxien ausmachen können. Die Bedingungen waren ja nicht so gut und ich wußte nicht, wo genau sich die beiden anderen Galaxien befinden müßten. Aber nun hatte ich vorgesorgt. Ich hatte mir die Tage ein Foto ausgedruckt, auf dem die Gruppe komplett zu sehen ist. Nun konnte ich anhand dieses Fotos nochmal auf die Suche gehen. Die Position von Hickson 44 "im Hals des Löwen" war wieder schnell gefunden und damit auch die beiden hellsten Vertreter NGC3190 und NGC3193. Auch die etwas schwächere Galaxie NGC3185 war dank des Fotos schnell gefunden, die schwächste des Quartetts, NGC3187 ließ sich aber lange bitten. Nur für ganz kurze Momente blitzte an der Position immer mal kurz ein schwaches Nebelchen auf, zu kurz, um diese schöne S-Förmige Balkengalaxie als "sicher beobachtet" abzuhaken. Da muß ich bei etwas besserem Himmel nochmal mit dem 8"er ran, weil ich nicht sicher sagen kann, ob das "Aufblitzen" nicht vieleicht doch nur Einbildung war.

Aber egal, weiter gings, dank Costas Bericht, im Löwen. Als nächstes Objekt peilte ich NGC2903 am Kopf des Löwen an. Ich hatte noch mein 5-8mm Speers Zoom Okular drin und dachte mir, da Costa von einem "Leuchtturm" geschrieben hatte, dass ich diese ca. 20 Millionen Lichtjahre entfernte Spiralgalaxie schon damit finden würde - ein Trugschluß. 150fache Vergrößerung waren wohl doch zuviel zum Aufsuchen. Daher wechselte ich nach ein paar Minuten erfolglosen suchens doch wieder zum 14mm Speers, also 86facher Vergrößerung und wurde prompt fündig. Costa hatte nicht zuviel versprochen - ein "Leuchtturm" im Vergleich zu den schwächeren Kollegen von Hickson 44. Dir Spiralstruktur konnte ich aber nicht ausmachen.

Dann gings noch zum wechselwirkenden Galaxienpaar NGC3226/3227. Auch diese beiden Galaxien sind nicht allzu hell, wen wunderts bei ca. 60 Millionen Lichtjahren Entfernung, aber im 8"er trotzdem leicht aufzufinden, da das Päärchen nur ein klein wenig östlich des hellen Schultersterns des Löwen liegt. Was mir an diesem eng beieinander liegenden Päärchen sofort auffiel, war der extrem stellare Kern bei beiden Galaxien. Die Kerne sahen aus wie nadelfeine Lichtpunkte.

Nachdem ich auch dieses für mich neue Objekt erfolgreich beobachten konnte, wollte ich noch kurz bei "alten Bekannten" in der großen Bärin vorbeischauen - M51 und dem Galaxienpaar M81/82. Zuerst aber die Whirlpoolgalaxie M51. Da der Himmel dort durch die benachbarte Stadt und den ganz leichten Dunst doch etwas aufgehellt war, war erwartungsgemäß nicht viel an Details zu erhaschen. Die große Hauptgalaxie erschien trotzdem stark gemottelt, die Spiralarme selbst und damit den "Drehsinn" der Galaxie, konnte ich aber nicht wirklich ausmachen. Aber viel gefehlt hat da sicher nicht mehr.

Der Blick von der Straße über meine Einfahrt Richtung Norden:






















Danach noch ein schneller Besuch bei Bodes Galaxie M81, die natürlich auch ihre Spiralarme nicht zeigen wollte - habe ich im 8"er aber auch bei gutem Himmel noch nicht geschafft. M82 dagegen war wieder ein wahrer Augenschmauß. Schön zerklüfftet kam diese irreguläre Galaxie im 14er Speers daher.

Da es schon recht spät war und mein Wecker mich um 5.50Uhr unsanft aus dem Schlaf reissen würde, wollte ich nur noch einen schnellen Blick auf Saturn werfen, der sich mitlerweile schon gut aus dem Horizontdunst gelöst hatte. Das Seeing war noch immer nicht so gut, was in der geringen Höhe aber auch nicht wirklich verwunderlich war. Trotzdem waren, außer den beiden westlich vom Mutterplanet stehenden Monden Rhea und Titan, ein Wolkenband auf der Nordhalbkugel des Ringplaneten, die leichte Ringöffnung und der Planetenschatten auf seinem Ringsystem in kurzen Momenten ruhiger Luft gut zu sehen. Schön, dass der Ringplanet den Nachthimmel langsam wieder zurückerobert.Lang ist´s ja auch nicht mehr hin, bis Saturn am 22. März in Oppositionsstellung kommt.

Danach baute ich meinen Kram ab und begab mich gegen 1.50Uhr mit aufgeheiztem Kirschkernkissen zu Bett. Zum einen mit weinendem Auge mit dem Blick auf den Wecker, aber auch mit einem Lachenden, da ich endlich mal wieder beobachten gehen konnte.